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Oberlausitz: So finden Kunden schnell den besten Fahrpreis

Im Nahverkehr sind die verschiedenen Tarife auf die Schnelle kaum zu überblicken. Wie die Verkehrsverbünde für mehr Durchblick sorgen wollen.

Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius zeigt mehrere Informationsblätter zu den verschiedenen Tarifen, die der Verkehrsverbund anbietet. Per App will er nun für mehr Durchblick sorgen.
Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius zeigt mehrere Informationsblätter zu den verschiedenen Tarifen, die der Verkehrsverbund anbietet. Per App will er nun für mehr Durchblick sorgen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen. Aber mitunter auch schon vorher - nämlich über die Suche nach dem besten Fahrpreis.

Für eine Zugfahrt etwa von Bautzen nach Bischofswerda ist die Suche schnell erledigt, hier greift der Tarif des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon). Aber wenn das Fahrziel Dresden im benachbarten Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) heißt, geht der Wirrwarr schon los: Da gibt es das Katzensprung-Ticket der Länderbahn, den Tarif der Deutschen Bahn und das Sachsenticket.

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Damit nicht genug. Sowohl beim Zvon als auch beim VVO gibt es gesonderte Tarife für Berufspendler und Schüler, für Senioren und Fahrräder, Handy- und Online-Tickets und vieles mehr. Wer auf die Tabelle mit den Fahrpreisen schaut, sieht mehr als 50 verschiedene Angebote.

Kein Sparpreis für die Fahrt nach nebenan

Beim Weg durch den Tarifdschungel könnte das Internet helfen. Und tatsächlich gibt es auf der Seite www.bahn.de einen Sparpreisfinder. Der funktioniert hervorragend, wenn als Start etwa Bautzen und als Ziel beispielsweise Dortmund eingegeben wird. Da blättert der Preisfinder alle Verbindungen auf, von der preiswertesten bis zur teuersten. Und die Fahrt kann sofort auf dieser Seite gebucht werden.

Doch heißt das Reiseziel von Bautzen aus zum Beispiel Bischofswerda oder Dresden, dann kann www.bahn.de keinen Fahrpreis ermitteln. Weil dahin keine Fernzüge, sondern nur Nahverkehrszüge fahren. Und diese Option ist beim Sparpreisfinder der Bahn nicht vorgesehen. Hier sind die regionalen Verkehrsverbünde gefragt. Und sie kümmern sich auch - aber wie so oft auf verschiedenen Wegen.

VVO setzt auf Bestpreis-App aus der Schweiz

Der VVO hat zusammen mit den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) im Sommer 2020 die in der Schweiz entwickelte App Fairtiq eingeführt. Mehr als 11.000 Nutzer im VVO-Gebiet haben sie bereits heruntergeladen, sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper: "Wir sind mit der App sowie mit der Zusammenarbeit mit den Schweizer Entwicklern sehr zufrieden. Auch das Kunden-Feedback ist positiv."

Wer Fairtiq auf seinem Smartphone installiert hat, streicht beim Einsteigen in ein Verkehrsmittel einfach über die App, beim Aussteigen dann wieder. Den Fahrschein gibt's direkt auf das Display. Fairtiq ermittelt automatisch den günstigsten Preis für die zurückgelegte Strecke, und dieser wird vom Konto oder der Kreditkarte abgebucht.

Aber das Ganze funktioniert nur, wenn sich die Strecke innerhalb des VVO befindet. Ebenso bei Buslinien, die zwar ins Zvon-Gebiet führen, auf denen aber der VVO-Tarif gilt. Schlemper nennt als Beispiel, wenn jemand mit dem Bus von Hoyerswerda nach Königswartha fährt. Aber auf der Fahrt von Bautzen nach Hoyerswerda funktioniert es nicht, denn da gilt wiederum der Zvon-Tarif.

Zvon dockt am DB-Navigator an

In den vergangenen Monaten hat man nun beim Zvon überlegt, welcher Bestpreisfinder für die Fahrgäste in diesem Verkehrsverbund infrage kommt. Von drei Angeboten rangierte am Ende Fairtiq ganz vorn.

Trotzdem können sich die Zvon-Chefs für diese App nicht so recht erwärmen, und das vor allem aus drei Gründen: Fairtiq funktioniert nur, wenn an jeder Haltestelle mobiles Internet anliegt - was in Dresden der Fall ist, aber nicht in jedem Winkel der Oberlausitz. Außerdem ermittelt die App immer nur den günstigsten Preis für die jeweilige Einzelfahrt, nicht aber für Gruppen oder für Zeitkarten. Das aber will der Zvon - und bietet es auch schon an, wenngleich über einen Umweg.

Dieser Umweg ist der mobile DB-Navigator und somit der dritte und wichtigste Grund, der aus Zvon-Sicht gegen Fairtiq spricht. Wer die App DB-Navigator auf seinem Smartphone installiert hat, findet am unteren Ende des Displays einen Hinweis auf den Zvon. Anklicken, Startpunkt und Reiseziel eingeben - und die App sucht die nächsten Verbindungen raus und blättert die Liste an möglichen Fahrkarten auf, ob innerhalb des Verkehrsverbundes oder darüber hinaus. Auswählen, kaufen, fertig.

Seit dem 1. Mai dieses Jahres dockt der Zvon am DB-Navigator an - mit Erfolg, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Pfeiffer. Bisher haben mehr als 1.500 Fahrgäste Zvon-Tickets über den Navigator gekauft. Dieser sei, so Pfeiffer, "jetzt auf dem Weg, das führende Portal für ganz Deutschland zu werden. Fast alle Verkehrsverbünde nutzen ihn." Statt ein weiteres Portal wie Fairtiq anzubieten, will der Zvon "erstmal auf das setzen, was wir schon haben".

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