merken
PLUS Löbau

Politik macht Hoffnung auf Bahn-Revival

Der Bund gibt mehr Geld, damit Strecken neu belebt werden können, wie von Löbau ins Oberland oder bei Seifhennersdorf. Was müssen die Gemeinden jetzt tun?

Karin Berndt am Haltepunkt des Trilex in Seifhennersdorf.
Karin Berndt am Haltepunkt des Trilex in Seifhennersdorf. © Archivfoto: tompic

Die Bundesregierung will die Reaktivierung von Bahnstrecken vorantreiben. Vor allem die Verbindungen in die Nachbarländer seien dabei ein wichtiges Thema. Das dürfte die wichtigste Botschaft gewesen sein, die Bürgermeister, Kreisräte und Tourismusvertreter aus dem Oberland und der Grenzregion zu Tschechien jetzt vom Bundestagsabgeordneten der Grünen, Stephan Kühn, gehört haben. Der Politiker hat sich auf seiner Sommertour mit Bahnstrecken in der Oberlausitz beschäftigt

Er wolle mit Menschen ins Gespräch kommen, die sich für den Erhalt kleiner Nebenstrecken einsetzen, erklärt er den Hintergrund seiner Rundreise. Und eben solche Nebenstrecken sind in den Oberlandgemeinden seit Jahren Thema. Es geht zum Beispiel um die Strecke Eibau - Seifhennersdorf - Varnsdorf oder um den Abschnitt Löbau - Ebersbach und weiter nach Tschechien. Sie werden derzeit nicht regelmäßig mit Zügen befahren, die Schienen sind aber noch vorhanden und intakt. Kühns Forderung: "Man muss sich die Strecken anschauen und deren Potenzial analysieren. Dann sollte eine Prioritätenliste erstellt werden, je nachdem, welche Strecken das meiste Potenzial haben." Eine solche Prioritätenliste gebe es bisher nicht, sagt Kühn. Das müsse schnell passieren. Wenn lange nichts getan wird, verschlechtert sich der Zustand und damit sinken auch die Chancen auf die Wiederbelebung einer Strecke, so der Grünen-Abgeordnete. Denn je länger sie brach liegen, umso mehr Geld müsste investiert werden, um die Strecken wieder auf Vordermann zu bringen. 

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Kühn ist sicher: "Die Rahmenbedingungen sind so gut wie nie." Der Bund wolle Gemeinden beim Ausbau der Infrastruktur mehr unterstützen. Bisher habe es ein Programm gegeben nur für Straßen und Maßnahmen in größeren Städten. Das sei auf eine Milliarde Euro jährlich erhöht worden, die der Bund für den Ausbau zur Verfügung stellt. Und: Die Reaktivierung von Eisenbahnstrecken außerhalb von Ballungsgebieten werde explizit aufgenommen und unterstützt. Zwischen Bund und Bahn gebe es außerdem jetzt eine Finanzierungsvereinbarung, erklärt Stephan Kühn. Die besagt, dass sich der Bund beteiligt, zum Beispiel bei Brücken, wenn die Bahn der jeweiligen Strecke entsprechende Bedeutung beimisst. 

Doch was wollen die Vertreter aus dem Oberland nun? Was könnten die Bahnstrecken bringen, wenn sie wieder in Betrieb gehen und wie stehen die Chancen dafür? 

Stephan Kühn (ganz links), Mitglied des Bundestags, besuchte die Oberlausitz und sah sich dabei unter anderem die Bahnstrecke am Obercunnersdorfer Bahnhof an. In Ebersbach fand er sich zu einer Diskussionsrunde mit Bürgermeisterin und anderen Vertretern a
Stephan Kühn (ganz links), Mitglied des Bundestags, besuchte die Oberlausitz und sah sich dabei unter anderem die Bahnstrecke am Obercunnersdorfer Bahnhof an. In Ebersbach fand er sich zu einer Diskussionsrunde mit Bürgermeisterin und anderen Vertretern a © Matthias Weber/photoweber.de

Verbindung nach Tschechien kann dem Tourismus helfen

Große Bedeutung haben für die Bahn-Befürworter im Oberland die Verbindungen ins tschechische Nachbarland. Sie setzen vor allem auf den Aufschwung für den Tourismus. "Der Anschluss an die Nationalparkbahn in Tschechien wäre ein Traum", sagt Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS). Die Nationalparkbahn ist ein wichtiges Projekt, bestätigt Jan Kolář, ihr Amtskollege im tschechischen Krasna Lipa (Schönlinde). "Sie wird rege genutzt." Dass die Eisenbahn im Tourismus eine wichtige Rolle spielt, davon ist auch Matthias Böhm überzeugt. Der Zittauer, der dort für die Grünen im Stadtrat sitzt, ist Gesellschafter eines privaten Eisenbahnunternehmens, der Nossen-Riesaer Eisenbahn. Die hat bereits zwei Strecken von der Deutschen Bahn übernommen. Böhm sagt: "Im touristischen Verkehr sind die Leute lieber mit der Bahn unterwegs, als auf der Straße. Da können sie zum Beispiel bequem das Fahrrad mitnehmen." Der Tag der Sachsen 2017 habe gezeigt, wie gut die Eisenbahnverbindungen angenommen werden - wenn es sie denn gibt. Damals fuhren Sonderzüge auf der Strecke Löbau - Ebersbach. Insgesamt 27 Verbindungen hatte es gegeben, ermittelte eine Zusammenfassung der Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf. Die Resonanz der Einwohner sei durchweg positiv gewesen. Ebersbach-Neugersdorf regte daraufhin an die Wiederinbetriebnahme in den Nahverkehrsplan aufzunehmen. Außer Gesprächen dazu ist bisher noch nichts passiert. 

Von Weißwasser bis nach Prag

Die Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf hat analysiert, welche Potenziale die Wiederbelebung der Strecke Löbau - Ebersbach und weiter bis Rumburk bieten würde.  Bisher enden die Regionalstrecken in Löbau. Würden Züge bis Ebersbach und über die Grenze hinweg nach Rumburk weiterfahren, wären sogar durchgehende Verbindungen bis in die tschechische Hauptstadt Prag möglich: so von Weißwasser über Görlitz, Löbau, Ebersbach und Rumburk bis Prag oder von Dresden über Bautzen, Löbau und Ebersbach weiter bis in die tschechische Hauptstadt. Die ländliche Region könnte dadurch attraktiver werden, zum Beispiel für Berufspendler. Die Oberlandstadt sieht als weiteren Vorzug: Die Kohleregion könnte an die Sächsische und Böhmische Schweiz angebunden werden.

Ökologische und ökonomische Gesichtspunkte

Zudem könne man mit einer Bahnverbindung im Schülerverkehr viel ökonomischer unterwegs sein, als bisher, sagt Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt. "Zwischen Seifhennersdorf und dem Oberland verkehren viele Busse." Diesen Verkehr könnte man weg von der Straße und auf die Schiene bringen. Krasna Lipas Bürgermeister Kolář plädiert dafür, auch die Umwelt-Vorzüge der Eisenbahn zu sehen. Die Menschen sollten das Auto auch mal stehen lassen, meint er. Dazu bräuchten sie aber ein Angebot an anderen Verkehrsmitteln. 

Wenn eine Analyse der Verkehrsströme zwischen Ebersbach, Rumburk und Bad Schandau vorliege, seien auch Vertreter der Region Usti und des Kreises Liberec bereit, sich damit auseinander zu setzen. Denn beispielsweise für den Abschnitt zwischen Ebersbach und Rumburk ist die Zusammenarbeit mit den Nachbarn unbedingt nötig. Von Rumburk fahren seit dem Lückenschluss zwischen Dolni Poustevna und Sebnitz vor einigen Jahren wieder Züge bis Bad Schandau und Decin (Tetschen). 

Neu bauen oder alte Strecke reaktivieren?

Inzwischen gibt es auch Studien zum Neubau einer Bahnstrecke zwischen Seifhennersdorf und Rumburk. Karin Berndt befürwortet zwar die Aktivitäten für den Bahnausbau. "Ich habe keine Vorbehalte gegen eine Neubaustrecke. Aber die bestehende Strecke zu reaktivieren, wäre doch schneller und realistischer", sagt die Seifhennersdorfer Bürgermeisterin. "Reparieren ist einfacher als sechs Kilometer neue Strecke zu bauen, noch dazu über die Grenze hinweg." 

Was jetzt folgen muss, sind Potenzialanalysen auch zusammen mit den tschechischen Nachbarn. Zu dem Schluss kommt die Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf. Dazu gehören auch Erhebungen, mit wie vielen Fahrgästen auf den Strecken zu rechnen ist.  Denn nur, wenn sich die Zugverbindungen auch lohnen, gibt es Geld dafür. Außerdem müssten sich die Orte gemeinsam auf einen Standpunkt zur Reaktivierung der Strecken einigen. 

Mehr Nachrichten aus Löbau und Oberland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Löbau