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Die Kandidatin, die gegen Politiker hetzt

Unternehmerin Helga Queck aus Pirna will als unabhängige Bewerberin in den Bundestag. Manche ihrer Aussagen lesen sich wie eine Morddrohung.

Unternehmerin und Querdenken-Rednerin Helga Queck. "Die Schlinge um den Hals vieler Politiker zieht sich zu."
Unternehmerin und Querdenken-Rednerin Helga Queck. "Die Schlinge um den Hals vieler Politiker zieht sich zu." © Karl-Ludwig Oberthür

Die Pirnaerin Helga Queck ist als Betreiberin eines Freitaler Lebensmittelgeschäfts bekannt. Ihre politischen Ansichten waren dagegen bisher nur wenigen geläufig. Jetzt hat sie sich um das Direktmandat für den Bundestag im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge beworben.

Wer sie schon mal als Verkäuferin erlebt hat, die ihre handgemachten Nudeln auch mal in Form hübscher Puppen verkauft, könnte jetzt überrascht sein. So freundlich die gebürtige Vogtländerin auch den Kunden gegenüber ist: Die regierenden Politiker sind ihr verhasst.

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Auf ihrer Facebook-Seite schreibt sie über ein Foto mit Staatschefs der EU: "verlogene Bande". Wörtlich heißt es in einem Post: "Die Schlinge um den Hals vieler Politiker in der EU und in den Ländern zieht sich zu." Sie fabuliert über Messer-Flüchtlinge, das Ausrotten eines Volkes bis hin zu verkappten Morddrohungen gegen Politiker. Queck ist davon überzeugt, dass die Regierung alle Bürger "mit dem Vorspiegeln falscher Tatsachen in die Knie zwingen will". Wer auf die Gefahr des Coronavirus aufmerksam macht, den bepöbelt die 61-Jährige auf Facebook auch mal als "pandemische Schauspieler".

Unterschriften gesammelt

Insbesondere die politischen Entscheidungen in der Flüchtlings-Krise 2015 und erst recht bei Corona haben bei ihr dazu geführt, sich öffentlich zu Wort zu melden. Als sie den Entschluss gefasst hatte, für den Bundestag zu kandidieren, warb sie am 7. Juni dieses Jahres als Rednerin bei einer Kundgebung von "Querdenken 351" in Dresden darum, sie bei ihrer Kandidatur zu unterstützen. Dass sie eine Impfgegnerin ist, passt da ins Bild. "Ich bin doch kein Versuchskaninchen!", erklärt sie im Gespräch mit Sächsische.de. Eine Tetanus-Impfung lasse sie sich aber schon geben.

50 Unterschriften musste sie von Bewohnern des Landkreises sammeln, um zur Wahl am 26. September antreten zu können. Das hat funktioniert. "Ich hätte auch noch mehr bekommen, wenn es nötig gewesen wäre", sagt sie. Wegen der Corona-Einschränkungen wurde das Wahlgesetz geändert. Bisher wären mindestens 200 Unterschriften nötig gewesen. Die Änderung hat ihr zwar die Arbeit etwas erleichtert, dennoch wittert sie Kalkül dahinter. "Die Regierung will gezielt zusätzliche Leute ins Rennen schicken, um uns Kritiker zu schwächen", sagt sie. Mit ihren Parolen anzuecken, stört sie nicht. Im Gegenteil. Je größer der Widerstand, desto radikaler hält sie offensichtlich dagegen.

Gegen jegliche Parteilinie

Als Einzelkandidatin steht sie mit den Kandidaten der Parteien und einem weiteren Einzelbewerber in Konkurrenz. Sächsische.de fragte sie nach der AfD, die sich ebenso wie sie gegen Flüchtlinge und gegen die Corona-Politik positioniert. In Pirna hatte Queck einst den OB-Kandidaten Tim Lochner unterstützt, der mittlerweile der AfD-Fraktion im Stadtrat angehört. Betrogen habe sie sich gefühlt, als Frauke Petry gleich nach dem Gewinn des hiesigen Direktwahlkreises die AfD verlassen hat. Queck fühlt sich aber nach eigenen Worten in keiner Parteilinie wirklich aufgehoben.

Dass es bisher für alle Einzelkandidaten, die in den Bundestag wollten, dies ein aussichtsloses Unterfangen war, ist ihr egal. Ebenso, dass sich jetzt Menschen, die von ihrer politischen Überzeugung noch nichts wussten, von ihr abwenden könnten. Sie lasse sich von niemanden den Mund verbieten. Ihr Motto: "Wenn man was verändern will, muss man sich auch was trauen". Die Pirnaerin ist überzeugt, dass viele so denken wie sie, sich aber aus Angst vor der eigenen Courage nicht äußern.

Als Bundestagsabgeordnete würde sie sich für eine kontrollierte Einwanderung einsetzen sowie dafür, dass straffällige Flüchtlinge schneller ausgewiesen werden und eine Maskenpflicht für Kinder verhindert wird. Zugelassen ist sie als Bewerberin noch nicht. Am Freitag, 30. Juli, wird der Kreiswahlausschuss die Vorschläge und die Unterstützungsunterschriften prüfen und über eine Zulassung der Direktkandidaten entscheiden.

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