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„Zuse-Campus ist langwieriges Projekt“

Jörg Mühlberg soll dafür sorgen, dass die Lausitz ohne Kohle-Industrie nicht untergeht.

Jörg Mühlberg über die zukünftigen Entwicklungen.
Jörg Mühlberg über die zukünftigen Entwicklungen. © Foto: Mirko Kolodziej

Die Sächsische Agentur für Strukturentwicklung GmbH (SAS) des Landes Sachsen soll sich in der Lausitz und in Mitteldeutschland darum kümmern, die wirtschaftlichen Folgen des Kohleausstiegs bis 2038 abzufedern. Geschäftsführer ist der Tharandter Jörg Mühlberg. Der 59-Jährige hat in den letzten Tagen verschiedene Termine in Hoyerswerda gehabt.

Herr Mühlberg, welchen Eindruck haben Sie nach Ihren Gesprächen in Hoyerswerda davon, wie die Stadt auf den zweiten Strukturwandel vorbereitet ist?

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Ich habe den Eindruck, dass die Stadt sehr, sehr gut vorbereitet ist. Ich habe auch den Eindruck, dass sie sehr strukturiert vorgeht. Und was mich besonders beeindruckt hat: Die Zivilgesellschaft ist komplett eingebunden und involviert.

Inwiefern das?

Das heißt, dass es mehrere Kreise und Foren gibt, wo die Bürger sich mit ihren Vorstellungen sowie Ideen eingebracht haben und sich auch noch einbringen. Und das wird von möglichen Projektträgern aufgegriffen und weiterentwickelt.

Was muss die Stadt nach dem Beschluss des Strukturstärkungsgesetzes jetzt tun, damit hier „etwas wird“?

Es ist so angelegt, dass aus den Revieren die Vorschläge kommen. Das heißt, die Stadt kann mit eigenen Projektvorschlägen kommen. Es können aber auch Träger öffentlicher Belange ihre Projektvorschläge einreichen. Wir werden die Projekte dann gemeinsam qualifizieren. Wir prüfen ihre Konformität mit dem Strukturstärkungsgesetz und dann schlagen wir sie mit dem Land dem Bund vor. Und wenn wir den grünen Haken vom Bund haben, können diese Projekte realisiert werden.

Muss die Stadt warten, bis die Ausführungsbestimmungen vorliegen?

Das lässt sich sogar rückwirkend sagen: Sie muss nicht warten. Sie hat auch nicht gewartet. Es gibt die ersten Projektideen, für die wir gemeinsam mit Stadt und Freistaat in die Prüfung eingetreten sind.

Die größten Hoffnungen ruhen auf der Außenstelle der TU Dresden, dem Zuse-Campus. Wie liegt das momentan?

Es ist ein sehr komplexes und langwieriges Projekt. Wir werden dort mit Elementen des Multiprojektmanagements versuchen, mehrere Teilprojekte schnell zu realisieren, so dass da auch schnell etwas Konkretes greifbar ist. Aber insgesamt wird das ein Projekt sein, das vermutlich die gesamte Laufzeit des Strukturstärkungsgesetzes in Anspruch nehmen wird.

Da steht dann irgendwann ein Gebäude mit der Aufschrift „Zuse-Campus“, wo täglich Studenten ein- und ausgehen?

Wir gehen sehr strukturiert vor und sind jetzt bei einer Konzeptions- und Machbarkeitsstudie. Wir prüfen gerade, wie man sich das vorstellen kann. Es wird also konzipiert, wie ein Zuse-Campus aussehen und welche Fächer es geben wird oder welche Vernetzung mit der Wirtschaft möglich ist.Oder: Welche Räumlichkeiten braucht man? Es geht auch um angewandte Forschung. Also: Was kann man alles miteinander kombinieren? Und man muss das Budget beachten. Denn Hochschule liegt in Verantwortung des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Jetzt gibt es in Brandenburg für die Strukturentwicklung die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH, in Sachsen wegen der hier zwei Reviere die SAS. Ist eine institutionelle Kooperation drin?

Selbstverständlich. Ich war beispielsweise gerade gemeinsam mit meinem Kollegen Heiko Jahn von der Wirtschaftsregion Lausitz in Schwarze Pumpe. Wir werden sehr viele Projekte grenzübergreifend gemeinsam realisieren. Die Lausitz macht an einer politischen Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen nicht Halt, ebenso wenig gute Projekte. Im Übrigen liegt für mich die Lausitz in der Mitte Europas. Also auch der Blick über die Grenze zum polnischen Nachbarn, etwa zur Universität in Breslau, ist selbstverständlich richtig.

Es gibt ja hier im Zusammenhang mit dem Kohleausstieg jede Menge Ängste. Wie sehen Sie das?

Das sind berechtigte Ängste. Der Mensch lernt aus Erfahrungen. Und wir sprechen hier – auch ich habe eine Ost-Biografie – vom zweiten großen Strukturwandel nach 1990. Das ist eine Zeit, die tief im Bewusstsein der Menschen ist. Das heißt: Die Leute wissen, wovon wir reden. Darin liegt aber auch eine Riesen-Chance, dass es gelingt.Wie viel Prozent der Leute müssen mitmachen, dass es auch klappt?

Es werden alleine über die Vielzahl und die Interessantheit der Projekte so viele Leute mitmachen, dass der Strukturwandel definitiv gelingen wird.

Fragen: Mirko Kolodziej

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