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Meißen

Winzer wollen’s wissen

Bei der großen Jungweinprobe sollte sich alles um den Ausnahmejahrgang 2018 drehen. Doch das tut es nicht.

Haben sich bei der Kleiderordnung abgesprochen: Die sächsische Weinkönigin Lisa Leinemann (l.) sowie die Weinprinzessinnen Katrin Hecht (M.) und Ann-Kathrin Schatzl (r.) probieren Weißweine auf der gemeinsamen Jungweinprobe der Anbaugebiete Sachsen und Sa
Haben sich bei der Kleiderordnung abgesprochen: Die sächsische Weinkönigin Lisa Leinemann (l.) sowie die Weinprinzessinnen Katrin Hecht (M.) und Ann-Kathrin Schatzl (r.) probieren Weißweine auf der gemeinsamen Jungweinprobe der Anbaugebiete Sachsen und Sa © Norbert Millauer

Elbland. Die Vorschusslorbeeren fallen prächtig aus. Von einem Jahrhundertwein ist nach dem super warmen und trockenen Wetter 2018 in den vergangenen Wochen immer wieder die Rede. Die Zahlen scheinen das zu untermauern: Das durchschnittliche Mostgewicht – welches grob gesagt den Zuckergehalt angibt – lag bei 87 Grad Oechsle. Solche Werte sind in hiesigen Breitengraden bislang kaum gemessen worden. Dazu gesellt sich mit rund 25 500 Hektolitern ein über dem langjährigen Mittel liegender Ertrag. An diesem Freitagvormittag gibt es die Gelegenheit, die Vorschusslorbeeren auf ihre tatsächliche Fruchtigkeit zu prüfen. 181 Weine und Sekte können auf der Jungweinprobe der Anbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen in der Coswiger Börse verkostet werden.

Für Sachsens höchsten Repräsentanten, den Landtagspräsidenten Matthias Rößler (CDU) steht das Urteil schnell fest. „Eigentlich müsste ich alle Termine heute absagen und hierbleiben“, sagt er. Der 64-Jährige versteht etwas von dem Geschäft. Viele Jahre war er weinbaupolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Weiter ins Detail geht der Sprecher des Weinguts Schloss Wackerbarth in Radebeul, Martin Junge. Er hebt vor allem die ungewöhnliche Geschmacksbreite und den Nuancenreichtum des neuen Jahrgangs hervor. „Ich vergleiche das immer gern mit einer Farbpalette. Mit dem 2018er können wir weitere, ganz ungewohnte und neue Töne hinzufügen“, so Junge.

Etwas skeptischer zeigt sich Weinbauberater Frieder Tränkner vom Landwirtschaftsamt des Freistaates. Der Goldriesling und Müller-Thurgau, die er bisher verkostet habe, seien guter Durchschnitt gewesen. Allerdings keine Sonderklasse. Der Geschäftsführer der Weinbaugesellschaft Meißen Reinhold Zieger rät zu Burgundersorten und Scheurebe. Bei solchen, reich mit Bouquet gesegneten Weinen, zeigten sich die außergewöhnlichen Seiten des Jahrgangs.

Zieger ist nur zum Kosten in die Börse gekommen. Die Weine von Sachsens jüngstem Privatweingut werden seinen Angaben zufolge erst in einigen Wochen im Handel erhältlich sein. Sie müssten erst durch die Weinprüfung, sagt er. Keinen Kommentar möchte er zu den Gesellschaftern des rund 40 Hektar umfassenden Weinguts abgeben. Dabei handelt es sich um den Aufsichtsratsvorsitzenden der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut Andreas Silbersack und den Geschäftsführer des gleichen Unternehmens Albrecht Zieger. Beide ebenfalls vor Ort. Sie hatten angegeben, aufgrund des Drucks der Genossenschaftler ihre Anteile bis zum Sommer abgeben zu wollen.

Für den Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Meißen Lutz Krüger ist der Termin in Coswig bereits die zweite große Weinprobe in dieser Woche. Am Montag durfte er bereits rund 300 Gäste in der Weinerlebniswelt auf dem Meißner Bennoweg begrüßen. Sachsens Weinbauverbandschef Michael Thomas zeigt sich sichtlich erfreut, dass der größte Weinhersteller des Freistaats in der Börse mit einem sehr umfangreichen Sortiment aufwartet. „Wir führen intensive und gute Gespräche“, sagt Thomas. 2016 war die Genossenschaft wegen einer ganzen Reihe von Problemen aus dem Verband ausgeschieden. Das wird allgemein bedauert. Zumal es große Aufgaben zu schultern gilt.

Auch in Deutschland soll künftig die regionale Herkunft des Weines das tragende Qualitätsmerkmal bilden, anstelle von Kabinett, Spätlese und Auslese. Sollten sich die Winzer dazu in einer Schutzgemeinschaft nach dem Vorbild der Kollegen von Saale und Unstrut organisieren? Diese und viele weitere Fragen gilt es in den nächsten Monaten zu klären. „Das Thema dürfen wir nicht von uns wegschieben“, sagt Wackerbarth-Sprecher Martin Junge.

Und wie ist es um den nächsten Jahrgang bestellt? Zunächst gibt es Entwarnung. Während die Kollegen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg mit Frostverlusten von zehn Prozent und mehr rechnen, ist Sachsen glimpflich davongekommen. Die nächste Hürde dürfte die Weinblüte sein. Also noch keine Vorschusslorbeeren auf den 2019er geben.

Die Winzer sind die Dichter des Elbtales