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Vergrämen die Politessen Touristen?

Ein Dresdner Architekt, der in der Stadt ein Haus sanieren will, macht sich Sorgen um die Vermarktung von Zittau und der Umgebung. Die Verwaltung hält dagegen.

Rainer Scholz, Architekt aus Dresden, will dieses Haus in der Inneren Weberstraße in Zittau sanieren und macht sich Gedanken über die touristische Vermarktung der Stadt.
Rainer Scholz, Architekt aus Dresden, will dieses Haus in der Inneren Weberstraße in Zittau sanieren und macht sich Gedanken über die touristische Vermarktung der Stadt. © Rafael Sampedro (Archiv)

Seit zwei Jahren ist Rainer Scholz regelmäßig in Zittau. Auch davor war er schon öfter da, aber verliebt hat er sich in die Stadt erst auf den zweiten Blick. Inzwischen hat er ein Haus in der Inneren Weberstraße gekauft, will es sanieren, Gästewohnungen einbauen und hat auch schon andere von Zittau begeistert

Wenn er die Gästewohnungen regelmäßig vermieten will, müssen viele Touristen in der Stadt übernachten wollen. Schon jetzt kommen eine ganze Menge Urlauber in die Stadt und das Umland. Doch nach Ansicht von Scholz könnten es noch viele mehr sein - wenn Zittau und das Gebirge besser vermarktet würden. Deshalb hat er sich an die Stadtverwaltung, die auch die Tourismuszentrale Zittauer Gebirge betreibt, gewandt: "Durch die Corona-Krise sieht es ja so aus, als ob sich der Trend in Deutschland Urlaub zu machen, deutlich verstärkt", hat er geschrieben. "Gibt es in Zittau schon Überlegungen und Pläne, um nach der Kontaktsperre etwas für den Tourismus zu tun?" Touristen würden ja gerne dort hin gehen, wo sie sich gedankenlos bewegen können und willkommen fühlen. Das aber sieht er in Zittau nicht immer gegeben. "Ich habe den Eindruck, das der Tourismus noch in den 90ern verhaftet ist und dringend für die heutigen Erwartungen von Touristen durch attraktive Angebote und Unterhaltung mit gedankenlosem Genießen, überarbeitet werden muss", so Scholz. Dabei könnte man mit einfachen Mitteln schon viel erreichen.

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Sorgen macht ihm "die Überregulierung mit der Parkraumbewirtschaftung mit blitzschnellen Strafzetteln, die ganzen Blitzer, die neu aufgestellt werden, und die schlechte Vernetzung aller Angebote." Das wirke auf Touristen eher abschreckend, weil sie beim Besuch befürchten müssten, bestraft zu werden anstatt ein unvergessliches Erlebnis zu haben. 

Das sind Scholz' Kritikpunkte im Einzelnen und die Reaktionen der Stadt, die ihn auch zu einem Gespräch eingeladen hat:

Warum gibt es kein besseres Parkkonzept?

Scholz fordert, die Parkraumbewirtschaftung zu modernisieren und dem Tourismus anzupassen. So sollte es in der Innenstadt Parkplätze geben, die nicht nur 30 Minuten wie bisher, sondern eine oder zwei Stunden gebührenfrei sind. "Damit Touristen nicht sofort ein Ticket bekommen", wie Scholz schreibt. "Leider ist das Ordnungsamt derart schnell mit Strafzetteln, dass es bei Touristen den Eindruck hinterlässt, dass sie speziell abkassiert werden." Außerdem sollten die Parkautomaten so eingestellt werden, dass auch eine Bezahlung für den nächsten Morgen möglich ist. Sonst müssen Touristen früh aufstehen, um einen Parkschein zu lösen.

Die Stadt entgegnet, dass die Debatte um das Parkregime wohl so alt wie der Autoverkehr ist. "Die Diskussion, wer wann für wie lange und zu welchen Kosten parken darf, wird immer wieder geführt, insbesondere bei unserer lokalen Händlerschaft und natürlich bei allen, die beim Verstoß gegen die aktuellen Regeln ein Knöllchen bekommen haben", antwortet Kai Grebasch, verantwortlich für das Stadtmarketing bei der Verwaltung. Dabei gehe es nicht in erster Linie darum, Einnahmen für die Kommune zu erwirtschaften, sondern den Verkehr zu regulieren. Die dafür vom Stadtrat festgelegten Regeln gelten für alle, auch für Touristen - und werden vom Ordnungsamt nur durchgesetzt. "Eine wichtige Frage wird sein, wie wir Einheimischen wie Gästen noch deutlicher zeigen, wo sie die jeweils richtigen Parkplätze für ihren Bedarf finden – ob kurz zum schnellen Einkauf oder für mehrere Stunden für den Tagesausflug ins Gebirge", so Grebasch. Den Hinweis mit dem Bezahlen über Nacht will er prüfen lassen.

Warum umwirbt Zittau die vielen Schmalspurbahn-Touristen nicht?

Als Vorbild für eine sehr gute Vermarktung nennt Scholz die des Kleinbahnbetreibers Soeg. Mit immer neuen Ideen stellt er jedes Jahr neue Besucherrekorde auf. Im vergangenen Jahr ist erstmals die Marke von 250.000 gebrochen worden. Der Dresdner fragt sich, warum die Stadt das Potenzial nicht nutzt. "Am Bahnhof steht nicht einmal ein Richtungsschild ,Stadtzentrum 10 Minuten zu Fuß'." Allerdings müsste dann auch in der Stadt etwas los sein. Das könnten länger geöffnete Geschäfte oder Konzerte sein. "Gerade der letzte Zug sollte einen Anschluss ins Zentrum haben, um Läden und Gastronomie zu stärken."

Diese Probleme hat die Stadt auf dem Schirm. "Die Fußgängerbeschilderung in Zittau wird aktuell nach und nach erneuert", so Grebasch. "Das Thema Öffnungszeiten in der Innenstadt ist etwa so alt wie das Thema Parkraum. Wir machen hier als Wirtschaftsförderung, aus Richtung Stadtmarketing und unterdessen auch über das Citymanagement immer wieder Vorstöße – leider ist unsere Händlerschaft nach wie vor nicht mehrheitlich zu längeren Öffnungszeiten zu bewegen."

Warum macht Zittau nicht auf seine und die Schätze der Umgebung aufmerksam?

Nicht nur der fehlende Hinweis auf die Innenstadt am Kleinbahnhof treibt Scholz um, sondern auch die auf andere Attraktionen. "Der Olbersdorfer See zum Beispiel ist bei vielen Touristen völlig unbekannt, genauso wie die Weinau mit dem Zoo", schreibt er und verweist auf Erfahrungen mit Besuchern, die er in die Gegend geholt hat. "Hier sollte ein Gesamtkonzept der Vernetzung gemacht werden, damit Touristen überhaupt einen Eindruck von den vielen Möglichkeiten bekommen. Das bis hin nach Tschechien und Liberec mit Jeschken und Riesengebirge." Er glaubt, dass Touristen bei mehr Information und Führung leicht für die Angebote zu begeistern sind.

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Diese Kritik weist die Stadt ein Stück weit von sich. "Die Vernetzung der touristischen Leistungsanbieter ist sicher optimierbar, funktioniert aber insgesamt inzwischen gut", antwortet Grebasch. "Unser Tourismuszentrum ist Anlaufstelle auch für Anbieter und Veranstalter und wir sind in vielen Netzwerken mit den Partnern aktiv – von der Touristischen Gebietsgemeinschaft über die Dampfbahnroute Sachsen bis hin zu den Arbeitsgruppen der Marketinggesellschaft Oberlausitz und der Tourismus Marketinggesellschaft Sachsen." Auch mit Tschechien und Polen arbeite man immer enger zusammen.

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