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Wie in Zittau die Neiße begradigt wurde

Die Regulierung des Flusses war wichtig für den Hochwasserschutz. Vor 90 Jahren begann der vierte Bauabschnitt.

Beim Projekt Neißeregulierung (hier am Bahnviadukt) wurde richtig Dampf gemacht, wenngleich er auf dem Foto vor allem vom Bagger kam.
Beim Projekt Neißeregulierung (hier am Bahnviadukt) wurde richtig Dampf gemacht, wenngleich er auf dem Foto vor allem vom Bagger kam. © Sammlung D. Rößler

Die tieferliegenden südlichen Zittauer Stadtteile waren Jahrhunderte lang sehr hochwassergefährdet. Mit der Regulierung der Mandau Ende des 19. Jahrhunderts hatte man das Problem allerdings erheblich reduziert. In den 1920er Jahren sollte es mit der Begradigung der Neiße endgültig beseitigt werden. Die zweite Hälfte dieses Projektes begann vor 90 Jahren mit dem sogenannten 4. Bauabschnitt. Geografisch gesehen war dieser Abschnitt eigentlich der letzte. Denn der Fluss wurde von der Grenze zur Tschechoslowakei bis unterhalb der Weinau reguliert. Technisch bedingt grenzten die Bauabschnitte allerdings nicht unbedingt aneinander. 

Begonnen hatte man am 12. Mai 1926 zwischen der Grenze und der Brücke an der Grottauer Straße (heute Friedensstraße). Danach wurde der Eckartsbach reguliert und die Brücke der Friedländer Straße (heute Chopinstraße) gebaut. Letzteres Vorhaben war kompliziert, weil neben der Straße auch die Reichenauer Schmalspurbahn die Neiße überquerte. Schließlich wurde am 28. Mai 1930 mit den Arbeiten zwischen dem Weinaupark und Kleinschönau begonnen.

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Der Fluss machte hier einen großen Bogen und verlief ganz nahe an den Häusern des Dorfes. Am Ende der Bauzeit im Juli 1931 zeigte sich die Neiße hier dann fast gerade. Und ihr „silbernes Band“ lag jetzt näher an der Weinau, die von dem Projekt ziemlich profitierte. 55.000 Kubikmeter Aushub ebneten unter anderem die Flächen rund um das Stadion. Der entstandene breite Flusskanal war ideale Basis für die nachfolgende Sanierung des mittleren Teiles der Neiße im Zittauer Bereich. Insgesamt hatte der neu entstandene geradlinige Fluss eine Länge von 4.700 Metern. 1934 war die Regulierung abgeschlossen.

Bürger als Baum-Paten

Die „Zittauer Nachrichten“ würdigten das am 3. März 1934 mit einer sechsseitigen Sonderbeilage. Martin Franze aus Zittau hat sie aufgehoben. Als Kind hatte er das gewaltige Bauprojekt miterlebt und den historischen „Zeitungsschatz“ von seinen Eltern geerbt. Herr Franze weiß auch, dass damals unkonventionelle Ideen geholfen hatten, den landschaftlichen Wert des Projektes aufzuwerten. Bürger konnten als Baum-Paten zur Begrünung des neuen Flusslaufes beitragen. Zum Dank erhielten die Pfähle für die jungen Bäume Messingschilder mit den Namen der Paten. Die heute hohen Bäume am Fluss sind also überwiegend Ergebnis damaligen bürgerlichen Engagements. 

Dass die begradigte Neiße kurz darauf eine Grenze sein würde, konnte bei diesem Jahrhundertbau niemand ahnen. Der Abschottung in den Nachkriegsjahren kam es natürlich entgegen. Die Erwartungen an den Hochwasserschutz hat das Projekt aber auf jeden Fall erfüllt. Dass es am 7. August 2010 trotzdem zur Katastrophe kam, lag bekanntlich am Witka-Dammbruch. Ein solcher Rückstau war deshalb in Zittau 1930 baulich nicht vorherzusehen. Die ökologischen Folgen der Neißeregulierung sind möglicherweise weniger euphorisch zu bewerten. Einige Altarme des Flusses unterhalb der Weinau mindern sie allerdings und - erinnern an den einst idyllisch durch die Talebene mäandernden Fluss.

Regulierung der Neiße

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  • 1926 Landesgrenze bis Grottauer Straße, heute Friedensstraße (1. und 2. Bauabschnitt)
  • 1928 Brücke Friedländer Straße, heute Chopinstraße, und Verlegung Eckartsbach (3. Bauabschnitt)
  • 1930 Passage der Weinau (4. Bauabschnitt)
  • 1931 Reißigmühle bis Friedländer Straße und Sicherung Viadukt (5. Bauabschnitt)
  • 1932 Grottauer Straße bis Reißigmühle und Anschluss Mandaulauf (6. Bauabschnitt)

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