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Düst da ein Kampfjet über Herrnhut?

Anwohner waren am Mittwochmittag wie vom Donner gerührt, als ein Flugzeug tief über sie hinwegrauschte.

Ein Kampfjet vom Typ Tornado flog am Mittwoch sehr tief über die südliche Oberlausitz.
Ein Kampfjet vom Typ Tornado flog am Mittwoch sehr tief über die südliche Oberlausitz. © dpa

Kurz vor 11 Uhr am Mittwochmittag dröhnte der Himmel über Herrnhut. "Ich war gerade mit anderen Leuten auf dem Hutberg in Herrnhut, als wir von der Neiße her, aus Richtung Riesen- und Isergebirge, einen Düsenjet heranfliegen sahen", erzählt ein Herrnhuter der SZ. Das Flugzeug näherte sich mit enormer Geschwindigkeit und donnerte über Herrnhut und den Hutberg hinweg in Richtung Strahwalde und Berthelsdorf, wo es ebenfalls beobachtet worden ist. "Der Jet flog so tief, dass wir dachten, der fällt vom Himmel und rammt uns", sagt der Herrnhuter Augenzeuge.

Starr vor Schreck wegen des enormen Lärms, den das Flugzeug hinter sich herzog - haben viele Herrnhuter den Zwischenfall erlebt oder mindestens gehört - auch in Innenräumen bei geschlossenem Fenster. "Eine Mutter auf dem Hutberg hat ihrem Kind im Kinderwagen schnell noch die Ohren zugehalten", erzählt der SZ-Leser, der sich nun natürlich fragt, ob der Flug in so niedriger Höhe Absicht oder Versehen war.

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Es war Absicht, genauer gesagt "Routinetrainingsflugbetrieb", bestätigt ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr auf Nachfrage. Den Angaben zufolge habe es sich um ein Kampfflugzeug der Bundeswehr vom Typ Tornado gehandelt. Es überflog die Ortschaft Herrnhut um 10.56 Uhr in westlicher Richtung, gibt das Amt weiter an. Dabei flog das Kampfflugzeug in einer Höhe von rund 260 Metern über dem Grund mit einer Geschwindigkeit von 730 Kilometern pro Stunde. Zum Vergleich: Der Dresdner Fernsehturm misst 252 Meter, der Berliner 368 Meter.

Üblicher Trainingsflug der Bundeswehr

Grund zur Beanstandung der für die Herrnhuter äußerst ungewohnten Begegnung mit der Bundeswehr gebe es aber nicht: "Nach den uns vorliegenden Unterlagen erfolgte der Einsatz unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen", erklärt der Sprecher. Militärischer Übungsflugbetrieb ist von Montag bis Freitag zwischen 7 und 24 Uhr Ortszeit zulässig. An Wochenenden und gesetzlichen Feiertagen fliege man hingegen nicht. Warum man eine bestimmte Route für einen Trainingsflug auswählt, hänge von verschiedenen Faktoren ab, erklärt der Sprecher. Eine Rolle spielten beispielsweise Ausbildungsvorhaben der fliegenden Verbände, der technischen Verfügbarkeit der Luftfahrzeuge sowie der vorherrschenden Wetterverhältnisse in den jeweiligen Gebieten.

Ob dergleichen jetzt häufiger zu erwarten sei, dazu machte der Sprecher keine Angaben. Ein Dauerthema sind Tiefflüge bereits seit Längerem in der Sächsischen Schweiz und auch in Westsachsen. Vor allem auch beim Flug über Nationalparkgebiet und das Elbtal ist vielen Einwohnern besonders lästig, weil sie um die Attraktivität der Region für Touristen fürchten. Das sieht auch der vom Tornado-Flug überraschte Herrnhuter so: "Wenn so etwas stattfindet, sollte man es wenigstens ankündigen, aber für den Tourismus ist das generell schlecht", betont er.

  • Weitere Informationen zum militärischen Flugbetrieb sowie Ansprechstellen für Bürger sind auf der Internetseite www.luftfahrtamt.bundeswehr.de bereitgestellt.

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