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Sachsen

Protest gegen Kohleabbau in Dresden

Drei weitere Dörfer in Sachsen sollen der Braunkohle weichen - trotz Kohleausstieg. Dagegen gingen Betroffene in Dresden auf die Straße.

Demonstranten protestierten am Dienstag vor dem Landtag in Dresden gegen das Abbaggern weiterer Dörfer für die Braunkohleförderung.
Demonstranten protestierten am Dienstag vor dem Landtag in Dresden gegen das Abbaggern weiterer Dörfer für die Braunkohleförderung. © dpa-Zentralbild

Dresden. 260 Ortsschilder bedecken den Vorplatz des Landtags und bilden ein riesiges gelbes Kreuz. Jedes Einzelne steht für ein Dorf, das bereits für den Kohleabbau weichen mussten. Die drei verbliebenen Ortschaften Pödelwitz und Obertitz bei Leipzig, sowie Mühlrose in Ostsachsen, sind deshalb mehr zum Symbol der Bewegung geworden: Hinter der sich am Dienstagmittag - neben den Bewohner der Dörfer - ein breites Umwelt-Bündnis mit mehr als 50 Umweltaktivisten versammelt hat.

Zu dem Protest "Keine Kohle für die Kohle - Alle Dörfer bleiben!" hatte unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland aufgerufen. Trotz des vereinbarten Kohleausstieges bis 2038 gibt es für drei Dörfer noch keine endgültige Entwarnung. Im Koalitionsvertrag steht zwar, dass Pödelwitz erhalten werden soll: Eine rechtliche Handhabe gibt es dafür aber nicht.

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Bilder von Ortstafeln abgebaggerter Dörfer in der Lausitz und im Leipziger Land.
Bilder von Ortstafeln abgebaggerter Dörfer in der Lausitz und im Leipziger Land. © Sebastian Kahnert/dpa

Abseits der Demonstranten fand sich auch Staatssekretär Gerd Lippold (Grüne), der nicht nur anlässlich der Anhörung im Landtag zur Zukunft der Dörfer gekommen war. „Ich bin heute hier, um alte Freunde zu treffen, aber auch um Mut zu machen.“ Denn Lippold ist guter Dinge, dass der Wirtschaftsausschuss des Sächsischen Landtages nach dem Durchspielen aller Szenarien, selbst im Worst Case ein Wegbaggern der Dörfer nicht für nötig halten wird.

Andreas Bergner vom Regionalplanungsverband Leipzig-Westsachsen bestätigte die Angaben von Lippold zu Pödelwitz. Der jetzige Tagebau beinhalte noch etwa 160 Millionen Tonnen Braunkohle. Das Kraftwerk Lippendorf solle laut Planung noch 15 Jahre betrieben werden und benötige jährlich zehn Millionen Tonnen Kohle oder weniger. „Sobald es Rechtssicherheit gibt, kann auch endlich wieder in die Infrastruktur der Dörfer investiert werden“, erläutert Lippold und machte deutlich, dass hier niemand um eine höhere Entschädigung zocke. „Das sind alle Menschen, die an ihrer Heimat hängen.“

Diese Zuversicht war auch unter den Aktivisten zu spüren. Seit zwei Jahren engagiert sich Franziska Knauer für die Initiative "Alle Dörfer bleiben!" und wird immer zuversichtlicher, dass ihre Heimat Pödelwitz gerettet werden kann. „Vor allem durch die Klimabewegung spüren wir einen deutlichen Rückhalt, aber auch dadurch, dass immer deutlicher wird, dass Braunkohle nicht mehr notwendig und unrentabel ist.“

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Auch Vertreter des Parlamentes (Serbski Sejm) beteiligten sich an der Kundgebung. Ihr Siedlungsgebiet in der Lausitz ist besonders betroffen: Denn durch den Abbau von Braunkohle würden nicht nur CO2 freigesetzt und kulturelle Identitäten begraben, sondern auch das Wasser abgegraben. (SZ/mit dpa)

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