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Kamenz

Wie Pulsnitz bienenfreundlich wird

Die Stadt hat viele Pläne, um den Insekten zu helfen. Und eine Biene ohne Stachel.

Der Oberlichtenauer Imkerverein, im Foto Lukas Förster, war in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Pulsnitzer Stadtfest vertreten, um für die bienenfreundliche Kommune zu werben und Projekte vorzustellen. Der Lavendel (im Vordergrund) ist bei Bienen besond
Der Oberlichtenauer Imkerverein, im Foto Lukas Förster, war in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Pulsnitzer Stadtfest vertreten, um für die bienenfreundliche Kommune zu werben und Projekte vorzustellen. Der Lavendel (im Vordergrund) ist bei Bienen besond © Matthias Schumann

Pulsnitz. Es summt in Pulsnitz. Und das immer kräftiger. Das Summen kommt aus dem Ortsteil Oberlichtenau herüber und zieht die Stadt mit. So ist jetzt längst nicht mehr vom bienenfreundlichen Dorf Oberlichtenau, sondern der Stadt Pulsnitz die Rede. Die macht jetzt immer mehr von sich Reden und das sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Und das ist längst nicht alles.

Crowdfunding: Sammeln für das Bienenmuseum

Ein Bienenmuseum hat nicht jede Kommune. Oberlichtenau bereits seit 24 Jahren. Damals wurde das Museum in einem kleinen, 200 Jahre alten Fachwerkhaus eröffnet. Nun sind Haus und Ausstellung in die Jahre gekommen. Der Imkerverein hat deshalb jetzt eine Crowdfunding-Initiative, wie Spendensammlungen heute auch gern genannt werden, gestartet. Partner ist die Ostsächsische Sparkasse Dresden mit ihrer Aktion 99 Funken, die lokale Projekte unterstützt. 

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Ein prominentes Beispiel war die Sammlung für den Spielplatz im Naturbad Buschmühle in Hauswalde. Jetzt ist das Bienenmuseum dabei. Daniel Queißer ist Vorsitzender des Imkervereins Oberlichtenau. Er würde sich jetzt freuen, wenn die Spendenaktion (www.99funken.de/bienenmuseum) viele Unterstützer erreicht. Genutzt werden die Räume in dem städtischen Gebäude gemeinsam mit dem Heimatverein. Oben haben die Imker ihre Bienenausstellung mit historischen und auch modernen Eponaten aus der Imkerei. Es müsste renoviert und die Ausstellungen neu gestaltet werden. Der Verein will Ausstellungsstücke erneuern. Die Möbel seien ein bisschen zusammengewürfelt. Nun soll Ordnung und System hinein kommen. Übrigens soll auch die Lehrbiene im Museum ersetzt werden. Sie hat ihren Stachel verloren. 

Über die 99 Funken sollen 5.000 Euro zusammenkommen. Der Betrag werde dann noch durch die Sparkasse aufgestockt. Ein Teil der Summe soll eventuell auch als Vereinsbeitrag nötige Sanierungsarbeiten der Stadt am Gebäude unterstützen.

Die Stadt hat für dieses Jahr Handwerker eingeplant

Erst im April nahm die Stadt nötige Investitionen am Bienenmuseum noch mit in den Etat 2019 auf. Um sich die Option auf Fördergelder zu wahren. Ob gebaut wird, stand da noch nicht fest. Das sieht inzwischen gut aus. Die Stadt hat jetzt die Aussicht auf Zuschüsse über die Gebietsgemeinschaft Dresdner Heidebogen. Die Stadt kann einen Fördermittelantrag stellen. Saniert werden soll der Dachstuhl samt Eindeckung. Dazu die Fenster und die Toilette. Die Verwaltung rechnet mit Kosten von 50.000 Euro, inklusive des städtischen Eigenanteils. Die Rechnung ist derzeit ohne einen Beitrag des Vereins gemacht. Der hätte auch noch viele Ideen, die er mit dem Geld umsetzen könnte. So soll auch der Lehrbienenstand etwas umgebaut werden, damit die Bienen noch besser beobachtet werden können. Außerdem soll Videotechnik ins Museum einziehen.

Bienenfreunde gewinnen Wettbewerbe

Die bedrohten Insekten sind in aller Munde. Umso mehr heißt es „Miteinander Reden“. Das will die Naturschutzjugend „Naju“ Pulsnitz/Kamenz um Tom Schurig und das wollen auch die Imker auf dem Weg zur bienenfreundlichen Kommune in einem Gemeinschaftsprojekt. „Miteinander reden“ hieß auch ein Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung. Die beiden Vereine bewarben sich erfolgreich und haben nun ein Budget für bestimmt Projekte zu dem Thema. Bis Ende 2020 sind eine ganze Reihe Veranstaltungen geplant. Die Bienenfreunde wollen dabei mit den Pulsnitzern, mit Landwirten, Gewerbetreibenden, der Stadt ins Gespräch kommen, um ein Verständnis für natürliche Kreisläufe zu vermitteln und für die Endlichkeit natürlicher Ressourcen zu sensibilisieren. Schulen und Vereine sollen ebenso wie Kleingärten einbezogen und eine Diskussion angestoßen werden. Auch, damit der englische Rasen Vergangenheit wird und Blumenwiesen Platz macht. Auch sollen Infotafeln wissen vermitteln. 

Die Stadt will vorangehen, erklärt Bürgermeisterin Barbara Lüke. Es gebe immer weniger Zwischenräume für das, was kreucht und fleucht. Eine Spirale negativer Folgen setze sich in Gang. Zum Beispiel: Weniger Insekten, bedeute weniger Futter für Vögel. Die Stadt wolle vor ihrer Haustür anfangen. Mit bienenfreundlichen Pflanzen in den Blumenkästen oder Rabatten. Grünflächen sollen sparsam gemäht werden. Das habe noch einen positiven Nebeneffekt. Der Bauhof werde entlastet. Oder Beispiel Stadtpark. Ein abgestorbener Baum müsse nicht gefällt werden. Er könne als Insektenhotel sehr malerisch aussehen, wie eine Holzskulptur, und sei nützlich. Die Naturschutzjugend/Pulsnitzer Parkkobolde machen es bereits vor. Sie pflegen unter anderem die Parkanlage an der Schillerstraße.

Ein toter Baum im Pulsnitzer Stadtpark findet Mieter. 
Ein toter Baum im Pulsnitzer Stadtpark findet Mieter.  © privat

Ein lehrreiches Hotel für die Insekten

Beim Ideenwettbewerb des Umweltministeriums räumten die Oberlichtenauer Imker auch noch ab. Sie setzten sich mit ihrem Projekt der „Bienenfreundlichen Kommune“ gegen eine dreistellige Anzahl von Mitbewerbern durch. „Die Bedeutung von Insekten wird häufig unterschätzt, das will der Verein und das wollen wir ändern“, sagt die Bürgermeisterin. 5 000 Euro erhielten die Imker für ein Insektenhotel, ein Lehrhotel wohlgemerkt. Das soll natürlich nicht leer stehen. Dort soll es nur so wimmeln. Es soll begehbar werden und tiefen Einblick in die Insektenwelt gewähren.

Haus und Hoffest gewährt Einblicke

Wer sich genauer über den Heimat- und den Imkerverein informieren will sollte das Fest am 30. Juni nicht verpassen. Dann gibt es interessante Einblicke ins Museum und den Lehrbienenstand und natürlich frischen Honig. In einer Hauruckaktion haben die Bienenfreunde noch 1.000 Tütchen mit Samen gefüllt, den sie unter die Leute bringen wollen.

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