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Bischofswerda

Wie sich Bischofswerdas Stadtbild verändert

Fürs künftige Hospiz haben die Bauarbeiten begonnen. Damit wird eine Lücke geschlossen, die vor 35 Jahren entstand.

Die Straße Am Hof auf einer undatierten historischen Ansichtskarte mit dem in den 1980er-Jahren abgerissenen Bauerngut. Auf einem Teil dieser Fläche entsteht jetzt das Stationäre Hospiz. Wir danken Robert Geburek, der uns die Ansicht zur Verfügung stellte
Die Straße Am Hof auf einer undatierten historischen Ansichtskarte mit dem in den 1980er-Jahren abgerissenen Bauerngut. Auf einem Teil dieser Fläche entsteht jetzt das Stationäre Hospiz. Wir danken Robert Geburek, der uns die Ansicht zur Verfügung stellte © privat

Bischofswerda. Es gehe voran, sagt eine Bischofswerdaerin, die mit ihrem Hund die Abendrunde dreht. Ihr Blick geht über den Gondelteich am Freibad zur Baustelle des Stationären Hospizes. Vor Kurzem haben dort die Rohbauarbeiten begonnen. Hin zur Birkengasse sind die Konturen des künftigen Gebäudes bereits gut zu erkennen. Dort, wo jetzt gebaut wird, stand bis vor rund 35 Jahren schon einmal ein Haus. In den 1980ern wurde es abgerissen. Die Freifläche war viele Jahre lang den Anwohnern als Parkplatz willkommen. Jetzt wird die Lücke Am Hof wieder geschlossen. Fast so, wie es früher schon einmal war.

Ein Bauernhof mitten in der Stadt

Eine historische Ansichtskarte, die undatiert ist, zeigt die Straße Am Hof, wie sie einmal aussah – mit dem später abgerissenen Haus in der Mitte. Es war das Haus mit der Nummer 19, weiß der fast 90-jährige Manfred Lehmann, der gleich in der Nähe wohnt und viel zur Bischofswerdaer Stadtgeschichte zusammengetragen hat. Es war ein Bauerngut, welches die Brüder Willy und Alfred Kramer zuletzt bewirtschafteten. Auf der Karte sehen wir jenen Gebäudeteil, der als Wohnhaus genutzt wurde. Dahinter befanden sich der Pferdestall und der Hof für die Wagen. Schon Vater und Großvater bewirtschafteten das Gut, wie Manfred Lehmann aus einem Adressbuch von 1895 weiß. Später zogen die Kramers mit ihrer Landwirtschaft an die Süßmilchstraße 5 um – auf das Gelände, das einst dem Kaufmann Karl Leupold gehörte. Warum das Haus Am Hof abgerissen wurde, ist nicht dokumentiert.

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Dass es einst eine Landwirtschaft mitten in der Stadt gab, war nichts ungewöhnliches. Bischofswerda galt viele Jahre als Ackerbürgerstadt. Seit dem Mittelalter kennt man diesen Begriff. Ein Ackerbürger war keinem der typisch städtischen Erwerbsstände zuzuordnen. Er war ein Bauer mit Bürgereigenschaft, der seine Ländereien vor den „Toren“ der Stadt bewirtschaftete. Viele Bürger hatten damals ein Stückchen Land. Hinzu kamen mitunter Pachtflächen. Ackerbürger, also „Stadtbauern“, gab es gleichermaßen in größeren wie kleineren Städten. Neuere statistische und sozialgeschichtliche Untersuchungen führten zu der Erkenntnis, dass die Zahl von Ackerbürgern in den meisten europäischen Städten deutlich hinter anderen, typisch städtischen Erwerbszweigen zurückstand und der städtischen Agrarwirtschaft eine nachrangige Rolle zukam, die vor allem auf Eigenversorgung der Städte und ihrer Bewohner beschränkt blieb.

Die Straße Am Hof heute – fotografiert aus der gleichen Perspektive. Zurzeit schaut man auf einen hohen Turmdrehkran. 
Die Straße Am Hof heute – fotografiert aus der gleichen Perspektive. Zurzeit schaut man auf einen hohen Turmdrehkran.  © Steffen Unger

Schaut man jetzt die Straße Am Hof hinab in Richtung Gondelteich, ist ein hoher Kran der Blickfang. Bis zum kommenden Frühjahr entsteht zwischen Birkengasse und Dresdner Straße das Stationäre Hospiz „Siloah“ mit zwölf Plätzen für sterbende und unheilbar kranke Menschen. Gebaut wird in Anlehnung an das historische Stadtbild, wobei nicht nur die mittelalterliche Fronfeste, das älteste, erhaltene Gebäude der Stadt, und die Fassaden der beiden unmittelbar angrenzenden Häuser in das Ensemble einbezogen werden. Der zweistöckige Neubau mit ausgebautem Dachgeschoss wird in sich gegliedert, der Dachfirst abgesenkt sein und sich so nach Auskunft von Bauexperten gut ins Umfeld einfügen.

Bauen in einer Innenstadt ist immer eine besondere Herausforderung. Die umfangreichen Spezialtiefbauarbeiten für die Pfahlgründung des Neubaus haben aufgrund des „äußerst schwierigen Baugrundes“ etwas länger gedauert als ursprünglich geplant, teilte der Bauherr und künftige Betreiber der Einrichtung, die gemeinnützige Gesellschaft Christliches Hospiz Ostsachsen mit Sitz in Herrnhut, in ihrem jüngsten Baunewsletter mit. In einer Tiefe von etwa acht Metern befanden sich an einigen Stellen Ablagerungen von Findlingen, die teilweise die Größe eines Kleinwagens hatten. Um die geplanten Bohrpfähle zu gründen, mussten die Gesteinsbrocken mithilfe einer Bohrschnecke unterirdisch zertrümmert und die Einzelteile geborgen werden. Ein weiteres Problem war der Grundwasserspiegel in einer Tiefe von drei Metern. Dafür mussten die Bohrarbeiten unter Wasserauflast stattfinden.

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