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Wie Görlitz Elektro-Fahrer locken will

Am Bahnhof nahmen die Stadtwerke eine neue Ladesäule in Betrieb. Weitere sollen schnell folgen – womöglich gar im Ausland.

Bürgermeister Michael Wieler und Stadtwerke-Chef Matthias Block testen am Dienstag die neue Ladesäule am Bahnhof.
Bürgermeister Michael Wieler und Stadtwerke-Chef Matthias Block testen am Dienstag die neue Ladesäule am Bahnhof. © Nikolai Schmidt

Ein bisschen vorsichtig müssen Elektrofahrer schon sein. Denn die neueste Ladesäule steht zwar ziemlich zentral am Bahnhof, aber auch direkt an der Ausfahrt vom Parkplatz. Das bedeutet: Beim rückwärts Ausparken immer schön die Autobewegungen hinter dem eigenen Elektromobil im Auge behalten.

Am Dienstag haben die Stadtwerke die Elektrotankstelle am Bahnhof offiziell in Betrieb genommen. Für das Unternehmen ist es die zweite öffentliche, die andere steht in Rothenburg auf dem Marktplatz. Für die hauseigenen Elektrofahrzeuge haben die Stadtwerke allerdings schon viel mehr Ladesäulen an den einzelnen Standorten, insgesamt 23. Wann immer es sich anbiete, erledigen Stadtwerke-Mitarbeiter Fahrten per E-Auto. „Für uns ist das eine unternehmerische Entscheidung, mehr und mehr auf Elektromobilität zu setzen und damit der Umwelt Gutes zu tun“, so Michael Georgi, Hauptabteilungsleiter Netzservice bei den Stadtwerken. Nun also die Säule an der Bahnhofstraße. Per Karte unterschiedlicher Anbieter oder per App kann sie entsperrt werden. Insgesamt drei verschiedene Anschlussmöglichkeiten sind vorhanden. 

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Es handelt sich um einen sogenannten Schnellladepunkt. Fahrzeuge, die technisch dazu in der Lage sind, können hier mit bis zu 150 Kilowatt Leistung „betankt“ werden. Für Fahrzeuge mit einer Batteriekapazität von 40 Kilowattstunden verkürzt sich damit der Ladevorgang auf etwa 20 Minuten. Das ist fünf Mal schneller als an einer herkömmlichen E-Tankstelle. Ein weiterer Ladepunkt an der Säule leistet bis zu 22 Kilowatt. Zwei Fahrzeuge mit unterschiedlichen Systemen können damit am Bahnhof gleichzeitig geladen werden. In Abstimmung mit der Stadt habe man sich auf den Standort geeinigt, so Michael Georgi. Der Bahnhof sei ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und damit ideal, das Thema Elektromobilität ins öffentliche Blickfeld zu rücken. Für die Ladesäule mussten zwei Fahnenmasten weichen und einige Fahrradständer. Letztere wurden aber in unmittelbarer Nähe wieder aufgebaut. Parkflächen für Pkw blieben dagegen unberührt.

© SZ-Grafik

Die Ladesäule selbst kostete die Stadtwerke 50.000 Euro. Sie wurde zu 35 Prozent gefördert. „Hinzu kamen aber auch noch Tiefbauarbeiten im Umfang von 30 000 Euro“, sagt Matthias Block, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke. Die Stadt selbst sei froh, dass das Unternehmen in Sachen Elektromobilität vorangeht, sagt Bürgermeister Michael Wieler. Erst im Mai hatte der Stadtrat entschieden, dass es in Görlitz künftig acht weitere Ladesäulen geben kann und den Weg für die entsprechenden 16 Parkplätze freigemacht, jeweils zwei pro Elektrotankstelle. 

Ab dem 1. August stehen die Parkflächen bereit. Die Ausschreibung lief bis zum 1. Juli. Die Stadtwerke haben sich für alle acht neuen Standorte beworben, schildert Matthias Block. Hintergrund der Ausschreibung ist das Elektromobilitätsgesetz. Damit erhalten die Kommunen die Gelegenheit, besondere Parkplätze nur für Elektrofahrzeuge an den Ladesäulen zu reservieren. Die Sondernutzung nach sächsischem Straßengesetz beträgt dabei höchstens zehn Jahre, kürzere Zeiträume sind auch möglich. Wer die Ladesäulen aufstellt, muss sich auch um die Beschilderung der Parkflächen laut STVO und möglicherweise um die Markierungen kümmern.

Bisher gibt es öffentliche Ladestationen in Görlitz vor allem auf privatem Grund, bei Hotels, Autohäusern beispielsweise. Das will die Stadt ändern. Vor allem in der Innenstadt sind demnach neue Ladesäulen geplant, aber auch an der Strandpromenade in Deutsch Ossig, außerdem in Königshufen und Weinhübel.

Die neue Ladesäule am Bahnhof funktioniert über ein Touchdisplay, das dem Nutzer eigentlich das gesamte Prozedere erklärt. Bis jetzt kann die Anleitung auf Deutsch und Englisch gelesen werden. Geplant ist allerdings, dass es in Zukunft auch eine polnische Version geben soll. Überhaupt Polen: Möglicherweise gibt es demnächst die erste Ladesäule der Stadtwerke in Zgorzelec. Gespräche, so Matthias Block, habe es bereits gegeben.

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