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Chemnitz: Wer kommt nach "Babalu"?

Nach 14 Jahren kandidiert die Chemnitzer Rathauschefin Barbara Ludwig nicht mehr. Neun Bewerber wollen ihren Job.

Seit 2006 ist Barbara Ludwig Oberbürgermeisterin von Chemnitz. Nun beginnt der Kampf um ihre Nachfolge.
Seit 2006 ist Barbara Ludwig Oberbürgermeisterin von Chemnitz. Nun beginnt der Kampf um ihre Nachfolge. © Jan Woitas/dpa

Als roter Fleck im politischen Farbspektrum Sachsens gilt eigentlich Leipzig. Seit Anfang Juni 1990 leiten ausschließlich SPD-Oberbürgermeister die Geschicke der Messestadt im CDU-dominierten Freistaat. Auf Sachsens drittgrößte Stadt trifft aber Ähnliches zu. Seit 1993 wählten die Chemnitzer stets SPD-Bewerber an die Rathausspitze. Ob das so bleibt?

Nach 14 Jahren im Amt tritt Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig nicht mehr an. Die heute 58-Jährige will, wie sie bereits im vergangenen September ankündigte, „anderen Dingen in meinem Leben mehr Platz geben“. Zwei Jahrzehnte bekleidete die Sozialdemokratin, die in Chemnitz liebevoll „Babalu“ genannt wird, öffentliche Ämter. Unter anderem war sie Wissenschaftsministerin im Kabinett von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU).

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In vier Wochen, am 20. September, sind die Chemnitzer zur Wahl aufgerufen. Ursprünglich sollte Mitte Juni abgestimmt werden. Die Corona-Pandemie führte jedoch zur Verschiebung. Neun Kandidatinnen und Kandidaten treten an, auch solche, die in der Bundes- und Landespolitik aktiv sind. Da zunächst die absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich ist, dürfte die Entscheidung erst bei einem zweiten Wahlgang am 11. Oktober fallen. Dann reicht die einfache Mehrheit.

Einige aussichtsreiche Kandidaten

Wer aber hat Chancen? Bleiben die Chemnitzer ihrem Hang zu sozialdemokratischen Politikern treu? Dann hätte Sven Schulze die besten Karten. Der 48-Jährige ist Sozialdemokrat und kennt sich im Rathaus aus. Seit sechs Jahren ist der Diplomkaufmann Finanzbürgermeister in Chemnitz. Schulze will unter anderem die Corona-Krise dazu nutzen, den Wandel der Wirtschaft zu unterstützen. 

Er nennt dabei „Herausforderungen wie Digitalisierung“ und „umweltgerechte Mobilität“. Der SPD-Mann will „zukunftsweisende Projekte und neue Unternehmen nach Chemnitz holen“. Auf der Kandidatenhomepage verzichtet Schulze übrigens auf das SPD-Logo. Ungewöhnlich ist es nicht, dass Politiker als überparteilich erscheinen wollen. Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow ließ 2019 keine Linken-Logos auf seine Plakate zur Thüringen-Wahl drucken.

Schulzes Konkurrentin von der CDU ist ebenfalls mit der Kommunalpolitik vertraut. Die Stadträtin und Juristin Almut Patt (52) beschreibt in einem 20-seitigen Programm, wofür sie sich einsetzen will. Das Papier behandelt etwa die seit Jahren geforderte bessere Fernbahnanbindung der Stadt, öffentliche Sicherheit sowie die Stärkung des Hochschulstandortes.

Die AfD, die bei der Stadtratswahl 2019 nach der CDU zweitstärkste Kraft wurde, stellt den Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme auf. Der 60-Jährige galt als Anhänger des mittlerweile aufgelösten „Flügels“ um den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke. Auch Oehme will eine bessere Bahnanbindung. Die „völlig überzogene Bevorzugung von Elektro-Autos“ will er beenden. Zudem warnt er vor der weiteren Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“.

Mission Kulturhauptstadt

Für die Grünen tritt der Landtagsabgeordnete Volkmar Zschocke (51) an. Der Chemnitzer kandidierte bereits 2013 und erreichte rund 9,5 Prozent der Stimmen. Für die Ökopartei war das in Sachsen ein respektabler Wert. Zschockes aktuelles Motto: „Chemnitz größer denken.“ Er steht, wie er in einem Video sagt, „für Wirtschaft und Arbeitsplätze mit Perspektive“.

Susanne Schaper (42) ist die Kandidatin der Linken. Die Landtagsabgeordnete, Landesparteichefin und Stadträtin setzt unter anderem auf wohnortnahe Schulen, Ärzteausbildung vor Ort und die Erweiterung des Chemnitz-Passes. Schaper will Chemnitz, wie sie betont, als „eine lebenswerte, tolerante und bunte Stadt“ gestalten.

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