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Wer hat dieses Bild gemalt?

Das Werk zeigt Mutter Gottes mit Jesus und Johannis - und ist im Zittauer Museum zu sehen. Das will nun den Künstler herausbekommen.

Kunsthistoriker Daniel Görres untersucht mit einer Infrarotkamera das Gemälde aus dem Jahr 1549.
Kunsthistoriker Daniel Görres untersucht mit einer Infrarotkamera das Gemälde aus dem Jahr 1549. © Matthias Weber

Zu den bemerkenswertesten Schätzen der Städtischen Museen Zittau gehört ohne Zweifel das Tafelgemälde "Mutter Gottes mit Jesus und Johannis, dem Täufer" - bekannt auch als die "Cranachmadonna". Weist bereits dieser, im Umgang gebräuchliche Name auf den Ursprung des Bildes hin, so hat die liebreizende Dame doch bis zum heutigen Tage ihr größtes Geheimnis nicht enthüllt. Klar ist, das Bild stammt aus der Werkstatt Lucas Cranach, wurde aber nicht von diesem selbst gemalt. Die Inschrift 1554 besagt, dass es kurz nach dem Tode Lucas Cranach des Älteren entstand. Doch welcher seiner zahlreichen talentierten Schüler hat es nun wirklich geschaffen? Diese Frage brannte nicht nur Direktor Peter Knüvener von jeher auf den Nägeln.

Einem glücklichen Umstand sowie seiner engen Bekanntschaft mit dem Kölner Professor Gunnar Heydenreich ist es zu danken, dass man des Rätsels Lösung jetzt spürbar näher gekommen ist. Auf Vermittlung des Kölner Gelehrten macht ein Team von Spezialisten des Germanischen Museums Nürnberg in Zittau Zwischenstation. Eigentlich arbeiteten der Kunsthistoriker Daniel Görres und seine Kollegin Wiebke Ottweiler an einem anderen Projekt. Mithilfe ihres Infrarotkamera-Systems "Osiris" untersuchten sie Luther-Bildnisse aus den Jahren 1519 bis 1530, aus welchen ein Katalog erstellt werden soll. Letzte Stationen waren Oschatz und Görlitz, da lag dieser Abstecher auf der Hand. 

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"Osiris" habe man eigentlich für die Weltraumforschung entwickelt, berichtet Daniel Görres, aber – wie so oft – ergab sich nun auch eine weitere effektive Nutzung. "Die besteht darin, dass man mittels der Infrarotstrahlen die obere Firnis- und Farbschicht eines Gemäldes durchdringen kann", erklärt er. "So ist es möglich, erste auf der Leinwand aufgetragene Skizzen und später übermalte Entwürfe sichtbar zu machen." Gerade diese sind oft kennzeichnend für die Handschrift des jeweiligen Künstlers, die man nicht selten durch Vergleiche ermitteln könne. 

Hier noch mal in Nahaufnahme: Madonna hält das Jesuskind auf dem Schoß.
Hier noch mal in Nahaufnahme: Madonna hält das Jesuskind auf dem Schoß. © Museum

"Maria wird als liebevolle Mutter dargestellt, die das Jesuskind auf dem Schoß hält", berichtet Peter Knüvener über das Bild. Der Johannisknabe hält darin eine große Weintraube, von der Jesus nimmt – ein klassisches eucharistisches Motiv mit Hinweis auf das Opfer Christi, das nicht zuletzt durch zahlreiche ähnliche Gemälde aus der Cranachwerkstatt weite Verbreitung fand. Der Überlieferung nach stammt das Bild aus der Zittauer Johanniskirche, von wo es schon früh in die Sammlung der Ratsbibliothek, der sogenannten Wunderkammer im Heffterbau, kam.

Die Wertschätzung eines solchen Bildes, das genauso gut aus dem katholischen Milieu stammen könnte, belege das bilderfreundliche Klima im Zittau der Reformationszeit, betont Peter Knüvener. Alte Bildtraditionen konnten hier weiterleben. Es sei aber durchaus ungewöhnlich, dass ein solches Bild für eine evangelische Kirche nach Einführung der Reformation noch angeschafft wurde. Ähnlich wie das 1573 angefertigte kleine Fastentuch steht die Madonna damit für die Besonderheit der Reformation in Zittau und in der Oberlausitz. Das schließlich war einer der Gründe, warum sie im Zuge der Sonderausstellung "Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz" ihren neuen Platz in der Kammer neben dem kleinen Fastentuch bekam und wohl auch dort bleiben wird.

Auf dem Monitor von Wiebke Ottweilers Laptop zeigt sich ein Bild, das einer Schwarz-Weiß-Fotografie des Gemäldes ähnelt. Für den Laien sind da noch keinerlei offensichtliche Erkenntnisse erkennbar. Auch Peter Knüvener, der in der Vergangenheit selbst schon mit dieser Technik arbeitete, kann auf Anhieb noch keine Rückschlüsse ziehen. Dazu sei es noch zu früh, räumt er ein. Die Unterzeichnung sei jedenfalls unauffällig gewesen. Nun gelte es abzuwerten, was Gunnar Heydenreich als Spezialist nach der Begutachtung der gespeicherten Aufnahmen sagen wird.

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