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Viele bunte Luftballons bringen den Tod

Der Rentner Kurt Bernert kämpft gegen das Vogelsterben. Wenn er es erklärt, wollen auch Kinder keine Luftballons mehr steigen lassen.

Kurt Bernert zeigt gefährlichen Luftballon-Müll vom Görlitzer Neiße-Ufer.
Kurt Bernert zeigt gefährlichen Luftballon-Müll vom Görlitzer Neiße-Ufer. © Nicolai Schmidt

99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont - ein Ohrwurm der Sängerin Nena. Kurt Bernert nimmt dieses Szenario zwar nicht als Grund, einen Krieg zu entfesseln - für eine Bedrohung hält er solche Luftballons trotzdem. Denn Luftballons töten Vögel.

Die jüngste Angriffswelle auf die Vogelwelt hatte Kurt Bernert vor einigen Tagen in Löbau ausgemacht. Zu Ferienbeginn hatten die Kinder der Evangelischen Grundschule in Löbau-Süd einen Schwarm Luftballons steigen lassen - als Gruß aus Löbau an die Welt. Diesen nett gemeinten Kinderspaß fand Bernert gar nicht lustig. "Liebe Grundschule, ich halte bei Ihnen nach den Ferien gerne mal einen Vortrag darüber, wie gefährlich solche Luftballons für Vögel sind", schrieb er dazu als Kommentar beim Facebook-Auftritt von SZ Löbau.

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Kurt Bernert meint das ernst und er will sich dabei nicht als Spaßverderber verstehen. Aber er weiß: Was hoch fliegt, sinkt irgendwann auch wieder zu Boden. Und dann sind die verbliebenen schlappen Hüllen und Schnüre der Luftballons einfach nur noch gefährlicher Unrat. Der 70-jährige Rentner wohnt seit Januar in Görlitz. Vorher wohnte er aber mehrere Jahre an der Nordseeküste in Wilhelmshaven. Dort engagierte er sich bei der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Der Nationalpark, der sich auch über die niederländische Küste, sowie die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg erstreckt, gilt als das vogelreichstes Gebiet Europas und zählt zum Unesco-Weltnaturerbe. Dort dokumentierte Kurt Bernert mit seiner Kamera das ganze Ausmaß, was Luftballons mit Vögeln anrichten.

Die Schnur eines Luftballons hängt diesem verendeten Vogel am Nordseestrand noch aus dem Schnabel.
Die Schnur eines Luftballons hängt diesem verendeten Vogel am Nordseestrand noch aus dem Schnabel. © Kurt Bernert

"Die Vögel halten die Luftballonreste für Würmer und fressen sie", beschreibt Kurt Bernert das tödliche Problem. Bei seinen Touren durch Dünen und über Strände fand er mit der Zeit Hunderte verendete Vögel mit Mägen voller Luftballon-Resten. Vielen hing noch die Schnur aus dem Schnabel. "Die Vögel verwenden solche Schnüre auch für den Nestbau und die Jungtiere strangulieren sich daran", erklärt er ein weiteres Problem. 

Und die Vogelkiller haben oft einen weiten Weg hinter sich. "Wir haben Vögel mit Luftballons vom Koningsdag aus Holland im Magen gefunden", erzählt Bernert. In den Niederlanden ist der Geburtstag von König Willem Alexander ein Feiertag. 

Zu dessen Ehren steigen auch immer bei offiziellen Feiern landesweit unzählige orangefarbene Luftballons in den Himmel über die Niederlande. Oder besser stiegen - denn das ist nun vorbei. "Die Regierung der Niederlande hat uns zugestanden, zum Koningsdag keine Luftballons mehr steigen zu lassen", berichtet Kurt Bernert. Auch für Meerestiere sei der Luftballon-Müll lebensgefährlich. Auf Initiative der auch im Nationalpark Wattenmeer tätigen Stiftung "SOS Dolphin" hätten bereits über 80 niederländische Städte, darunter auch Metropolen wie Rotterdam und Den Haag, das Steigenlassen von Luftballons untersagt.

Was den König ehren soll, ist für Tiere lebensgefährlich. Die Niederlande verzichten zum Königsgeburtstag daher auf Luftballons.
Was den König ehren soll, ist für Tiere lebensgefährlich. Die Niederlande verzichten zum Königsgeburtstag daher auf Luftballons. © Kurt Bernert

Seinen Kampf gegen den Vogeltod durch Luftballons hat Kurt Bernert nun in seine Wahlheimat Oberlausitz getragen. Das Görlitzer Museum der Fotografie zeigt noch bis zum 1. August seine Ausstellung "Faszination Wattenmeer" - darunter sind auch Aufnahmen, die an Luftballons verendete Vögel zeigen. Bernert engagiert sich in Görlitz auch bei der Naturschutzorganisation BUND und hat jüngst mit Schülern des Augustum-Annen-Gymnasiums das Neiße-Ufer von Unrat befreit.

 Auch dabei stieß er auf gefährlichen Luftballon-Müll. Auch Vorträge in Schulen hält er zum Luftballon-Thema - und danach haben auch die Kinder gar keinen Spaß mehr an Luftballons. "Die Kinder sagen dann: ,Die armen Möwen' und fragen, was das überhaupt soll mit den Luftballons", erzählt er. Dabei will Kurt Bernert gar nicht Luftballons an sich verbieten: "Aber sie sollen nicht mit Gas befüllt werden und in die freie Natur entweichen." Kurt Bernerts neuestes Projekt: Ein Kinderbuch mit dem Titel "Hab Luftballon in meinem Bauch" über das Schicksal der Möwe "Kalle". Nächsten Monat zum Fokus-Festival will er es gemeinsam mit BUND vorstellen.

Seinen jüngsten Erfolg verbuchte Kurt Bernert im zurückliegenden Kommunalwahlkampf. Dort sah er, wie manche Parteien Luftballons verteilten und sprach die Vertreter an den Werbeständen darauf an. "Ich habe die SPD und die Grünen davon überzeugt, keine gasgefüllten Luftballons mehr zu verwenden", erzählt er. Ein kleiner Wahlsieg für die Vögel.

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