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Ziegenabtrieb in der Sächsischen Schweiz

Hirte Patu lädt öffentlich zum Abtrieb seiner Tiere ein. Der wird für Menschen zur Herausforderung. Denn die Ziegen machen nicht immer, was sie sollen.

Die Mission Ziegenabtrieb kann beginnen: Ziegenhirte Patu alias Patrick Pietsch mit einem seiner Tiere in Pfaffendorf.
Die Mission Ziegenabtrieb kann beginnen: Ziegenhirte Patu alias Patrick Pietsch mit einem seiner Tiere in Pfaffendorf. © Marko Förster

Ziegen sind schneller als Menschen. Das ist der erste Hinweis, den Hirte Patu sprich Patrick Pietsch den Zweibeinern gibt. Sie werden sich schon kurz danach daran erinnern.  Neun Ziegen und ein paar mehr Menschen sind es am Sonntagvormittag am Pfaffendorfer Sportplatz. Von hier sollen die Ziegen nach Königstein getrieben werden, mit der Fähre nach Halbestadt überfahren, die Lämmer auf die Wiese und die Ziegen zum Bock gehen. So weit der Plan von Patu. 

Jürgen Richter und Manfred Riebe nehmen jeweils eine Ziege an die Leine. Eine von ihnen ist Lexa, die Leitziege. Noch sind die Männer frohen Mutes. Patu sagt noch: „Sie können ganz schön ziehen“, dann öffnet er den Zaun und die Ziegen zeigen, was „ganz schön ziehen" ist. Patu hatte noch gesagt, es werde kein Spaziergang. Aber irgendwie hatten das wohl die meisten überhört.

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Als nächstes büxen die Jungtiere aus. Links ins Grundstück, auf Schuppendächer und hinter Lauben. Die Leittiere sind zu weit weg, das leckere Fressen zu nah. Wenn die Tiere auf Fressen umschalten, sind sie nicht zu halten, war der zweite Hinweis von Patrick Pietsch.

Patu kommt mit seinem Tier an der Leine zurück, dann auch die beiden Männer mit den anderen Tieren. Es dauert eine Weile, bis sich alle Ziegen wieder auf den Weg bequemen. Sie zeigen zuvor erst noch zur Belustigung der Leute ihr Sprunggelenk. Auf Bemerkungen wie „ihr wisst doch, dass ihr da nicht hindürft“ hören sie natürlich nicht. Als alle wieder auf dem rechten Weg nach unten sind, kann Manfred Riebe nicht mehr anders: Er lässt die Leine los. „Sonst hätte es mich auf den Hosenboden gesetzt“, sagt er. Jürgen Richter hält eisern die Leine fest, bis zum Schluss.

Mit der Fähre in Königstein kam die Ziegenherde auf die andere Elbseite. 
Mit der Fähre in Königstein kam die Ziegenherde auf die andere Elbseite.  © Marko Förster

Der studierte Wirtschaftsinformatiker Pietsch hat vor fünf Jahren die Zucht mit zwei Tieren begonnen. Den Abtrieb am Sonntag hat er erstmals öffentlich organisiert. Ein paar mehr Leute wären nicht schlecht gewesen, sagt er. Zu seinen Ziegenwanderungen kommen schon immer mehr. Im Ziegengalopp geht es durch Königstein und zur Fähre. Fährmann Ricco Sauer hat die Ziegen schon zwei, drei Mal gefahren. Einen Ziegentarif gibt es nicht. Da sind die Ziegen wie Hunde, sagt er und schaut sich seinen außergewöhnlichen Transport an. Die Ziegen nehmen die Überfahrt gelassen. Sie ist vor allem für die Menschen Zeit zum Verschnaufen.

Eigentlich sollten die Ziegen zum Schluss der Tour die Böcke treffen. Die standen auch erwartungsvoll am Zaun. Doch weil einige der Böcke ausgebüxt waren, musste Patu sie erst einmal suchen. Es scheint, die Tiere zusammenzuhalten, ist eine der wichtigsten und zeitaufwendigsten Aufgaben des Hirten. Zicklein soll es trotzdem im Frühjahr geben, sagt er. Nur wohl ein, zwei Tage später.

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Den Abtrieb will er nächstes Jahr wieder so organisieren, hoffentlich mit ein paar Leuten mehr. Manfred Riebe und Jürgen Richter wollen wieder dabei sein. Es ist mal was anderes, es ist gut für die Elbwiesen, dass es die Ziegen gibt, und die Ziegenknacker sind auch nicht zu verachten. Nachhaltig ist heute ein großes Wort, Patu, seine Ziegen, die Männer mit der Leine und die anderen, die ein Stück mitgingen, haben es gelebt. Und das ist der dritte Hinweis, den Patrick Pietsch als Hirte Patu nicht nur an diesem Sonntag zwischen Pfaffendorf und Königstein gern gibt.

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