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Wie düster steht es um Schloss Schleinitz?

Eine Bürgerinitiative will mit einer Stiftungsgründung den Verkauf verhindern. Jetzt stellten sie ihr Konzept vor.

Die Nossener Christian Lantzsch (links) und Bernd Hoffmann haben ihr erstes Konzept zur Gründung einer Stiftung Schloss Schleinitz den Stadträten vorgestellt.
Die Nossener Christian Lantzsch (links) und Bernd Hoffmann haben ihr erstes Konzept zur Gründung einer Stiftung Schloss Schleinitz den Stadträten vorgestellt. © Uta Büttner

Schleinitz. Die Nossener Bernd Hoffmann und Christian Lantzsch kämpfen Tag und Nacht für die Gründung einer Stiftung, damit das Schleinitzer Schlossensemble auch in Zukunft öffentlich zu betreten ist. Im April vorigen Jahres hatte der damalige Stadtrat die Ausschreibung zum Verkauf für knapp zwei Millionen Euro beschlossen. Kurz nachdem diese öffentlich wurde, haben die beiden eine Bürgerinitiative gegründet und Anfang November Stadträte und Bürger eingeladen, um ihre ersten Ideen zur Verhinderung einer Privatisierung vorzustellen. Knapp drei Monate später haben Hoffmann und Lantzsch nun bereits das erste Konzept im Nossener Verwaltungsausschuss vorgestellt. Zudem präsentierten sie die Einnahmen und Ausgaben für das gesamte Areal.

Wie hoch waren die Kosten für das Schloss und die weiteren Gebäude?

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Einnahmen aus dem Schloss und der Herberge betrugen für die Jahre 2016 bis 2018 in Summe knapp 80.300 Euro. Die Ausgaben beliefen sich auf rund 85.500 Euro., wobei der Einbau einer Brandmeldeanlage 2017 in Höhe von knapp 36.000 Euro besonders zu Buche schlug. Die Stadt blieb in den drei Jahren damit auf einem Minus von rund 5.2000 sitzen. Die anderen Gebäude warfen allerdings Gewinn ab. 

So war die positive Bilanz für Veranstaltungsscheune, Förderverein und Gerichtsgebäude in dieser Zeit knapp 6.400 Euro. Der Überschuss aus den Mieten für die Wohnungen Pächterhaus und Wirtschaftsgebäude lag bei rund 41.700 Euro. In Summe ergab das Schlossensemble somit in den Jahren 2016 bis 2018 einen Gewinn in Höhe von knapp 43.000 Euro. Als Fazit sagte Bernd Hoffmann: „Die Bürgerinitiative Schloss Schleinitz hält aufgrund des vorliegenden Überschusses den Ansatz für einen Verkauf ungerechtfertigt. Die allgemeine Aussage zu Kostenverlusten lässt sich nicht belegen.“ Natürlich, dem sei sich die Bürgerinitiative bewusst, seien Sanierungen und Investitionen nötig.

Mit welchen Maßnahmen kann das Kulturgut erhalten bleiben?

Die Bürgerinitiative stellte verschiedene Ideen und Vorschläge vor. So sei eine Eingliederung anerkannter, gemeinnütziger Dienste wie Altenhilfe, Pflegeheim oder betreutes Wohnen denkbar. Auch an ein Mehrgenerationshaus wird gedacht. Oder eine geschützte Werkstatt für behinderte Menschen. Ebenso könnte ein Schullandheim aufgebaut werden. Zudem müsse der vorhandene Wohnraum zur Steigerung der Mieteinnahmen und Beseitigung des Leerstandes saniert werden. Außerdem schlägt die Bürgerinitiative den schrittweisen Ausbau nutzbarer Bauten für eine weitere Ertragssteigerung vor.

Wie sehen die konkreten Vorschläge der Bürgerinitiative zur Nutzung aus?

In dem Konzept haben Hoffmann und Lantzsch bereits konkrete Maßnahmen recherchiert und teilweise mit Zahlen unterlegt. Demnach wäre eine Variante, die Einnahmen in der Gastronomie von Schlosshotel und Herberge zu steigern. Nötig dazu seien einige Modernisierungen, perspektivisch könnte auch das Dachgeschoss für weitere Hotelbetten ausgebaut werden.

Möglich wären aber auch die Einstellung des Hotel- und Gastronomiebetriebes und die Umgestaltung als museales Zentrum der Lommatzscher Pflege. Damit würde das museale Gut der Lommatzscher Pflege unter Verantwortung aller Kommunen des Einzugsgebietes des Vereins Heimat und Kultur der Lommatzscher Pflege bewahrt bleiben. Das Museum des Fördervereins Schloss Schleinitz könnte integriert werden. Aber zur Umsetzung sei ein professioneller Museologe nötig.

Zudem schlug die Bürgerinitiative die Nutzung des ehemaligen Chronistenzentrums der Lommatzscher Pflege im Gerichtsgebäude vor. Die etwa 130 Quadratmeter große Fläche könnte zu einem Büro oder ein bis zwei Wohnungen umgebaut werden. Der Aufwand wurde mit 123.500 Euro berechnt. Die Rückflussdauer aus Mieteinnahmen betrage rund 16 Jahre.

Für die Veranstaltungsscheune wurde eine intensivere, kulturelle Nutzung vorgeschlagen. Denkbar sei auch der Umbau zu altergerechtem Wohnraum.

Was würden die Modernisierung und der Ausbau der Wohnungen kosten?

Im sogenannten Pächterhaus sind derzeit drei Wohnungen vorhanden, in denen dringend Modernisierungsarbeiten notwendig sind. Eine vierte Wohnung könnte gebaut werden. Die Gesamtinvestition betrage 106.400 Euro. Diese würden sich nach zehn Jahren amortisieren. Die Sanierung der Wohnungen im Wirtschaftsgebäude und der vorgeschlagene Ausbau des Dachgeschosses für weitere Wohnungen würden 776.000 Euro kosten. Die Rückflussdauer durch Mieteinnahmen betrage dabei knapp 16 Jahre.

Wer unterstützt die Arbeit der Bürgerinitiative bisher?

Positive Signale kamen von Vertretern der Wirtschaft und Politik, unter anderen auch vom Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und Bundestagsabgeordneten Thomas de Maizière.

Mehrere Stiftungen in Sachsen wie die Bürgerstiftung Dresden oder die Hornsche Stiftung Meißen unterstützen die Bürgerinitiative, unter anderem bei der Erarbeitung der Satzung und dem Stiftungsmodell. „Vertreter und Geschäftsführer von sozialen Einrichtungen und Unternehmen wie Joseph Eisenschenk vom RIU Senioren- & Krankenpflege Freiberg sowie der Vorstand Roberto Schimana der Diakoniestiftung Sachsen stehen nach Vor-Ort-Besichtigung bereit“, sagte Hoffmann.

Was sind die nächsten Schritte, um den Weg für eine Stiftung zu ebnen?

Die Aussage von Unterstützern ist: Die Stiftungsgründung hat nun Priorität, um Rechtssicherheit zu haben. Die Verkaufsidee müsse so schnell wie möglich vom Tisch, ihr Engagement hänge davon ab. Denn „derzeit sind wir als Bürgerinitiative vom Status eigentlich niemand“, erklärte Hoffmann. 

Er betonte: „Die Tätigkeit der Bürgerinitiative soll in der ersten Phase zur Aufhebung des Verkaufsbeschlusses führen. Ein weiterer notwendiger Beschluss der Stadt Nossen zur Überführung des Schlossensembles als Grundkapital in eine Stiftung stellt die zweite Phase unserer Arbeit dar.“

Wie haben die Stadträte auf die Präsentation des Konzepts reagiert?

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Das Resümee fiel extrem positiv aus. So wurde beispielsweise auch Stadtrat Gunter Lantzsch (CDU), der im April für den Verkauf gestimmt hatte, überzeugt. Er fände das Konzept spitze und würde sich freuen, wenn derartige Lösungen auch für andere Gebäude in der Region gefunden werden könnten.

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