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Bautzen

Ärger um herrenloses Autowrack

Wochenlang kümmerte sich niemand um einen kaputten Wagen an der Muskauer Straße in Bautzen. Jetzt geht es ganz schnell.

Wochenlang stand dieses Auto an der Muskauer Straße in Bautzen. Erst gab es Vandalismusschäden, dann brannte es. Wer kümmert sich um die Entsorgung?
Wochenlang stand dieses Auto an der Muskauer Straße in Bautzen. Erst gab es Vandalismusschäden, dann brannte es. Wer kümmert sich um die Entsorgung? © LausitzNews.de/Jens Kaczmarek

Bautzen. Nur noch ein paar dunkelgrüne Flecken lugen hinter der Rußschicht hervor. Die Spuren der Nacht zum letzten Sonntag zeichnen sich deutlich auf dem Wagen an der Muskauer Straße ab. In den frühen Morgenstunden hat das Auto gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Warum jemand das Auto angezündet hat, darüber ließe sich nur spekulieren. War da jemand gelangweilt? Verärgert, dass das Auto so lange am Straßenrand stand? Wollte es entsorgen? Fakt ist: Der Wagen stand schon wochenlang herrenlos am Straßenrand. Die SZ hat nachgehakt, wer sich um solche Autowracks kümmert.

Seit wann stand das Auto an der Muskauer Straße in Bautzen?

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Eine klare Aussage gibt es dazu nicht. Von Landratsamt, Ordnungsamt und Polizei ist das Bautzener Ordnungsamt offensichtlich als erstes auf den Wagen aufmerksam geworden. Denn Matthias Almert, der bei der Stadt Bautzen die Abteilung Ordnung und Verkehr leitet, erklärt, dass der Fall am 8. Januar aufgenommen worden ist. „Da wir nach den äußeren Umständen davon ausgegangen sind, dass sich der Eigentümer nicht mehr darum kümmert“, erklärt er, habe die Stadt den Fall an das Abfallamt des Landkreises weitergegeben. Dies sei für die Entsorgung zuständig. Bei der Polizei ist das Auto seit dem 10. Januar in den Akten. Da wurden die Beamten auf „Spuren von Vandalismus“ aufmerksam, erklärt eine Polizeisprecherin. Die Frontscheibe an dem Wagen sei eingeschlagen worden.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Wagen?

Das Landratsamt erfuhr nach eigenen Angaben am 20. Januar von dem Wrack an der Muskauer Straße. „Wir haben dies unverzüglich in Augenschein genommen“, erklärt eine Landratsamtssprecherin. Es hätten keine Umweltgefahren bestanden, deshalb habe man recherchiert, wem der Wagen gehört. Der Besitzer sei daraufhin aufgefordert worden, den Wagen abzuholen. Ein roter Punkt, der das signalisiert, sei an das Fahrzeug angebracht worden – und Post müsste der Besitzer oder die Besitzerin auch bekommen haben. Die Frist sei zwar noch nicht abgelaufen. Nach dem Brand jedoch will das Abfallamt schnell durchgreifen. Man habe am Dienstag den Auftrag zur Entsorgung erteilt.

Welche Konsequenzen drohen dem Besitzer des Wagens?

Wem das Auto gehört, ist dem Landratsamt bekannt. Das Auto hatte zwar tschechische Kennzeichen – der Wohnsitz der Person liege aber in Deutschland. Das Landratsamt streckt die Kosten für die Entsorgung des Wagens zwar vor, offene Forderungen würden in Fällen wie diesen aber vollstreckt. Etwa 200 bis 300 Euro koste das in solchen Fällen. Auch ein Bußgeld ist möglich.

Wie lange darf ein Unfallwagen am Straßenrand stehen?

Dass ein Wagen eine Panne oder einen Unfall hat, kann passieren. Wie lange aber darf er dann am Straßenrand stehen? „Dies lässt sich nicht pauschal sagen und hängt von unterschiedlichen Umständen ab“, erklärt die Sprecherin der Polizei. „Ein Fahrzeug, welches zugelassen ist, nicht störend oder behindernd geparkt ist, darf ohne zeitliche Begrenzung im öffentlichen Verkehrsraum stehen.“ Anders sehe es bei nicht zugelassenen Autos aus. „Je nachdem, ob es verkehrsbehindernd oder gefährdend geparkt ist, ob Betriebsflüssigkeiten auslaufen oder eine Umweltstraftat vorliegt, besteht Handlungsbedarf.“

Wer ist denn jetzt eigentlich zuständig für solche herrenlosen Autos?

Wer für einen herrenlosen Wagen zuständig ist, hängt davon ab, ob es sich um ein Wrack, also Abfall, handelt – oder um einen Fall, der nach dem Straßenrecht zu beurteilen ist. Also wenn ein Fahrzeug ohne Zulassung im öffentlichen Raum steht, aber betriebsbereit ist. Oder wenn es zugelassen, aber anscheinend kaputt ist. In diesen beiden Fällen ist die Stadt dafür zuständig, erklärt Matthias Almert vom Bautzener Ordnungsamt. Anders ist es, wenn das Auto als Abfall gilt – dann muss der Landkreis mit seinem Abfallamt aktiv werden.

Wie ist generell das Prozedere, wenn ein Auto so am Straßenrand steht?

„Zunächst wird versucht, den Eigentümer zu ermitteln“, erklärt Almert. Wenn das gelingt, werden er gebeten, seinen Wagen zu entfernen. Dafür gibt es eine Frist. Bußgelder oder Sondernutzungsgebühren können fällig werden. „Kommt der Eigentümer der Aufforderung nicht nach“, sagt Almert, „erfolgt eine Verwertung des Fahrzeuges durch die Stadt.“ Entstehende Kosten und der Erlös des Wagens werden verrechnet, den Rest der Kosten müssen die Eigentümer tragen.

Wie oft gibt es solche herrenlose Wagen in der Region?

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