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Naturdenkmal zerbrochen

Über viele Jahrzehnte prägte ein großer Wildapfelbaum die Landschaft im Osterzgebirge. Nun ist die Schönheit dahin. Doch es gibt Hoffnung.

Anke Proft betreute im Rahmen des Wildapfelprojektes der Grünen Liga diesen Wildapfelbaum auf der Kalkhöhe bei Cunnersdorf, nun ist er abgebrochen.
Anke Proft betreute im Rahmen des Wildapfelprojektes der Grünen Liga diesen Wildapfelbaum auf der Kalkhöhe bei Cunnersdorf, nun ist er abgebrochen. © Karl-Ludwig Oberthür

Der Wildapfelbaum unweit der Kalkhöhe bei Cunnersdorf gilt als einer der schönsten seiner Art. Da er allein auf weiter Flur steht, prägt er die Landschaft. Er zieht Maler wie Fotografen magisch an - vor allem in der Blütezeit. Nun hat der Baum an Schönheit verloren. Er ist auseinandergebrochen, sagt Anke Proft und dabei klinkt auch ein bisschen Wehmut mit. Auch sie war und ist von dem gut zehn Meter hohen Baum mit einem Stammumfang von 3,40 Meter fasziniert. Seit 2007 hat sich die Oberfrauendorferin in drei Projekten des Umwelt- und Naturvereins Grüne Liga Osterzgebirge mit dem prachtvollen Baum beschäftigt.

Wenn der Cunnersdorfer Wildapfelbaum blühte, zog er Fotografen und Maler magisch an.
Wenn der Cunnersdorfer Wildapfelbaum blühte, zog er Fotografen und Maler magisch an. © Archiv Egbert Kamprath

Der Wildapfelbaum hat sich viele Jahre gegen die immer näher rückenden Landwirtschaftsmaschinen behauptet, sagt sie. Zu LPG-Zeiten wurde die am Baum verlaufende Böschung abgetragen und man wollte ihn beseitigen. Das Seil sei schon drumgelegt worden, habe sie erfahren. Doch letztlich blieb der Baum stehen. 

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1996 wurde der Baum dann "wiederentdeckt". Das geschah, als sich Botaniker intensiver mit den Wildäpfeln in der Region befassten und deren Standorte ermittelten. Fortan gab viele Initiativen, diesen Baum zu erhalten, sagt  Anke Proft. Dass dies letztlich gelungen ist, sei vor allem Dr. Rolf Büttner vom Pillnitzer Obstinstitut zu verdanken. Er führte Gespräche mit Anwohnern, klärte, wem der Baum und das Grundstück gehört. Später informierte er die Eigentümer und Pächter über Bedeutung des Wildapfelbaumes und erklärte, was zu tun ist, um den Baum zu erhalten. Im Februar 2015 wurde der Cunnersdorfer Wildapfel zum Naturdenkmal erklärt. Auch das geht auf Büttner zurück.

Der Wildapfelbaum auf der Kalkhöhe bei Cunnersdorf ist auseinandergebrochen.
Der Wildapfelbaum auf der Kalkhöhe bei Cunnersdorf ist auseinandergebrochen. © Karl-Ludwig Oberthür

Nach dem Ableben von Dr. Rolf Büttner 2015 hat die Grüne Liga ein Jahr später eine Gedenktafel auf der Kalkhöhe in Cunnersdorf angebracht, die an den Botaniker erinnert. "Daneben haben wir gemeinsam mit seiner Familie und weiteren Wild-Apfel-Freunden einen osterzgebirgischen Wildapfelbaum gepflanzt", berichtet Anke Proft. Wenn der alte Baum nicht mehr ist, werde dieser hoffentlich genauso lange in die wunderbare Weite von der Cunnersdorfer Kalkhöhe schauen, sagt sie.

Anke Proft (re.) und Simone Heinz beschäftigen sich im Rahmen von Projekten der Grünen Liga seit vielen Jahren mit dem Wildapfelbaum und dessen Verwertung.
Anke Proft (re.) und Simone Heinz beschäftigen sich im Rahmen von Projekten der Grünen Liga seit vielen Jahren mit dem Wildapfelbaum und dessen Verwertung. © Archivfoto: Egbert Kamprath

Anke Proft hoffte, dass der "alte" Baum, oder besser das, was noch stehen geblieben ist, gerettet wird. Schließlich sei er ein Naturdenkmal. Dessen ist man sich auch im Landratsamt Pirna bewusst. Der Baum ist ein höhlenreicher Altbaum mit viel Totholz, sagt die Leiterin des Umweltamtes, Dr. Birgit Hertzog.  "Von allen Wild-Äpfelbäumen des Osterzgebirges dürfte er der mit Abstand der größte und mächtigste sein". Ziel des Landratsamtes sei es, den Baum noch lange zu erhalten, ergänzt sie. Deshalb werde es eine unverzügliche Notpflege beziehungsweise Sanierung geben. "Das Angebot liegt bereits vor", so Hertzog. Die Pflegearbeiten werden zeitnah durchgeführt und vom Landratsamt finanziert.

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