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Glas aus Brockwitz

Torsten Rötzsch will im kommenden Jahr eine Werkstatt einrichten - jetzt zeigen er und Freunde Kunsthandwerk.

„Choreography“ hat Torsten Rötzsch diese Objekte genannt. Um sie herzustellen, „braucht es ein großes Team von vier bis sechs Leuten, die alle im richtigen Moment zusammenkommen, um dem Glas in einem Zug die endgültige Form zu geben“.
„Choreography“ hat Torsten Rötzsch diese Objekte genannt. Um sie herzustellen, „braucht es ein großes Team von vier bis sechs Leuten, die alle im richtigen Moment zusammenkommen, um dem Glas in einem Zug die endgültige Form zu geben“. © Gert Holland

Coswig. Von der Decke der ehemaligen Scheune hängt an zwei Seilen ein Fenster herunter. Das Glas zeigt ein ungewöhnliches Muster - filigrane, dunkle Linien auf durchsichtigem Grund und in der Mitte der so entstandenen Parallelogramme kleine, feine Blasen. Das sei Fadenglas - Reticella -, wie es seit dem 15. Jahrhundert in Venedig, genauer in Murano, hergestellt worden sei, erklärt Torsten Rötzsch. Dahinter steckt eine äußerst aufwendige Technik, bei der in durchsichtige Gläser farbige oder weiße Glasfäden eingeschmolzen werden, die, noch heiß, zu Mustern geformt werden.

So etwas könne man nur machen, wenn man nicht davon leben müsse, erklärt Torsten Rötzsch. Er konnte diese Technik und andere historische während seiner Anstellung als Glasmacher von 2008 bis 2017 in den Werkstätten des gut 60 Kilometer westlich von Hannover gelegenen Industriemuseums „Glashütte Gernheim“ ausprobieren. Gelernt hat Torsten Rötzsch, der 1982 in Dresden geboren und in Brockwitz aufgewachsen ist, von 2002 bis 2005 an der Glasfachschule Zwiesel im Bayerischen Wald. Dort hat er auch von 2017 bis 2019 als Glasmacher gearbeitet, bevor er sich als Glasgestalter selbstständig gemacht hat und im Juli zurück nach Brockwitz gekommen ist. Hier auf dem Dreiseithof der Familie steht die Scheune, die einmal die Werkstatt beherbergen soll.

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Reiz der Vielfalt

Der Bau allerdings, im Januar soll es losgehen, wird kein Pappenstiel. Denn die Werkstatt wird alles haben, was eine richtige Glasmacherwerkstatt braucht - von verschieden Öfen bis hin zu Maschinen, etwa zum Schleifen. Deshalb muss auch eine Brandschutzverkleidung in die ehemalige Scheune eingebaut werden. Das alles will Torsten Rötzsch mit einem Darlehen der größten deutschen Förderbank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, finanzieren.

Nach 15 Jahren Arbeit in Anstellungsverhältnissen sei für ihn die Zeit der Selbstständigkeit gekommen, sagt Torsten Rötzsch. Dabei soll die Werkstatt offen sein, sodass ihm Interessierte bei der Arbeit über die Schulter schauen könnten. „Ich werde das mit meiner Frau zusammen machen“, sagt der 38-Jährige. „Wir sind uns in der Glaswelt begegnet“ - hat sie doch in der estnischen Hauptstadt Tallin Glaskunst studiert.

Doch nicht nur über das Praktisch-Handwerkliche hat Torsten Rötzsch Kenntnisse und Können entwickelt. Er hat an vielen Ausstellungen und Wettbewerben teilgenommen. Er hat in halb Europa ausgestellt, aber quasi auch zu Hause, nämlich 2017 im Coswiger Stadtmuseum Karrasburg mit der Einzelausstellung „Gläserne Prozesse“. Glasobjekte wie das Fenster mit venezianischem Glas sind aber nur ein Teil der Glaswelt von Torsten Rötzsch. Er stellt Gebrauchsglas her - alles, was auf den gedeckten Tisch kommt -, von Trinkbechern über Schüsseln bis hin zu Weingläsern. Viele Stücke sind Auftragsarbeiten. Und auch hier orientiert er sich gern an historischen Vorlagen - „schon die Römer haben unglaublich filigrane Gläser hergestellt“.

Torsten Rötzsch sagt, dass ihn die Vielfalt dessen, was mit Glas möglich ist, reizt. Und so sieht er sich als Probierenden. In der Schalenserie „Üben“ kommt das zum Ausdruck. „Der Titel ist Programm: Ich habe angefangen, weil ich die Form üben wollte. Eine halbrunde Schale zu formen, die eine durchgehend spannende Form hat, dabei nicht zu dickwandig wird, ist eine schöne Herausforderung als Glasmacher.“

Arbeiten von Torsten Rötzsch sind jetzt noch zwei Tage in Brockwitz zu bewundern und auch zu kaufen. Gemeinsam mit drei befreundeten Künstlern hat er in der Scheune, die einmal die Werkstatt werden soll, eine Ausstellung aufgebaut. Unter dem Motto „Vor Freude“ werden nicht nur seine Gläser, sondern auch Kunsthandwerk aus Papier und Textilien präsentiert. Gert Holland, ebenfalls aus Brockwitz, zeigt sowohl Schmuck als auch Fotografien. Und Carsten Schanze aus Coswig arbeitet mit Wildholz. Er montiert Gestelle - etwa von einer alten Werkbank - mit Holztafeln und stellt so Tische her.

„Vor Freude“, Dresdner Straße 186 in 01640 Coswig, Ortsteil Brockwitz, Freitag, 14 bis 18 Uhr, Sonnabend, 10 bis 18 Uhr, Telefon 0152 53070406

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