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Radeberg hat die erste Bücher-Kühlzelle

Das Projekt war wegen der Corona-Pandemie ins Stocken geraten. Da half die Brauerei mit einer ganz besonderen Box aus.

Kostenloser Lesestoff für alle: In Radeberg ist die erste Bücherzelle eröffnet worden. Die Idee stammt von Yvonne Koch (links).
Radebergs OB Gerhard Lemm (M.) hat sich für das Projekt eingesetzt, Radeberger-Geschäftsführer besorgte die Zelle.
Kostenloser Lesestoff für alle: In Radeberg ist die erste Bücherzelle eröffnet worden. Die Idee stammt von Yvonne Koch (links). Radebergs OB Gerhard Lemm (M.) hat sich für das Projekt eingesetzt, Radeberger-Geschäftsführer besorgte die Zelle. © René Meinig

Radeberg. Sie ist gelb, hat eine Glastür und ist bis zum Rand mit Romanen, Ratgebern und Bildbänden gefüllt: die erste Bücherzelle von Radeberg. Seit wenigen Tagen steht sie gegenüber des Edeka-Supermarktes an der Ecke Pulsnitzer Straße/Oberstraße. 

Schnell fällt auf, dass sie etwas schmaler ist als gewöhnliche Bücherzellen. „Das hat mit Corona zu tun. Wir wollten ja bekanntlich eine ausrangierte Telefonzelle aufstellen. Doch wegen der Pandemie verzögert sich die Auslieferung. Die Telekom musste die Aufarbeitung der alten Zellen in der Nähe von Potsdam herunterfahren. Es ist ungewiss, wann wir eine bekommen“, sagt Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD). 

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Deshalb jetzt die schmale Version. Es handelt sich um einen umfunktionierten Getränkekühlschrank der Radeberger Exportbierbrauerei. „Wir haben gehört, dass das Projekt wegen der fehlenden Telefonzelle nicht vorankommt. Da kam uns die Idee, diesen Kühlschrank zur Verfügung zustellen“, sagt Axel Frech, Geschäftsführer der Radeberger Brauerei. Er ist stabil, hält auch mal einen Regenschauer ab und durch die Glastür ist gut erkennbar, was sich darin befindet. „Die für den Kühlbetrieb notwendigen Aggregate wurden natürlich ausgebaut“, so der Brauereichef. Die Stadtverwaltung hat das Fundament anlegen lassen und die Firma SLH aus Großerkmannsdorf beklebte die Zelle mit Folien mit der Aufschrift „Radeberger Bücherzelle“.

"Richtige" Zelle wird später aufgestellt

Für Yvonne Koch geht damit ein langer Wunsch in Erfüllung. Sie hatte die Idee zu der „Mini-Bibliothek“ und trieb das Projekt auch über Monate voran. „Fast genau ein Jahr ist es her, dass ich mich mit dem Vorschlag an die Stadt gewandt habe. Mir sind die Bücherzellen in anderen Städten aufgefallen, dann dachte ich mir, auch Radeberg würde eine solche Zelle gut stehen“, sagt sie. 

Die Zustimmung war von Anfang an groß. Zunächst waren zwei Standorte im Gespräch, neben dem an der Pulsnitzer Straße einer am Marktplatz. Der Radeberger Stadtrat sprach sich dann mit großer Mehrheit für eine Aufstellung der Bücherzelle an der Oberstraße/Ecke Pulsnitzer Straße aus. Yvonne Koch war es auch, die kurz vor der Einweihung die Zelle mit Inhalt füllte. „Auf meinem Dachboden stehen etliche Kisten mit Büchern. Davon habe ich mir zwei geschnappt und alles was mir geeignet schien, hier ins Regal gestellt. Bei Bedarf kann ich auch noch nachliefern.“ Sie hofft aber, dass das Prinzip der Bücherzelle in Radeberg funktioniert: ein Buch rausnehmen, eins reinstellen.

Betreut wird die Zelle vom Regionalverband Radeberger Land der Arbeiterwohlfahrt (AWO). „Wir werden immer wieder schauen, ob noch alles intakt ist“, sagt Laszlo Balog von der AWO. Und sollten in der Zelle die Bücher einmal zur Neige gehen, dann kann auch die AWO für Nachschub sorgen. Auch wenn die „Bücher-Kühlzelle“ gut an die Oberstraße passt, sie soll nur eine Übergangslösung sein. Der OB rechnet damit, dass die richtige Zelle im Frühjahr nächsten Jahres aufgestellt werden kann. Die Stadt hat sich bereiterklärt, den Kaufpreis von rund 450 Euro plus Mehrwertsteuer zu übernehmen und die Kosten für den Transport zu übernehmen.

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