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Kommt die B178-Nordverlängerung?

Die Entscheidung über die Straße von der A4 durch das Biosphärenreservat zur A15 ist gefallen. So lautet sie und das sind die Gründe dafür.

Diese Trasse hat der Freistaat geprüft.
Diese Trasse hat der Freistaat geprüft. © Grafik: SZ/Gernot Grunwald

Auf direktem Weg vom Dreiländereck bei Zittau über die neue B178 bis zur A4 bei Weißenberg und dann über eine neu zu bauende Nordverlängerung der Bundesstraße weiter zur A15 bei Cottbus - so lautet der Wunsch, der aus dem Süden der Oberlausitz stammt und auch im Norden unterstützt wurde. Mit dieser Trasse würde die Lausitz wirtschaftlich gestärkt und besser an den Ballungsraum Berlin angebunden, heißen zwei Begründungen für den Wunsch. 

Der Freistaat Sachsen hat die Idee aufgegriffen und zwei Jahre geprüft, ob es Sinn macht, den Antrag auf den Neubau beim Bund zu stellen, und sich mit Brandenburg abgestimmt. Die Entscheidung lautet: Nein, der Antrag wird nicht gestellt. "Keine Chance", sagt Hartmut Mangold, Staatsekretär im sächsischen Verkehrsministerium. Zur Begründung verweist er auf das Ergebnis einer im April 2018 von seinem Haus in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie. Für sie wurde eine 72 Kilometer lange, kreuzungsfreie und zwei- bis dreispurige Trasse mit 13 Knotenpunkten von der A4 bis zur A15 untersucht. Um den Tagebau Nochten zu umgehen, würde sie 22 Kilometer auf der bestehenden, aber noch besser auszubauenden B156 verlaufen. Im Kern beschäftigt sich die Studie mit drei zentralen Fragen, die der Bund bei einem Antrag auf so einen Neubau beantwortet haben will. Das Ergebnis: "In der Gesamtschau der Belange Raumordnung, Umwelt, Verkehr und Wirtschaftlichkeit besteht für die Verlängerung der B178n in nördlicher Richtung keine Planrechtfertigung."

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Das sind die drei Fragen und die Antworten darauf:

Wird die Neubaustrecke gebraucht?

Die Machbarkeitsstudie sagt laut Mangold: nein. Zwischen der Grenze zu Polen und Bautzen gibt es in der Oberlausitz mit der B115, B156 und B96/B97 innerhalb von rund 50 Kilometern drei Nord-Süd-Bundesstraßen - die nicht ausgelastet sind. Durchschnittlich fahren auf sächsischen Bundesstraßen rund 8.000 Fahrzeuge am Tag. Auf den drei Oberlausitzer Strecken sind es zwischen 4.000 und 6.000. Ausnahmen bestätigen die Regel: So sind zum Beispiel auf der B115 zwischen A4 und dem Gewerbegebiet Kodersdorf täglich rund 9.000 Pkw und Laster unterwegs. 

Dazu kommt, dass die Straße zentrale Orte der Oberlausitz wie Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda nicht anbindet. Das ist laut der Studie auch gar nicht nötig, weil dafür die bestehenden Straßen ausreichen. Auch Wirtschaftsstandorte innerhalb der Oberlausitz verbindet sie laut der Machbarkeitsstudie nicht. Einzig auf der Strecke Weißwasser-Boxberg gäbe es deutliche positive Effekte. Darüber hinaus würden Weißwasser und einige andere Orte davon profitieren, dass weniger Autos durch die Gemeinden fahren. 

Welche Hindernisse versperren den Weg?

Viele. Eine direkte Nord-Trasse von Weißenberg zur A15 bei Cottbus würde das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und weitere Natur- und Landschaftsschutzgebiete queren und den Tagebau Nochten umgehen müssen. Im Prinzip sei die gesamte Strecke durch solche Hindernisse blockiert, sagt Mangold. Seiner Aussage zufolge hat das Bundesumweltministerium, das spätestens bei der Planung der Straße eingebunden wäre, bereits signalisiert, dass es dem Projekt nicht zustimmen würde.

Insgesamt müssten 270 Hektar Land versiegelt werden, um die Straße zu bauen. Deshalb kommt das Verkehrsministerium auf Basis der Studie zu dem Schluss: "Die mit dem Vorhaben verbundenen Umweltrisiken sind als sehr hoch einzuschätzen."

Wie ist das Kosten-/Nutzen-Verhältnis?

Schlecht. Die Nordverlängerung liegt den Berechnungen der Studie zufolge weit unter dem Kosten-/Nutzen-Wert, den der Bund für den Neubau einer Straße akzeptiert. Der Neubau würde - Stand heute - weit über 400 Millionen Euro kosten, aber nicht einmal ansatzweise einen so hohen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen. Da nützt es auch nichts, dass Sachsen und Brandenburg schon den möglichen Bedarf für Geld zum Bau der Straße bei den Bundes-Fördertöpfen für den Strukturwandel parallel zum Kohleausstieg angedeutet haben.

Auch die Zeitersparnis, die Autofahrer durch die neue Straße hätten, ist laut der Studie überschaubar.

Strecke                                                              Ersparnis

Zittau-Cottbus                                                 16 Minuten /15,98 Prozent

Weißenberg-Cottbus                                     16 Minuten / 21,0 Prozent

Zittau-Weißwasser                                          14 Minuten / 18,7 Prozent

Löbau-Weißwasser                                         13 Minuten / 25 Prozent

Löbau-Boxberg                                                 11 Minuten / 28,2 Prozent

Boxberg-A4 Grenzübergang Görlitz           8 Minuten / 20,5 Prozent

Weißwasser-Cottbus                                        8 Minuten / 20,5 Prozent

Weißwasser - Bautzen                                     5 Minuten / 10,9 Prozent

Weißwasser-Görlitz                                           4 Minuten /   8,0 Prozent

Weißwasser-Spremberg                                  2 Minuten/    3,8 Prozent


Der Freistaat konzentriert sich nun wieder darauf, die drei bestehenden Nord-Süd-Verbindungen schneller zu machen. So sollen zum Beispiel Umgehungen von Kodersdorf und Krauschwitz an der B115 und von Malschwitz an der B156 gebaut werden. An der B96/B97 zwischen Bautzen und Cottbus ist in den letzten Jahren schon viel passiert. So wurde nördlich von Bautzen ein Stück der B96 ausgebaut. Die Ostumgehung von Hoyerswerda ist noch keine zwei Jahre alt. Die Umfahrungen von Spremberg und Schwarze Pumpe gibt es schon fast zehn Jahre. Und die Nord-Süd-Verbindung B96/B97 beginnt keine zehn Autominuten westlich von Weißenberg, wo eines Tages die neue B178 auf die A4 treffen soll.

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