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"Unethisch": Kritik an Kretschmers Aussagen zu Afghanistan-Ortskräften

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will die Flüchtlingszahlen dringend verringern. Nun schlägt er vor, verfolgte Ortskräfte aus Afghanistan nicht mehr aufzunehmen. Doch diese Idee sorgt für Kritik.

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Sachsens Diakonie-Chef Dietrich Bauer kritisiert Aussagen von Ministerpräsident Kretschmer (CDU) zur Flüchtlingspolitik.
Sachsens Diakonie-Chef Dietrich Bauer kritisiert Aussagen von Ministerpräsident Kretschmer (CDU) zur Flüchtlingspolitik. © Bonß; dpa

Radebeul. Die Diakonie in Sachsen hält einen Aufnahmestopp für Ortskräfte der Bundeswehr aus Afghanistan für unethisch. Damit wandte sich die kirchliche Hilfsorganisation am Montag gegen Äußerungen von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der sich wiederholt für einen Stopp der Aufnahme von Ortskräften aus Afghanistan ausgesprochen. Der Politiker sagte der "Bild am Sonntag", es gehe "nicht nur allein ums Geld, sondern darum, dass die Anzahl der Menschen, die zu uns kommen, reduziert werden muss."

Zudem forderte Kretschmer Lösungen von der Bundesregierung bei einem Treffen mit den Ländern am 10. Mai. Eine Möglichkeit sei es demnach, das freiwillige Aufnahmeprogramm für die Ortskräfte zu stoppen. Bisher wurden etwa 30.000 Menschen aus Afghanistan in Deutschland aufgenommen, und die Bundesregierung hat über 44.000 Afghaninnen und Afghanen eine Aufnahme in Deutschland zugesagt.

Diakonie: Fatales Signal "Menschen seien nicht willkommen"

Die Diakonie kritisiert diese Aussagen als unchristlich: "Die Aufnahme ist nicht nur aus christlicher Sicht kein Gnadenakt, sondern eine Verpflichtung. Diese Menschen haben teilweise über viele Jahre für die westlichen Länder gearbeitet, die sich in den letzten Jahren für ein demokratisches Afghanistan sowie Menschen- und Frauenrechte eingesetzt haben", erklärte Diakonie-Chef Dietrich Bauer. Die Betroffenen würden nun in der Falle sitzen und seien der Verfolgung und Willkür der Taliban ausgeliefert.

"Mit solchen Forderungen wird eine falsche Botschaft an die Öffentlichkeit gesendet. Zum einen wird suggeriert, dass der Stopp freiwilliger Aufnahmeprogramme ein wirkungsvoller Hebel sei, um die Zahl der geflüchteten Menschen, die zu uns kommen, schnell zu verringern", argumentierte Bauer. Dabei betreffe das nur eine verschwindend geringe Anzahl von Menschen.

Zum anderen gehe davon das fatale Signal aus, "Menschen nicht-deutscher Herkunft seien in Sachen nicht willkommen – und das bei dem großen Fachkräfte- und Nachwuchsmangel". (dpa mit SZ/mxh)