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Görlitzer Konfliktort verliert an Brisanz

Seit Juni gelten neue Regeln auf dem Wilhelmsplatz. Polizei und Stadt kontrollieren viel. Jetzt ziehen sie eine erste Bilanz.

Am Wilhelmsplatz wird jetzt viel kontrolliert. Sorgt das für eitel Sonnenschein?
Am Wilhelmsplatz wird jetzt viel kontrolliert. Sorgt das für eitel Sonnenschein? © Nikolai Schmidt

Vier junge Leute sitzen auf einer der Bänke am Wilhelmsplatz. Es ist Dienstagabend.

Jede der Bänke rund um den zentralen Görlitzer Platz ist besetzt, vom Spielplatz dringt Musik über den Platz. In Grüppchen stehen Leute beisammen und unterhalten sich, Kinder spielen Fußball. Aber nicht auf dem Rasen, sondern auf dem Weg rund um den Wilhelmsplatz. Die vier Jugendlichen auf einer der Bänke sind Anna Halaris, Emma Gajin, Mohammed Alhamidi und Kamies Elmabouk. Sie sind gerne auf dem Wilhelmsplatz, vor allem in den Abendstunden - und tatsächlich auch wegen der Bepflanzung, sagt Anna Halaris. "Es ist schön, man hat Bänke zum Sitzen, es ist zentral."  Wenn man sich etwas zu Essen kaufen möchte, sind Geschäfte in der Nähe. 

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Doch der Wilhelmsplatz ist auch ein großes Streitthema. Wegen der Lautstärke, oft bis in die Nacht hinein. Beschwerden gab es auch immer wieder, weil zu viel Müll liegen bleibe, die Blumenrabatten in Mitleidenschaft gezogen würden. Und auch das Fußballspielen war immer wieder Thema. Nach langer Diskussion beschloss der Stadtrat dieses Jahr eine neue Grünanlagensatzung. Eine der wichtigen Änderungen: Ballsport mit mehr als vier Mitspielern ist auf dem Platz nicht mehr erlaubt. 

"Für mich ist das eine Grünfläche"

Die neue Satzung legt fest, dass das Grün in der Mitte des Platzes als Liegewiese dienen soll. Heißt, betreten darf man sie, auch Spiele wie Frisbee, Federball oder eben Ballsport bis vier Personen bleiben erlaubt. Hunde dagegen nicht. Auf dem Weg drumherum kann man aber nach wie vor Gassi gehen. Was ein Ehepaar regelmäßig nutzt. Ihren Namen wollen die beiden nicht nennen, nur so viel: Sie wohnen ganz in der Nähe und sind oft mit ihrem Hund am Wilhelmsplatz unterwegs. 

So sind jetzt die Regeln auf dem Wilhelmsplatz.
So sind jetzt die Regeln auf dem Wilhelmsplatz. © Foto: Stadtverwaltung Görlitz

Mit der neuen Satzung könne sie gut leben, sagt die Frau. Es brauche ja kein böser Wille sein, "aber am Ende fliegt doch mal ein Ball in die Blumen." Das müsse nicht sein. "Ich persönlich finde auch die Liegen nicht so schön", sagt sie. Vor zwei Jahren hatten Bürgerrat und Stadt zehn Liegen für den Wilhelmsplatz gekauft. "Ich könnte drauf verzichten, für mich ist das eine Grünfläche." Ihr Mann sieht es anders. "Mich stören sie nicht", sagt er.  

Problem: Lärm mitten in der Nacht

Ansonsten stehen die beiden der Wilhelmsplatz-Problematik eher gelassen gegenüber. Ja, manchmal sei es laut, "gerade jetzt in den Ferien", erzählen die beiden, die in unmittelbarer Nähe wohnen. Tagsüber seien viele Familien mit kleineren Kindern da, abends eher Jugendliche.  "Aber über uns hat man sich früher bestimmt auch aufgeregt, als wir Jugendliche waren", sagt sie. Auf der anderen Seite: Belastend sei die Situation dann für sie, wenn tatsächlich nachts oder in den frühen Morgenstunden Lärm herrsche. "Wenn man in Schichten arbeitet", erzählt der Mann, "und man hat gerade Frühschicht, dann nimmt einen das schon mit", sagt er. 

Selbst unter den jungen Leuten gibt es Verständnis für die Verärgerung. Dass sich Anwohner manchmal gestört fühlen, wenn spätabends der Lautstärkepegel noch weit oben ist, können sie nachvollziehen. Gerade, wenn die Menschen frühmorgens zur Arbeit müssen, "oder wenn sie kleine Kinder haben", sagt eines der Mädchen, das mit seinen Freunden auf der Bank sitzt. Sie habe selbst jüngere Geschwister, erzählt sie. 

Debatte nicht immer ganz fair

Auf der anderen Seite fanden die Jugendlichen die Diskussion in der Vergangenheit auch nicht immer gerecht, "ich finde es nicht ganz fair, dass es immer so pauschal auf die Jugendlichen bezogen wird". In der Vergangenheit gab es auch immer die Argumentation: Görlitz ist nun mal eine Stadt und ein Stadtzentrum nicht mucksmäuschenstill. "Jetzt zum Beispiel finde ich es nicht zu laut, so ist es eigentlich gut", sagt Emma Gajin.

Offensichtlich hat sich die Lage tatsächlich beruhigt. Seitens der Anwohner sind zumindest seit Mitte Juli kaum noch Beschwerden bei der Stadt bekannt geworden. Eine davon: dass bereits um 8.30 Uhr der Rasen der Liegewiese gemäht wurde.  Vielleicht auch eine Wirkung der vielen Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei.

145 Kontrollen - 53 Verstöße

Seit dem 1. Juni gab es 145 Kontrollen auf dem Wilhelmsplatz. Bei 53 davon wurden Fehlverhalten oder Mängel festgestellt. "Die Palette ist dabei sehr breit", so Holger Kloß von der städtischen Bußgeldstelle. Sie reiche von alkoholisierten oder rauchenden Kindern und Jugendlichen bis zu nicht angeleinten Hunden, liegengelassenem Hundekot und anderen Verschmutzungen. Bei 16 Kontrollen mussten Platzverweise ausgesprochen werden. 

"Bezeichnend ist, dass die allermeisten Verstöße sich nicht gegen die Grünanlagensatzung, sondern andere Normen richteten", sagt Holger Kloß. Mit einer Ausnahme: Radfahrer, die über den Rasen ihren Weg abkürzen. Und auch an den Rabatten halten sich die Schäden in engen Grenzen.  Zwei Befestigungsstäbe wurden zerstört, ein paar wenige Sonnenhutpflanzen herausgezogen. "Das sind aber die üblichen Schäden an der Pflanzung, die wir jedes Jahr zu verzeichnen haben", teilt Stadtsprecherin Sylvia Otto mit. 

Eine Görlitzerin, die ebenfalls mit Hund unterwegs ist und auch ihren Namen nicht sagen mag, stimmt den Jugendlichen zu. "Nein, es ist nicht zu laut", sagt sie. "Dafür ist es ein öffentlicher Platz." Einer, der auch viel von Migranten genutzt wird. "Aber warum nicht. Sie müssen sich auch einleben. Es wird immer Leute geben, die sich dran stoßen, aber dem kann ich nicht zustimmen." Insgesamt, sagt die Frau, sei der Platz sehr gelungen. "Durch die Bepflanzung und die Pflege wirkt der richtig schön."

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