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Familienpark statt Stammtisch

Im historischen Gasthaus "Sächsischer Hof" in Großschweidnitz entsteht Wohnraum für Familien. Der Bauherr sagt, warum der dringend gebraucht wird.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Hat ein Faible für alte Gemäuer: Thomas Wockatz saniert den "Sächsischen Hof" in Großschweidnitz. Bald sollen hier Familien einziehen.
Hat ein Faible für alte Gemäuer: Thomas Wockatz saniert den "Sächsischen Hof" in Großschweidnitz. Bald sollen hier Familien einziehen. ©  Rafael Sampedro

Das Gerüst am "Sächsischen Hof" und Bauarbeiter auf dem großen Gelände zeugen davon: Hier am ehemaligen Gasthaus in Großschweidnitz' Mitte tut sich was. Noch vor wenigen Jahren hatte der ehemalige Besitzer die Großschweidnitzer verblüfft mit seinen hoch tragenden Plänen das Gasthaus wieder eröffnen zu wollen. Und sie in Angst und Schrecken versetzt, weil er immer wieder Unrat verbrannte und die Grundstücksgrenzen missachtete. Diese Zeiten sind vorbei. Zuletzt stand das Haus leer, der frühere Eigentümer war verstorben. Thomas Wockatz erwarb es aus der Zwangsversteigerung. 

Er kaufte es mit dem Plan, zu sanieren und Wohnraum zu schaffen, den er vermieten möchte. Alte Gebäude haben es dem Beiersdorfer angetan. Er hat bereits mehrere solcher Projekte in der Umgebung gestemmt. Zum Beispiel in Oppach und Löbau hat er alte Häuser wieder belebt. "Es reizt mich, solche alten Gebäude, die so viel Charakter haben, wieder mit Leben zu füllen." 

Auf den Sächsischen Hof aufmerksam wurde er durch den Fußball. Gleich nebenan liegt der Sportplatz von Großschweidnitz. Dort organisierte der Oppacher Verein Kickfixx, dessen Vorsitzender Wockatz ist, in den vergangenen Jahren immer sein jährliches Turnier. "Beim Vorbeifahren habe ich immer dieses schöne Haus gesehen." Und er dachte sich: Da muss man doch was draus machen!

Viele Wohnungen zu klein für Familien

Schon lange bevor die Wohnungen überhaupt fertig sind, hat Thomas Wockatz Mietverträge für den "Sächsischen Hof" abgeschlossen. Das ehemalige Gasthaus in Großschweidnitz, direkt gegenüber vom Sächsischen Fachkrankenhaus, wird zu einem Familienwohnpark - und dieses Konzept des Bauherrn scheint aufzugehen. 

Der Grund dafür, dass die Wohnungen so gefragt sind, liegt für ihn auf der Hand: "Es gibt zu wenig Wohnraum für Familien." Es werde zwar viel saniert und gebaut, zum Beispiel von den Wohnungsbaugesellschaften- und Genossenschaften. Das seien aber meist Zwei- bis Dreiraum-Wohnungen und mitten in der Stadt gelegen. "Wenn Sie zwei, drei Kinder haben, reicht das nicht." 

Im "Sächsischen Hof" entstehen deshalb nun sechs große Wohnungen - zwei auf jeder Etage. Sie sind zwischen reichlich 100 bis 155 Quadratmeter groß. Für drei davon hat Wockatz bereits Mieter. Eine Familie aus dem Ort zieht sogar wieder in ihre alte Wohnung zurück. "Sie hatten in den 1980er Jahren schon mal hier gewohnt", erzählt Thomas Wockatz. "Sie wollten unbedingt wieder in die gleiche Wohnung im Dachgeschoss. Das ist natürlich schon etwas besonderes, wenn man dann so eine Geschichte dazu hört." Ihre Geschichte berührte den Bauherrn so sehr, dass er ihnen den Zuschlag für die Wohnung gab. "Es muss passen. Ich möchte, dass die Mieter eine Beziehung zu dem Haus haben und dass auch die Hausgemeinschaft zueinander passt." 

Bis auf das ältere Paar, das oben einziehen wird, hat Wockatz unterdessen junge Familien als Mieter. Eine Familie wird beispielsweise aus Dresden zurück in die Oberlausitz ziehen. Er wünscht sich, dass sie sich auch gegenseitig unterstützen, zum Beispiel mal auf die Kinder der anderen mit aufpassen. Im Keller wird es Gemeinschaftsräume geben, die alle nutzen können und auch der Garten soll künftig für alle Mieter zur Verfügung stehen. Ein kleiner Spielplatz soll entstehen und natürlich eine Fläche zum Kicken. 

Auch die Scheune wird zur Wohnung

Bis hier im Garten Fußball gespielt werden kann, ist aber noch viel zu tun. Die Dachdecker sind bald fertig. Auch ein Teil der Fassade hat schon seine endgültige Farbe. Weil das 1899 als Gasthaus errichtete Gebäude unter Denkmalschutz steht, soll es am Ende wieder genauso aussehen, wie früher. Für die Arbeiten an Dach und Fassade stehen daher auch Fördermittel zur Verfügung. 

An der Straßenfront wurden nach dem historischen Vorbild die vier Dachgauben erhalten. Auch die historische Haustür will Thomas Wockatz aufarbeiten lassen. An der Westfassade ist auch schon zu sehen, wie das Gasthaus mal aussah: Der hellgelbe Abstrich ist mit Klinkerdetails verziert. 

Eine mittlere sechsstellige Summe und jede Menge Arbeit investiert Wockatz in den Familien-Wohntraum. Fast ein dreiviertel Jahr hat er damit zugebracht , das Haus erst einmal zu entrümpeln und zu entkernen. Jetzt sind regionale Fachfirmen mit der Sanierung beschäftigt. 

Inzwischen ist auch der Plan gereift, noch eine siebente Wohnung auf dem Grundstück zu bauen. Die alte Scheune im Hof sollte eigentlich als Nebengelass genutzt werden, so die ursprüngliche Idee. "Aber dafür ist sie viel zu schade", sagt der Bauherr. Er will sie nun zu  einer weiteren Familien-Wohnung ausbauen. 

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