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Grippeschutz mit stärkerem Wirkstoff

Im letzten Winter ist die normale Grippe de facto ausgefallen. Soll man sich jetzt impfen lassen? Wo geht das im Kreis Meißen?

Von Sandro Rahrisch & Peter Redlich
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Der neue Hochdosis-Impfstoff „Efluelda“ wird von der Ständigen Impfkommission für alle Menschen ab 60 Jahren empfohlen.
Der neue Hochdosis-Impfstoff „Efluelda“ wird von der Ständigen Impfkommission für alle Menschen ab 60 Jahren empfohlen. © Fredrik Von Erichsen / dpa

Meißen/Radebeul/Riesa/Großenhain. Jetzt im Oktober und November ist Impfzeit für den Grippeschutz. Der Körper muss darauf reagieren und Abwehrkräfte bilden. Doch ist diese Impfung überhaupt nötig, nachdem die letzte Grippewelle regelrecht ausgefallen ist? Und kann es dem Körper nicht sogar schaden, wenn er sich bereits mit dem Corona-Vakzin auseinandersetzen muss?

Sind schon Bürger im Landkreis Meißen an der Grippe erkrankt?

Am 30. September erhielt das Gesundheitsamt in Meißen eine Influenza-Meldung, heißt es aus dem Landratsamt. Von Oktober 2020 bis Januar 2021 gingen drei Meldungen zu Influenza im Gesundheitsamt ein. Das Robert-Koch-Institut (RKI) definiert als Influenzasaison den Zeitraum zwischen der 40. Kalenderwoche (Anfang Oktober) und der 20. Kalenderwoche (Mitte Mai) des Folgejahres. In den vorherigen Jahren wurden bis 2019 etwa 800 bis 1.000 Influenza-Fälle jährlich gemeldet.

Sollten sich die Menschen im Landkreis impfen lassen?

Die Sächsische Impfkommission empfiehlt die Grippeschutzimpfung generell Menschen aller Altersgruppen. Die Ständige Impfkommission am RKI rät vor allem Risikogruppen zu einer Impfung. In diesem Jahr ist der Appell der Ärzte besonders laut. Befürchtet wird, dass sich nach einer äußerst schwachen Grippe-Saison 2020/21 dieses Jahr wieder mehr Menschen anstecken, da es diesmal keinen Lockdown gibt, der Infektionen effektiv verhindert. Zusammen mit der vierten Corona-Welle könnten die Krankenhäuser in ähnliche Schwierigkeiten geraten wie zur zweiten Corona-Welle im vergangenen Winter, so die Befürchtung.

„Ich würde in diesem Jahr eine großzügige Impfung gegen Grippe empfehlen“, sagt Antje Nordwig, Leitende Oberärztin und Kinder-Pneumologin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Dresden. „Wir erwarten hier ähnlich wie bei dem RS-Virus eine größere Verbreitung, und Kinder bringen die Viren aus Schule und Kita mit.“ Entsprechend den Empfehlungen des RKI sollten Kinder ab sechs Monaten mit kardiologischen, pneumologischen und neurologischen Vorerkrankungen sowie Kinder, die als Kontaktpersonen im selben Haushalt lebende Risikopersonen gefährden können, gegen die saisonale Grippe geimpft werden.

Wird im Gesundheitsamt Meißen – wie in vorherigen Jahren – wieder gegen Grippe geimpft?

Die Grippeimpfung im Gesundheitsamt erfolgt nach telefonischer Anmeldung, vorzugsweise dienstags zwischen 14 Uhr und 17.45 Uhr, sowie nach Vereinbarung. Telefonnummern und Ansprechpartner sind unter https://www.kreis-meissen.org/115.html zu finden.

Üblicherweise lassen sich die Bürger beim Hausarzt für den Grippeschutz impfen. Eine Schnellumfrage in Radebeul, Coswig und Moritzburg ergab, dass bereits ein Teil der Ärzte impft. Eine Radebeuler Hausärztin bekommt den Impfstoff erst Anfang November. Es ist der stärke Impfstoff, der gegen vier Virenstämme wirken soll. In der Praxis heißt es, das die Information laute, dass mit einer Influenza-Welle möglicherweise im Januar zu rechnen sei. Dazu komme die Impfung im November genau richtig.

Ist genügend Impfstoff vorhanden? Welcher Impfstoff ist es 2021?

Der Hochdosis-Impfstoff Efluelda. Er wird von der Stiko für alle Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat einen entsprechenden Beschluss vorgenommen. Er ist damit der Empfehlung gefolgt. Efluelda ist der erste und einzige tetravalente Hochdosis-Influenza-Impfstoff. Was bedeutet das? Dieser neue Impfstoff enthält die vierfache Antigenmenge im Vergleich zu dem standarddosierten Influenza-Impfstoff. Er wurde speziell zur Verbesserung des Impfschutzes für ältere Menschen entwickelt. Ab der Saison 2021/2022 soll der Hochdosis-Impfstoff als Standard für Menschen über 60 Jahren gelten. So soll ein besserer Schutz für weniger Erkrankungen sorgen.

Efluelda ist ein Impfstoff, der gleich vor vier verschiedenen Grippevirus-Stämmen schützt. Er enthält darüber hinaus die vierfache Antigenmenge im Vergleich zu dem standarddosierten Influenza-Impfstoff. Der Impfstoff wurde speziell zur Verbesserung des Impfschutzes für ältere Menschen entwickelt.

Die Hausärzte bestellen ihre Impfstoffe jeweils bei Apotheken und bestimmen nach ihren Erfahrungen, wie viele Dosen sie brauchen.

Gibt es im Gesundheitsamt Meißen schon Erfahrungen mit dem neuen Impfstoff?

Bis zu dieser Woche haben insgesamt 64 Bürger eine Grippeimpfung im Gesundheitsamt Meißen erhalten. „Derzeit wird im Gesundheitsamt ausschließlich der Standard-Grippeimpfstoff gegeben, sodass wir aus unserer Erfahrung heraus keine Aussage zu Nebenwirkungen des Hochdosis-Impfstoffes treffen können“, heißt es vom Landratsamt. Verdachtsfälle von Impfkomplikationen im Zusammenhang mit dem Hochdosis-Grippeimpfstoff wurden uns bislang ebenfalls nicht gemeldet. Informationen zu möglichen Nebenwirkungen sind beispielsweise auf der Internetseite des Robert-Koch-Institutes zu finden.

Verträgt der Körper Corona- und Grippeschutzimpfung?

Im Prinzip können sich Patienten gegen Corona und Influenza an ein und demselben Tag impfen lassen, sagt Klaus Lorenzen, Allgemeinarzt in Langebrück. Medizinisch spreche nichts dagegen. Ein zeitlicher Abstand sei nicht nötig. Gerade in der Reisemedizin sei es üblich, dass Vakzine gegen Gelbfieber, die Japanische Enzephalitis, Typhus, Cholera oder Hepatitis oft an einem Tag verabreicht werden. Nur der Oberarmmuskel sollte das mitmachen, weshalb es sich empfiehlt, die Impfungen auf beide Arme zu verteilen, so Lorenzen.

Wie wird die Influenza übertragen?

„Influenza ist sehr ansteckend. Beim Niesen, Husten oder Sprechen gelangen kleinste, virushaltige Tröpfchen des Nasen-Rachen-Sekrets von Erkrankten in die Luft und können von anderen Menschen in der Nähe eingeatmet werden“, so das Dresdner Gesundheitsamt. Auch über die Hände würden die Viren weitergereicht, wenn diese mit virushaltigen Sekreten in Kontakt gekommen sind. Werden anschließend Mund, Nase oder Augen berührt, können die Viren über die Schleimhäute in den Körper eindringen.

Wie lassen sich Influenza, Erkältung und Corona unterscheiden?

Die Symptome der Influenza lassen sich gut von denen einer Erkältung unterscheiden, die Symptomatik von Influenza und Covid-19 ähnele sich dagegen stark, so das Gesundheitsamt. Influenza zeichnet sich über eine Infektion der unteren Atemwege aus. Bronchitis und Lungenentzündung sind möglich. Darüber hinaus gehört hohes Fieber zu den häufigsten Symptomen. Oft beginnt eine Influenza sehr plötzlich mit einem starken Abgeschlagenheitsgefühl, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Fieber.

Erkältungen würden dagegen von anderen Erregern verursacht. Der Verlauf sei milder, oftmals ohne Fieber und allgemeines Schwächegefühl. Die Symptome treten weniger plötzlich auf als bei der echten Grippe. Niesen und eine laufende oder verstopfte Nase seien typisch. Der grippale Infekt erfordere keine Einweisung ins Krankenhaus. Gegen eine Erkältung kann nicht geimpft werden. Fieber und andere Symptome treten bei Covid-19 weniger plötzlich auf als bei Influenza, können aber auch zu den Krankheitszeichen gehören, genauso wie allgemeine Schwäche. Niesen und eine laufende Nase seien seltener als bei einer Erkältung. Typisch für eine Corona-Infektion sei dagegen ein Geruchs- und Geschmacksverlust.