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Wie das Zirkelsteinresort der Krise trotzt

Klassenfahrten sind seit Monaten abgesagt. Die Herberge am Zirkelstein in der Sächsischen Schweiz hat einen Weg gefunden, neue Gäste zu gewinnen.

Geschäftsführer Sascha Martin mit Amanda: Das Zirkelsteinresort hat sich neue Gästegruppen erschlossen.
Geschäftsführer Sascha Martin mit Amanda: Das Zirkelsteinresort hat sich neue Gästegruppen erschlossen. © Daniel Schäfer

Bulldogge Amanda hebt erwartungsvoll den Blick. Normalerweise ist sie die Attraktion hier auf dem Hof und gibt sich geduldig den Streicheleinheiten unzähliger Kinderhände hin. Aktuell beugt sich jedoch nur selten jemand nach unten, um ihr den Nacken zu kraulen. Es scheint fast, als vermisst sie ein wenig den Trubel in ihrem Revier, dem Zirkelsteinresort in Reinhardtsdorf-Schöna. 

Normalerweise würden jede Woche mehr als hundert Kinder durch das Bungalowdorf am Fuße des Zirkelsteins toben. Die idyllisch gelegene 130-Betten-Herberge ganz am Rand der linkselbischen Sächsischen Schweiz lebt zu einem guten Teil von Schul- und Gruppenfahrten. Corona hat das komplett geändert. 

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"Am Anfang war das für alle ein Schock", sagt Sascha Martin, Hebergsvater und Herrchen von Bulldogge Amanda. Die Buchungsbücher waren für Monate im Voraus gefüllt mit Klassenfahrten sowie Familienfesten an den Wochenenden. Mit dem Lockdown fiel das alles flach. Mitte März musste das Ferienresort komplett schließen, so wie die meisten Unterkünfte in der Sächsischen Schweiz auch. Kurzarbeit für die Mitarbeiter und ein großes Fragezeichen, wie es denn weitergehen sollte. 

"Wir haben es einfach angenommen"

Erst zwei Monate später fährt der Tourismus allmählich wieder hoch. Über Himmelfahrt und Pfingsten reisen die ersten Gäste an. Sascha Martin und seine Mitarbeiter hangeln sich von Verordnung zu Verordnung und basteln an Lösungen, um den Hygienevorschriften gerecht zu werden. Eine Abdeckung für das Buffet zum Beispiel, die nun aussieht, als wäre sie schon immer dagewesen. "Wir haben es einfach angenommen", sagt der Geschäftsführer des Zirkelsteinresorts. 

Klassenfahrten bleiben jedoch in Sachsen auch für den Rest des Schuljahres verboten. Dem Zirkelsteinresort bricht damit ein wesentlicher Teil des Umsatzes weg. Sascha Martin sucht nach einem Weg, seine Betten trotzdem irgendwie zu füllen. Schließlich listet er seine Bungalows bei Plattformen wie booking.com.

Diesen Vermarktungskanal hat das Zirkelsteinresort zuvor ganz bewusst vermieden. Ruhesuchende Wanderurlauber und eine Jugendherberge voller aufgeweckter Kinder - das ist normalerweise kaum kompatibel. Doch die Jugendgruppen bleiben vorerst weg - und die Sächsische-Schweiz-Urlauber nehmen das Angebot dankend an. 

Geschäftsführer Sascha Martin vor einem seiner Bungalows: Die Unterkünfte sind auch bei Wanderern gefragt.
Geschäftsführer Sascha Martin vor einem seiner Bungalows: Die Unterkünfte sind auch bei Wanderern gefragt. © Daniel Schäfer

"Die Nachfrage ist groß", sagt Sascha Martin. Wanderer, die auf dem Forststeig Elbsandstein oder auch auf dem klassischen Malerweg unterwegs sind, gehörten zuvor schon zu seinen Gästen, jetzt kommen sie verstärkt wie auch junge Familien. Für Kinder ist das bewaldete Gelände mit Spielplatz, Beachvolleyballfeld und Bolzplatz ideal. Zu immerhin 70 bis 80 Prozent sind Bungalows jetzt ausgelastet. 

Mit jeder Hütte haben die Urlauber ein kleines Reich für sich, damit ist ein zentrale Hygieneforderung schon erfüllt. Auch im Speisesaal behält jeder Gast seinen festen Tisch. Die Ausstattung mit Doppelstockbetten - aber eigenem Bad mit Fußbodenheizung - ist rustikaler als im Hotelzimmer. Doch viele Gäste suchen gerade die Schlichtheit inmitten der Natur. Die Übernachtung mit Frühstück kostet pro Kopf 30 Euro, für 39 Euro ist das Abendessen aus der hauseigenen Küche inklusive.  

Für die Belegschaft bedeuten die neuen Besuchergruppen eine komplette Umstellung. Wurden die Schulklassen sonst auf einen Schlag montags ein- und freitags wieder ausgecheckt, ist der Aufwand jetzt deutlich größer. Manche Gäste bleiben nur ein paar Tage, die Belegung wechselt unter der Woche, es gilt mehr Anfragen und Mails zu beantworten. 

Gäste aus der ganzen Welt

Richtig international ist es im Zirkelsteinresort geworden, erzählt Sascha Martin. Während die Schulklassen bisher vorwiegend aus Sachsen kamen, reisen jetzt Wanderer und Familien aus allen Bundesländern und sogar Backpacker aus Finnland, Großbritannien oder Venezuela an. 

Vor wenigen Tagen hat die Landesregierung bekanntgegeben, dass das kommende Schuljahr in Sachsen ohne Einschränkungen starten kann - vorausgesetzt, das Infektionsgeschehen verschlechtert sich nicht dramatisch. Wenn die Schulklassen nach den Sommerferien wieder kommen, dann hat das Zirkelsteinresort die Krise überstanden, meint Sascha Martin. 

Er blickt schon gespannt auf die nächste Saison: Ob sich die Klassenfahrten und der neu entdeckte Familientourismus am Zirkelstein vereinen lassen? Bis dahin stehen erst einmal die Sommerferien an. Die geplanten Feriencamps dürfen ebenfalls stattfinden, darunter das jährliche Sichtungscamp von  Dynamo Dresden, bei dem der Verein potenziellen Nachwuchs unter die Lupe nimmt.

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