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Per Traktor auf den Großglockner

Am höchsten Berg Österreichs findet jedes Jahr eine Traktor-WM statt. Ein Wachauer war zum vierten Mal dabei.

Daniel Lorenz mit dem familieneigenen Traktor, einem Deutz F1L 514, auf dem Ferienhof Oberreith. 2013 als Geburtstagsgeschenk für seinen Vater Dietmar gedacht, wird er von Familie Lorenz vielfältig genutzt, teilweise sogar als Rennwagen.
Daniel Lorenz mit dem familieneigenen Traktor, einem Deutz F1L 514, auf dem Ferienhof Oberreith. 2013 als Geburtstagsgeschenk für seinen Vater Dietmar gedacht, wird er von Familie Lorenz vielfältig genutzt, teilweise sogar als Rennwagen. © privat

Von Nick Rösler

Wachau. Mähen, pflügen, säen – ohne Traktoren geht nichts auf dem Land. Auf die Idee, mit ihnen Rennen zu fahren, kommen wohl die wenigsten. Kein Wunder, bei Tempo 25 Höchstgeschwindigkeit.

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Bei Daniel Lorenz aus Wachau ist das anders. Er ist gewissermaßen Traktor-Rennfahrer. Schon zum vierten Mal hat Lorenz an der Oldtimer-Traktor-WM in Bruck und Fusch in Österreich teilgenommen. In zwei Etappen geht es dabei auf den Großglockner. Zumindest fast. „Rennstrecke“ ist dabei die Hochalpenstraße. Wobei „Rennen“ nicht ganz stimmt. Sieger ist dabei nicht derjenige, welcher die Abschnitte am schnellsten bewältigt, sondern beide Teilstrecken in möglichst identischen Zeiten bewältigt. „Das ist gar nicht mal so einfach. Je höher man den Berg hinauffährt, desto geringer wird bekanntlich der Sauerstoffgehalt. Dadurch läuft die Verbrennung im Motor nicht mehr ganz so optimal und die Traktoren verlieren ein wenig an Leistung“, so Daniel Lorenz.

Zieleinlauf auf der Großglockner-Hochalpenstraße. Über 400 Traktoren nahmen dieses Jahr an der Oldtimer-WM teil.
Zieleinlauf auf der Großglockner-Hochalpenstraße. Über 400 Traktoren nahmen dieses Jahr an der Oldtimer-WM teil. © privat

Gewonnen hat er noch nie, aber das ist auch für die Teilnehmer nicht der Grund, sich jedes Jahr auf den Weg in die Alpen-Republik zu machen. „Es geht vielmehr um die gemeinsame Leidenschaft, wir haben ja alle das gleiche Hobby, die gleiche Macke. Es ist immer wieder ein unbeschreiblich schönes Gefühl, die individuellen und einzigartigen Trecker zu sehen, dazu noch im Hintergrund das Alpen-Panorama. Da geht einem das Herz auf.“

Die Weltmeisterschaft fand in diesem Jahr nach coronabedingter Pause nun schon zum 19. Mal in den österreichischen Alpen statt, und ist jedes Mal ein absolutes Highlight für Freunde alter Trecker.

Der Familienvater fand durch Zufall zu diesem besonderen Event, welches jährlich Hunderte Traktor-Begeisterte aus aller Welt anzieht. 2009 entdeckte er am Rande eines Urlaubs die Veranstaltung und sagte aus Scherz zu seiner Frau Yvonne, man könne sich doch später als Rentner einen Traktor zulegen und eines Tages selbst daran teilnehmen.

2013 dann, zum 60. Geburtstags seines Vaters, kam die Idee mit dem Traktor wieder auf. „Jeder gute Opa auf dem Dorf hat einen Traktor, haben wir uns damals gedacht“, sagt Lorenz. Und so schenkte die ganze Familie dem Großvater Dietmar Lorenz einen Traktor, welchen sie über das Internet fanden und kauften. Die Traktor-WM hatte Daniel Lorenz dabei schon wieder vergessen, der restaurierte Deutz F1L 514 Baujahr 1956 fand bei der Wachauer Familie so schon genug Verwendung.

Doch seine Frau erinnerte sich an den nicht ganz ernst gemeinten Spruch, und so gab es ein Jahr später zu Daniels 40. Geburtstag das nächste große Geschenk für die ganze Familie: eine Teilnahme an der Oldtimer Traktor-WM, verbunden mit einem schönen, gemeinsamen Urlaub in den Alpen. Es folgten zwei weitere Teilnahmen. Und das alles noch, anders als geplant, lange vor dem Renteneintritt.

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Auch dieses Jahr fand der kleine Deutz seinen Weg zum Großglockner. So ging es dann am Samstag von Ferleiten am Fuß des Großglockners bis zum Aussichtspunkt Fuschertörl in 2.428 Meter Höhe.

Weltmeister wurde Daniel Lorenz wieder nicht. Am Ende lag er auf Platz 251, immerhin solides Mittelfeld. „Ob 5. oder 500. ist eigentlich völlig egal, Spaß gemacht hat es auf jeden Fall. Es war wieder ein fantastisches Wochenende, wir haben einige tolle Menschen und Maschinen kennengelernt und einfach eine schöne Zeit gehabt“, so der 47-jährige Wachauer.

Einziger Wermutstropfen war der Wegfall der alljährlichen großen Party im Festzelt mit über 2.000 Gästen, welche Corona zum Opfer fiel. Doch die Familie Lorenz verlegte die Feierlichkeiten einfach in ihren Ferienhof Oberreith, wo es sie seit dem ersten Besuch immer wieder hin verschlägt.

Allein waren sie dabei nicht, „Familie und Freunde haben uns begleitet. Insgesamt waren wir 19 Leute und drei Traktoren. Manche waren bereits länger vor Ort, andere fuhren danach noch ein wenig weiter weg in den Urlaub nach Südtirol. Aber an diesem Wochenende haben wir uns alle Hunderte Kilometer von zu Hause entfernt getroffen und die Zeit zusammen genossen.“ Trotz der fehlenden großen Party war es für alle ein wunderschönes Wochenende, und laut Lorenz ist eines definitiv sicher: „Wir kommen wieder!“

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