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Feuilleton

Wirbel um Anna Netrebkos Mann beim Semperopernball

Die Musikwelt raunt, ein Startenor habe ein Duett mit einer Kollegin abgelehnt – aus ethnischen Gründen. Der Ball-Verein widerspricht.

Yusif Eyvazov – mit Gattin, der Starsopranistin Anna Netrebko. Bald sind beide in Dresden zu erleben.
Yusif Eyvazov – mit Gattin, der Starsopranistin Anna Netrebko. Bald sind beide in Dresden zu erleben. © APA/dpa

Der am 7. Februar stattfindende Semperopernball wirft seine Schatten voraus: Doch diesmal sind es nicht die Neuigkeiten der geladenen und zu ehrenden Gäste, die Schlagzeilen machen. Eine mögliche Polit-Affäre erregt die Gemüter – zumindest in der Opernwelt und in Internetforen ehemaliger Sowjet-Republiken. Musiknachrichten-Foren wie das französische Online-Portal Forumopera kolportieren, dass sich der Klassikstar des Balls, der aserbaidschanische Tenor Yusif Eyvazov, aus politischen Gründen geweigert haben soll, mit der armenischen Sopranistin Ruzan Mantashyan aufzutreten. Daraufhin soll die Künstlerin vom ausrichtenden Ball-Verein – der nichts mit der Institution Sächsische Staatsoper/Semperoper zu tun hat – gebeten worden sein, sich zurückzuziehen. Der künstlerische Leiter des Semperopernballs, Hans-Joachim Frey, widerspricht. Er verurteilte indessen den Vorwurf „als Unterstellung auf das Schärfste“.

Immerhin: Unter anderem berichtete die Musiknachrichten-Internetseite slipedisc.com detailliert, dass die Armenierin eingeladen gewesen sei, in Dresden ein Duett mit einem amerikanischen Tenor zu singen. Der musste jedoch absagen. Also kam Eyvazov, der Ehemann der russischen Starsopranistin Anna Netrebko, ins Gespräch – ein guter Tenor. Eyvazov sei wohl zunächst zum Duett bereit gewesen, bis er erfahren habe, dass er mit der Kollegin aus Armenien auftreten solle. Daraufhin habe er sich geweigert und gefordert, die Künstlerin aus dem Programm zu entlassen.

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Insider wundern sich nicht. Seit Ewigzeiten gibt es ernste politische Spannungen zwischen den Staaten Armenien und Aserbaidschan – speziell um die Region Bergkarabach im Kaukasus. Nicht nur ethnischenKonflikte, auch kriegerische Auseinandersetzungen prägten und prägen das Leben der Menschen beider Staaten.

Einer, der die wahren Fakten kennt, ist Hans-Joachim Frey als Impresario des Balls. Er erklärte, dass es mit der armenischen Künstlerin „zu keinem Zeitpunkt einen Vertrag für einen Auftritt am 7. Februar 2020 im Rahmen des Semperopernballs gegeben“ habe. Man sei einfach nicht zusammengekommen. An ihrer Stelle wird die Semperoper-Sängerin Julia Muzychenko zu erleben sein. Ebenso wenig, so betont Frey, habe Yusif Eyvazov jemals die Zusammenarbeit mit einer Kollegin von ihrer Herkunft abhängig gemacht. Man nehme allerdings an, dass es womöglich zu Missverständnissen in der Kommunikation bei den Agenturen der Künstlerin gekommen sei. Frey sagt, er schätze Eyvazov „als weltoffenen Künstler und ehrlichen Menschen“.

Die Schlagzeilen kommen zu Unzeiten. Frey, der gerade in Erfurt Wagners anspruchsvolle Oper „Lohengrin“ inszeniert, braucht einen freien Kopf. Und auch die Semperoper rückt in ein schlechtes Licht: Denn hier soll der 42-jährige Tenor ab Mitte Mai als Don Carlos auf der Bühne stehen – neben seiner 48-jährigen Gattin. Anna Netrebko gibt dabei ihr Rollendebüt als Elisabetta. Staatskapellenchef Christian Thielmann wird dirigieren. Arte überträgt die Premiere weltweit. Eine nationalistisch grundierte Atmosphäre wäre unpassend.

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Hans-Joachim Frey betont, der Semperopernball sei für seine Weltoffenheit bekannt: „Er besticht gerade dadurch, dass in seinem Programm seit vielen Jahren Künstler in unterschiedlichsten Konstellationen aus verschiedensten Herkunftsländern, wie auch bereits aus Armenien, auftreten. Anders geartete Äußerungen entsprechen nicht der Wahrheit.“