merken
PLUS Dresden

Hoffnung für Kinder an Dresdner Gehörlosenschule

Der Fall hat für Aufsehen gesorgt: eine Schule mit Kindern ohne Gehör - und Lehrern ohne Gebärdensprache. So soll nun die Lösung des Problems aussehen.

Der Erfolg in der Schule hängt maßgeblich davon ab, dass Kinder ihre Lehrer verstehen. Das ist aber nicht selbstverständlich.
Der Erfolg in der Schule hängt maßgeblich davon ab, dass Kinder ihre Lehrer verstehen. Das ist aber nicht selbstverständlich. © Patrick Pleul / dpa (Symbolbild)

Dresden. In langwierigen Gerichtsverfahren hatten Eltern dafür gestritten, dass ihre Kinder im Unterricht etwas verstehen. Sie erreichten, dass endlich staatlich bezahlte Gebärdensprach-Dolmetscher vor der Klasse stehen. An der Dresdner Johann-Friedrich-Jencke-Schule keine Selbstverständlichkeit, obwohl an dem Förderschulzentrum viele hörgeschädigte Kinder unterrichtet werden. Denn Lehrer, die die Deutsche Gebärdensprache beherrschen, gibt es deutschlandweit nur wenige. Und die Sozialämter weigerten sich immer wieder, für selbstständige Dolmetscher aufzukommen.

Doch die vor Gericht erzielten Lösungen sind nicht auf Dauer. Sie laufen zum Schuljahresende aus, also in drei Wochen. Müssen die Eltern jetzt wieder vor Gericht ziehen, damit ihre Kinder ab August dem Unterricht folgen können?

Anzeige
Nun doch mildere Strafen für Temposünder
Nun doch mildere Strafen für Temposünder

Der neue Bußgeldkatalog hat es in sich. Doch ist das verhängte Bußgeld oder Fahrverbot rechtskräftig? Ein Formfehler im Gesetz sorgt für Beratungsbedarf.

Land will Dolmetscher-Kosten noch einmal übernehmen

Konkret geht es um die Vergleiche, in denen sich der Freistaat bereiterklärte, die Dolmetscher-Kosten zu tragen. Freiwillig und ohne Rechtsanspruch, wie er betont, denn nach wie vor schätzt das Land ein, dass die kommunalen Sozialämter dafür zuständig seien. Zumindest scheint der Freistaat den Eltern neue Gerichtsverfahren ersparen zu wollen. Die Kostenübernahme sei sichergestellt, teilte das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) den Familien nun mit. Das Schreiben liegt der SZ vor. 

Was den Eltern aber Sorgen bereitet: Ob die Dolmetscher im selben Umfang an der Dresdner Schule tätig sein werden wie dieses Schuljahr, ist noch unklar. Zwar wolle man sich an den aktuellen Stundensätzen orientieren, so das Lasub. Es solle aber anhand des neuen Stundenplans und des vorhandenen Personals Anpassungen geben. Dazu seien Absprachen mit der Schulleitung und den betroffenen Eltern geplant, heißt es.

Sich jedes Schuljahr aufs Neue mit der Dolmetscher-Problematik auseinandersetzen zu müssen, stresst die Familien sehr, erzählt Gerlinde Fröhling. Sie kämpft für ihre Enkelin Mariella, die die erste Klasse an der Jencke-Schule besucht. Sie fragte sich, weshalb die UN-Behindertenrechtskonvention nicht umgesetzt wird. Diese soll allen Menschen mit einer Behinderung ein gleichberechtigtes Leben ermöglichen.

Lehrer belegen Internet-Sprachkurs

Fröhling schildert die ersten Monate, in denen ihrer Enkelin ohne Dolmetscher auskommen musste. "Die Schüler wenden sich vom in der Lautsprache unterrichtenden Lehrer ab, weil sie nichts oder maximal 30 Prozent verstehen", sagt sie. Es erfordere eine hohe Konzentrationsleistung, dem Unterricht auch nur minimal folgen zu können. Daher würden die Schüler das Interesse am Unterricht verlieren, sich abwenden, den Anschluss verlieren, und schließlich zu unrecht als lernschwach eingestuft. "Sie werden zunehmend verhaltensauffällig, und das nur, weil sie nicht hören können, was der Lehrer sagt." Die Konvention müsse endlich eingehalten werden. "Warum müssen Eltern für das Recht auf chancengleiche Bildung überhaupt kämpfen", fragt sich Gerlinde Fröhling.

Sicherlich wäre es auch für den Freistaat die einfachste Lösung, wenn es Lehrer gebe, die die Gebärdensprache beherrschen würden. Dann gäbe es keinen Streit darum, wer Dolmetscher bezahlen soll. Doch an den einschlägigen Hochschulen ist das Land bisher nicht fündig geworden. Immerhin gibt es inzwischen einen Internet-Sprachkurs für die Lehrer der Jencke-Schule. Die Schule hat Lizenzen für insgesamt 29 Fortbildungen erworben. 

Weiterführende Artikel

Gehörlosen-Schule wird Fall für Kretschmer 

Gehörlosen-Schule wird Fall für Kretschmer 

Eine Schule mit gehörlosen Kindern und Lehrer, die keine Gebärdensprache beherrschen: Am Mittwoch hat der Ministerpräsident die Eltern getroffen.

Unerhörte Zustände an Dresdner Schule

Unerhörte Zustände an Dresdner Schule

Eine Gehörlosen-Schule und nicht ein Lehrer, der die Gebärdensprache beherrscht. So geht es jetzt für die Schüler weiter.

Wann die Lehrer ihr Wissen in ausreichendem Maße im Unterricht anwenden können, ist unklar. Das Lasub betont im Schreiben an die Eltern aber, dass die Kostenübernahme für die Dolmetscher im kommenden Schuljahr nur bis dahin gelte, bis pädagogisches Personal mit entsprechender Gebärdensprach-Kompetenz zur Verfügung stehe.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden