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Wieder ins Erzgebirge zurückgekehrt

Steffi und Steffen Neubert sind von Schleswig-Holstein nach Dippoldiswalde umgezogen, in eine Wohnung mit besonderem Ausblick.

Steffi und Steffen Neubert sind aus Schleswig-Holstein nach Dippoldiswalde gezogen, damit sie etwas von den Enkeln, und die Enkel etwas von den Großeltern haben.
Steffi und Steffen Neubert sind aus Schleswig-Holstein nach Dippoldiswalde gezogen, damit sie etwas von den Enkeln, und die Enkel etwas von den Großeltern haben. © Karl-Ludwig Oberthuer

Am ehemaligen Landratsamt in Dippoldiswalde stehen Möbelwagen und Handwerkerautos. Hier läuft der große Einzug in die neuen Wohnungen. An der Hälfte der Klingeln stehen schon die Namen der neuen Mieter. Andere sind erst beim Einzug und einige der Wohnungen sind auch noch zu haben. „Zehn der sechzehn Wohnungen sind inzwischen vermietet“, sagt Falk Kühn-Meisegeier, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde, die das ehemalige Amtsgebäude zum Wohnhaus umgebaut hat. „Wie wohnt es sich hier?“ fragt Sächsische.de Steffi und Steffen Neubert, die schon am 8. August in ihre neue Wohnung im dritten Stock eingezogen sind. 

Bei ihnen sieht es sehr wohnlich aus. Nur Kleinigkeiten fehlen noch. Und sie haben die neue Umgebung schon schätzen gelernt. „Vor allem abends, wenn das Licht so auf die Schlossmauer fällt, sieht es richtig gut aus“, sagt Steffen Neubert. Das war vor einem knappen Jahr auch ein Slogan, der sie angesprochen hat: „Wohnen am Schloss“. Damit hat die Wohnungsgenossenschaft für ihr Projekt geworben.

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Wohnung mit kurzen Wegen

Die beiden sind aus Klein Nordende in Schleswig-Holstein hierhergezogen. Die Entscheidung war schon lange geplant. Jetzt ist Steffen Neubert Rentner. Mit dem neuen Lebensabschnitt wollten er und seine Frau näher zu den Kindern und den Enkeln. „Damit wir von denen und die von uns etwas haben.“ 

So steht am Küchentisch ein Hochsitz für die Zweijährige, und die Achtjährige kann nach der Schule auch noch schnell vorbeikommen, ehe sie nach Hause geht. Ihr Sohn und die Schwiegertochter haben vor sechs Jahren am Pappelweg in Dippoldiswalde ein Haus gebaut und wohnen jetzt mit den zwei und acht Jahre alten Kindern hier.

Auch wenn sie zuletzt im Norden gelebt haben, sind Neuberts gebürtige Erzgebirger. Steffen stammt aus Schwarzenberg, Steffi aus Aue. Es hat sich dann ergeben, dass vor 13 Jahren die Firma von Steffen liquidiert wurde, wo er als Elektromeister gearbeitet hat. Steffi hatte eine Schwester, die schon in Norddeutschland lebte. Da haben sie sich dort umgesehen nach Arbeit und einer Wohnung, was beides schnell geklappt hat.

Sie haben dann erst bei Amazon gearbeitet, das dort einen DVD-Verleih betrieben hat. Als der geschlossen wurde, ging Steffen zu einer Möbelmanufaktur und Steffi hat zur Betreuungskraft in der Tagespflege umgeschult. Daran wird sie auch im Osterzgebirge wieder anknüpfen. Im Herbst beginnt sie bei der Diakonie in Dippoldiswalde.

Mit Sondergenehmigung zur Wohnungsbesichtigung

Was beide an ihrem neuen Domizil schätzen, sind die kurzen Wege, die sie von der neuen Wohnung aus haben. „Für normale kleine Einkäufe braucht man kein Auto“, sagt Steffen. „Wir sind in fünf Minuten beim Bäcker, beim Fleischer oder auf dem Markt.“ Andere Wohnorte haben sie nicht in Betracht gezogen. Dresden sei zu groß. 

„Ich bin doch eher ein Landmensch, der es etwas ruhiger haben will“, sagt Steffen Neubert. Und in einem kleineren Ort wären sie sofort wieder mehr aufs Auto angewiesen. „Da müssten wir die Enkel immer holen und bringen“, sagt Steffi Neubert. Hier müssen sie nicht jeden Tag das Auto nehmen, haben aber einen Stellplatz am Haus.

So haben sie schon Ende vergangenen Jahres der Wohnungsgenossenschaft zugesagt, dass sie die Wohnung nehmen. Im Frühjahr sind sie einmal nach Dipps gekommen, um die Wohnung, die damals noch im Rohbau stand, anzusehen. Das war nicht einfach. Die Familie musste sich eine Sondergenehmigung besorgen, damit sie trotz der Corona-Beschränkungen von Schleswig-Holstein nach Sachsen fahren konnten.

Erst Finanzamt, dann Parteizentrale, nun Wohnhaus

Aber die neue Wohnung war es wert. „Der Zuschnitt unserer Wohnung hat uns auch von Anfang an gefallen“, sagt Frau Neubert. Es gibt eine Loggia, auf der man mit Blick aufs Schloss im Freien sitzen kann. Im Winter lässt sich die Verglasung auch schließen. Und von Küche und Esszimmer aus bietet eine ganze Fensterleiste viel Licht und einen besonderen Ausblick.

„Woran wir uns noch etwas gewöhnen müssen, sind die offenen Türen. Aber das ist wohl das Konzept der Architektin. Es soll ein offenes Wohngefühl sein“, erzählt Steffen Neubert. Sie sind jetzt gespannt, wie sich die Hausgemeinschaft entwickelt. Jetzt ziehen ja alle neu ein in das ehemalige Amtsgebäude, das Anfang des vergangenen Jahrhunderts als königlich sächsisches Finanzamt gebaut worden ist, zu DDR-Zeiten die Kreisleitung der SED beherbergt hat und nach der Wende bis 2008 einen Teil des Landratsamts.

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Im Haus laufen noch letzte Restarbeiten. Die Treppe ist abgeklebt, damit bei den vielen Möbeltransporten keine Schäden entstehen. Auf dem Parkplatz stehen schon zwei Bäume. „Hier werden ringsherum noch Rosenbeete angelegt und vor dem Haus zur Dr.-Friedrichs-Straße hin werden noch Alleebäume gepflanzt. Aber dafür ist jetzt die falsche Jahreszeit“, sagt Kühn-Meisegeier. Die Freifläche zum Schloss hin ist bereits angesät und dahinter wird im Herbst noch ein Weg angelegt. Dann ist die Umwandlung vom Behördensitz zum Wohnhaus abgeschlossen. 

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