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Was die Sanierung des alten E-Werks kostet

Zunächst sind für ein einfaches Herrichten 1,75 Millionen Euro vonnöten. Für eine Vollsanierung muss die Stadt Radebeul noch einige Millionen Euro drauf legen.

Bei dem ehemaligen Elektrizitätswerk handelt es sich um ein industriegeschichtlich bedeutsames Denkmal. Es wurde 1895 erbaut und hat einst ein Gebiet von Sörnewitz bis Klotzsche mit Strom versorgt.
Bei dem ehemaligen Elektrizitätswerk handelt es sich um ein industriegeschichtlich bedeutsames Denkmal. Es wurde 1895 erbaut und hat einst ein Gebiet von Sörnewitz bis Klotzsche mit Strom versorgt. © René Plaul

Radebeul. Seit über anderthalb Jahren ist die Stadt Radebeul Eigentümer des alten Elektrizitätswerks. Für rund 700.000 Euro hat sie das Gebäudeensemble samt fast 25.000 Quadratmeter großen Flächen im Lößnitzgrund im Winter vorigen Jahres der Enso abgekauft. Nun steht die erste größere Investition an. Das Hallendach hat einen Schaden und muss repariert werden.

Nach dem Erwerb war Regenwasser durch das Dach der großen Halle eingedrungen. Daher steht eine grundhafte Reparatur an, wie Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) in einer Anfrage von Stadträtin Eva Oehmichen mitteilt. Das ist allerdings nicht der einzige Dachschaden am alten E-Werk. Beim sogenannten Haus C, ein Anbau aus Mitte der 1980er Jahre, wo sich einst ein Zeichenbüro befand, hat es ebenfalls reingeregnet. Auch hier muss die Dacheindeckung repariert werden.

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Das Hallendach wird nächstes Jahr saniert.

Neben diesen notwendigen Reparaturen stehen weitere kleinere Instandsetzungen an. So benötigt beispielsweise der Heizöltank der Heizungsanlage einen neuen Rostschutzanstrich. Zudem ist der Abriss des Schornsteins geplant. Im aktuellen Haushalt stehen für das E-Werk rund 470.000 Euro bereit. Die Dachsanierung werde derzeit planerisch vorbereitet und soll baulich im Jahr 2021 umgesetzt werden, teilte die Stadtverwaltung auf SZ-Anfrage mit.

Der Stadtratsfraktion Bürgerforum/Grüne/SPD möchte diese Investition nicht schmecken. Sie hätte das Vorhaben gern aus dem Etat gestrichen und stellte in der Haushaltsdebatte einen entsprechenden Antrag - ohne Erfolg. In ihrer schriftlichen Anfrage wollte Fraktionschefin Oehmichen vom OB wissen: „Warum erfolgten Bauzustandsaufnahmen, Bauzustandsanalysen und Nutzungsuntersuchungen erst nach Ankauf?“

Vollsanierung kostet fast 5,5 Millionen Euro.

In seiner Antwort entgegnete das Stadtoberhaupt: „Die Ihrer Frage zu Grunde liegende Annahme ist falsch.“ OB Wendsche verwies auf Unterlagen, die den Räten bei der Entscheidung zum Kauf des alten E-Werks vorlagen. So ist der Bauzustand beispielsweise im Gutachten zum Verkehrswert aufgeführt. Darüber hinaus waren in den Beschlussunterlagen eine Bauzustandsanalyse und eine erste Abschätzung zu notwendigen Investitionen enthalten. In den Papieren ist über die zweischiffige Halle folgendes zu lesen: „Der allgemeine Zustand ist relativ gut. Schäden gibt es im Dachbereich.“ So ist unter anderem die mittlere Traufe undicht.

Am dringendsten muss das Dach des Hallenbereichs saniert werden. Denn dieses ist undicht. Auch den Schornstein will die Stadt abreißen lassen.
Am dringendsten muss das Dach des Hallenbereichs saniert werden. Denn dieses ist undicht. Auch den Schornstein will die Stadt abreißen lassen. © René Plaul

Die Stadtratsfraktion Bürgerforum/Grüne/SPD war von Anfang an gegen den Erwerb des Gebäudekomplexes. Sie befürchtet das sich die Immobilie zu einem Fass ohne Boden entwickelt. Denn mit dem Kauf alleine ist es nicht getan. Die Stadt muss in die Renovierung und den Brandschutz investieren.

Wie aus der Anfrage Oehmichens hervorgeht, gibt es zwei Varianten für die langfristige Gesamtsanierung. Die erste sieht eine Gebäuderenovierung auf mittlerem Standard vor - Kostenpunkt nach jetziger Schätzung rund 3,4 Millionen Euro. Mit fast 5,5 Millionen Euro schlägt Variante zwei - eine komplexe, umfassende denkmalgetreue Vollsanierung - zu Buche. Bei diesen Summen handelt es sich noch um Zukunftsmusik. Denn die Gesamtsanierung ist laut OB Wendsche von langfristiger Art.

Stadt bringt im E-Werk ihre sämtlichen Lager unter.

Derzeit stehen das einfache Herrichten und der Funktionserhalt der Gebäude im Fokus, was insgesamt rund 1,75 Millionen Euro kostet. „In einem ersten Schritt sind die Dächer der Hallen zu ertüchtigen, um insbesondere die weitere Nutzung der Hallenbereiche zu sichern“, wie die Stadtverwaltung informierte.

In dem Gebäudekomplex haben bereits der Traditionsbahn Radebeul e.V. und der Modelleisenbahnclub Radebeul-Kötzschenbroda eine neue Heimat gefunden. Zudem will die Lößnitzstadt ihre sämtlichen Lager, wie zum Beispiel für den Katastrophenschutz, für Verkehrszeichen sowie Buden, Kulissen und anderen Utensilien für die städtischen Feste, an dem Standort konzentrieren. Für diese hätten in absehbarer Zeit neue Lagerbereiche geschaffen werden müssen. Durch die Übernahme des E-Werks spart die Stadt „die signifikant höheren Kosten für die Errichtung neuer Lagerkapazitäten sowie die Unterhaltungskosten der bisherigen diversen Lagerbereiche“, heißt es aus dem Rathaus.

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