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Linke sucht nach Erklärung für Wahl-Niederlage

Die Partei hat im Landkreis mehr als 8.000 Wähler verloren. Bundestagsabgeordneter André Hahn war in seiner Heimat noch am erfolgreichsten.

Von Gunnar Klehm
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Bundestagsabgeordneter André Hahn legte sich im Wahlkampf mächtig ins Zeug und war in fast allen Städten im Landkreis mindestens einmal präsent. Geholfen hat es wenig.
Bundestagsabgeordneter André Hahn legte sich im Wahlkampf mächtig ins Zeug und war in fast allen Städten im Landkreis mindestens einmal präsent. Geholfen hat es wenig. © Daniel Schäfer

Während die einen Parteien nach der gewonnenen Bundestagswahl munter miteinander Koalitionsgespräche führen, sind die anderen noch mit Wundenlecken beschäftigt. Zu den Verlierern gehört auch die Linkspartei, die nicht mal die Fünf-Prozent-Hürde überwunden hat, aber wegen dreier gewonnener Direktmandate in Berlin und Leipzig weiter im Bundestag vertreten ist.

Laut Wahlanalysen hat die Partei an alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien gegenüber der Wahl 2017 verloren. Es sind rund 100.000 Linke-Wähler mehr verstorben, als an jungen Neuwählern hinzugekommen sind. Besonders bitter dürfte aber sein, dass rund eine halbe Million Linke-Wähler von 2017 nicht mit abgestimmt haben. Aus dem Nichtwähler-Spektrum konnten aber nur 200.000 Wählerinnen und Wähler aktiviert werden.

Verlust von 8.000 Wählern im Landkreis

Zu der Niederlage hat auch beigetragen, dass sich die Wählerinnen und Wähler im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge scharenweise von der Partei verabschiedet haben. Dabei hatte Die Linke hier einen so intensiven Wahlkampf geführt wie keine andere Partei. Die Fraktionschefin im Bundestag, Amira Mohamed Ali, war zu mehreren Terminen vor Ort, Linken-Ikone Gregor Gysi kam zur Unterstützung Hahns ebenso wie die Ex-Partei-Vize Petra Pau. In fast jeder Stadt des Landkreises stand Hahn selbst für Bürgergespräche zur Verfügung. Geholfen hat das offenbar nichts. Oder man muss fragen: Wie wäre das Ergebnis ohne diesen Einsatz ausgefallen?

Den größten Stimmenanteil holte Die Linke mit 10,6 Prozent in der Gemeinde Gohrisch. Dort ist der Linken-Bundestagsabgeordnete André Hahn zu Hause. Das war allerdings die einzige Kommune, wo seine Partei ein zweistelliges Ergebnis erzielt hat. Am schwächsten hat Die Linke in Hartmannsdorf-Reichenau im Osterzgebirge abgeschnitten, wo lediglich auf 4,5 Prozent der Stimmzettel die Linkspartei bei den Zweitstimmen angekreuzt wurde.

Landkreisweit kam die Linkspartei nur noch auf 7,7 Prozent. Das sind mehr als fünf Prozent Verlust gegenüber 2017. In absoluten Zahlen ist das ein Schwund von rund 8.000 Wählerinnen und Wählern im Landkreis. Auch Hahn als Direktkandidat selbst büßte gegenüber der Bundestagswahl vor vier Jahren mehr als vier Prozent ein.

Mit einer Erklärung dafür tut sich die Partei auf Bundesebene weiterhin schwer. Einige schreiben es der schwindenden Kernkompetenz für Ostdeutschland zu. Andere sehen Ursachen im innerparteilichen Streit, etwa den Umgang mit einer der beliebtesten aber auch umstrittensten Politikerinnen der Partei, Sahra Wagenknecht, und deren Veröffentlichungen.

Kurz nach der Wahl erklärte Hahn, dass im Wahlkampf nichts auf diese Schlappe hingewiesen habe. Er war neben Klaus Brähmig, der dieses Mal als Parteiloser angetreten war, auch schon 2017 zur Bundestagswahl als Direktkandidat im Landkreis angetreten. Vor vier Jahren konnte Hahn noch 22.614 Wählerinnen und Wähler davon überzeugen, ihn zu wählen. Jetzt waren es nur noch 15.215.

Das bedeuteten aber immerhin noch glatt zehn Prozent der Erststimmen, also erheblich mehr, als die 7,7 Prozent, die seine Partei hier im Landkreis holte. Welche Posten der 58-Jährige zukünftig in der Bundestagsfraktion besetzen wird, könnte sich in den nächsten Tagen entscheiden, zur sogenannten Klausurtagung der Linke-Fraktion. Hahn ist seit 2013 Bundestagsabgeordneter.