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Löbau

Wenn das Parken teurer als der Einkauf ist

Eine Löbauerin vergisst beim Netto, eine Parkscheibe zu nutzen und muss zahlen. Sie kann das nicht nachvollziehen.

Auf dem Parkplatz des Netto-Marktes an der Breitscheidstraße müssen Kunden seit einigen Monaten eine Parkscheibe nutzen.
Auf dem Parkplatz des Netto-Marktes an der Breitscheidstraße müssen Kunden seit einigen Monaten eine Parkscheibe nutzen. © Markus van Appeldorn

Viel war es nicht, was die Löbauer Rentnerin an Lebensmitteln brauchte. Milch und Speiseöl, Spitzkohl und Zitronen, ein bisschen Fleisch und Wurst von der Bedienabteilung. 21,84 Euro standen schließlich auf dem Kassenbon. Was sie der Einkauf im Netto-Markt an der Löbauer Breitscheidstraße in Wahrheit gekostet hatte, das erfuhr die Frau, als sie wieder zurück zu ihrem Auto auf den Parkplatz kam.

Dort findet sie einen unter den Scheibenwischer geklemmten Zettel vor - ein teurer Gruß der Firma "Park & Control". Die fordert von der Frau eine "Vertragsstrafe" in Höhe von 30 Euro, weil sie einen Parkverstoß begangen habe. Zahlbar innerhalb von zehn Tagen. Eine Uhrzeit des Parkverstoßes ist auf dem Zettel auch vermerkt: 13.33 Uhr. Der Kassenbon ihres Einkaufs trägt den Uhrzeitaufdruck 13.48 Uhr.

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Tatsächlich wird der Parkplatz des Löbauer Netto-Marktes an der Breitscheidstraße seit einigen Monaten von dem Stuttgarter Dienstleister "Park & Control" bewirtschaftet. Seitdem müssen Kunden eine Parkscheibe einlegen und dürfen dann 90 Minuten kostenlos parken. Großformatige Schilder an den Zufahrten und an mehreren Stellen des Parkplatzes weisen auf diese Pflicht und die drohende "Vertragsstrafe" bei Zuwiderhandlung hin. Die Rentnerin gibt auch zu, an jenem Tag keine Parkscheibe genutzt zu haben. Ungerecht behandelt fühlt sie sich dennoch: "Das ist Abzocke. Der Parkwächter muss mir ja regelrecht aufgelauert haben", sagt sie. Gerade mal eine Viertelstunde sei sie in dem Supermarkt gewesen. Der Zettel müsse an ihrer Windschutzscheibe gelandet sein, kaum dass sie ausgestiegen sei - der Vergleich der Uhrzeiten von Kassenbon und Parkverstoß-Protokoll stützt diese Vermutung.

Auch den Grund für die Bewirtschaftung des Parkplatzes kann die Rentnerin nicht nachvollziehen. Netto erklärt die Maßnahme auf SZ-Anfrage mit der im Vorjahr erfolgten Eröffnung des neuen Haupthauses der Bäckerei Schwerdtner auf der gegenüberliegenden Straßenseite - ohne Schwerdtner namentlich zu nennen. Da dieses Café selbst über keine eigenen Parkplätze verfüge, würden Schwerdtner-Kunden regelmäßig Kundenparkplätze des Netto-Marktes blockieren. Eine Argumentation, die die von der Vertragsstrafe betroffene Rentnerin nicht nachvollziehen kann: "Das ist doch Blödsinn. Wenn Schwerdtner-Kunden jetzt einfach eine Parkscheibe einlegen und sich 90 Minuten ins Café setzen, statt im Netto einzukaufen, ist der Parkplatz genauso blockiert."

Die Frau sieht es jedenfalls nicht ein, als nachweisliche Kundin des Netto-Marktes auch noch fürs Parken zahlen zu müssen. Eine Nachfrage im Markt selbst brachte ihr nichts. "Der Filialleiter verwies mich auf die Firma Park & Control", sagt sie. Bei einem Anruf der Hotline-Nummer der Firma sei sie aber auch nicht darüber informiert worden, wie die Zahlung zu vermeiden sei. Mittlerweile hat sie gezahlt, weil sie befürchtet, dass es sonst noch teurer geworden wäre. "Meiner Schwiegertochter ist das gleiche passiert. Weil sie nicht innerhalb der Frist gezahlt hat, musste sie dann 56 Euro bezahlen", erzählt sie.

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Die Firma "Park & Control" gibt sich kontaktscheu. Auf ihrer Internetseite gibt es keine Telefonnummer für einen Ansprechpartner. Auf eine Mail-Anfrage von SZ meldet sich eine Kölner Kommunikations-Agentur. "Im Fall einer vorliegenden Vertragsstrafe können sich Kunden immer direkt an Park & Control wenden – am besten direkt, sodass sie noch innerhalb der erwähnten Frist den Sachverhalt klären können", heißt es in dem Schreiben der Agentur. Auf der Internetseite der Firma gibt es tatsächlich ein Kontaktformular für einen Kulanzantrag. Darin können Kunden auch den Kassenbon einstellen, der beweist, dass sie tatsächlich zum fraglichen Zeitpunkt eingekauft haben. Die Löbauer Rentnerin hat keinen solchen Kulanzantrag gestellt. "Das wusste ich nicht, weil man mir davon am Telefon nichts gesagt hat", erklärt sie. Auch die Preissteigerung, wie bei der Schwiegertochter passiert, erklärt die von "Park & Control" beauftragte Agentur: "Kommen sie der Zahlungsaufforderung innerhalb der angegebenen Frist nicht nach, ist der Fahrzeughalter zu ermitteln. Dieser wird dann schriftlich kontaktiert. Hierfür fallen entsprechende Gebühren an, die das Unternehmen dem Halter weiterberechnet", heißt es.

Die Löbauer Rentnerin hat auch eine Konsequenz gezogen. "Ich gehe jetzt nicht mehr zum Netto", sagt sie.

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