merken
PLUS Radebeul

Im Fahrstuhl eingeschlossen

Eine Radebeulerin war fast eine Stunde im Aufzug des Ärztehauses gefangen und stellt jetzt Fragen. Die Antworten fallen unterschiedlich aus.

In der Zeit von 2005 bis 2007 wurde das Ärztehaus Radebeul saniert, umgebaut und erweitert. Den Fahrstuhl im Gebäude gibt es offenbar schon länger.
In der Zeit von 2005 bis 2007 wurde das Ärztehaus Radebeul saniert, umgebaut und erweitert. Den Fahrstuhl im Gebäude gibt es offenbar schon länger. © Norbert Millauer

Radebeul. Kein schönes Erlebnis. Eine Radebeulerin (Name der Redaktion bekannt) schreibt der SZ, dass sie fast eine Stunde im Fahrstuhl des Ärztehauses Medicum an der Borstraße 30 eingeschlossen war. Passiert ist das am 29. April, circa 14.15 Uhr, schreibt die Frau.

Sie schildert: „Die Klingeltaste, die man im Notfall betätigen soll, erwies sich vorerst als unbrauchbar, denn es meldete sich niemand. Ich hörte zwar Durchwahltöne, aber danach trat Stille ein. Dann habe ich es Dauerklingeln lassen und irgendwann meldete sich eine Stimme. Auf mein SOS sagte man mir, ich möge doch Geduld haben, es dauert 20 Minuten, bis jemand kommt. Dabei war ich schon 15 Minuten ‚eingesperrt‘. Die Warterei ging weiter und nichts tat sich, also wieder Dauerklingeln. Die Frauenstimme meldete sich erneut und auf meinen Frust hin entschuldigte sie sich und sagte, sie könnte leider auch nichts ausrichten, die Meldung sei rausgegangen und ich müsste weiter warten. Endlich circa 15.15 Uhr bewegte sich auf einmal der Fahrstuhl nach unten und -1 wurde angezeigt. Allerdings öffnete sich die Tür nicht. Danach fuhr er zurück ins EG - und oh Wunder, die Tür ging auf. “

Anzeige
Ab auf den Grill!
Ab auf den Grill!

Klicken Sie hier und entdecken News, Tipps und Ideen zum sommerlichen Grillvergnügen in der Grillwelt von Sächsische.de!

Die Frau ist gehbehindert und benutze öfters den Fahrstuhl im Ärztehaus. Der Aufzug mit den großen blauen Türen muss Patienten lediglich eine Etage höher transportieren. Auf dem Firmen- und Herstellerschild steht, dass er von VEB Sächsicher Brücken- und Stahlhochbau Dresden hergestellt wurde, im Jahr 1984. 2011 hat ihn die Dresdner Firma SBS Bühnentechnik modernisiert. Das TÜV-Süd-Schild wurde offenbar gerade erneuert mit dem Prüfmonat Mai 2021.

Kann man so was Patienten zumuten?

Die betroffene Radebeulerin schreibt weiter: „Auf mein Schimpfen wegen der langen Wartezeit sagte man mir, sie seien (der eine - Haustechniker aus Coswig - und der andere wohl der Fahrstuhlmonteur - aus Dresden) nach Anruf sofort losgefahren, schneller ginge das nicht und Wartezeit sei normal. In meinem Fall waren es aber (statt der angekündigten 20 Minuten) 50 Minuten. Und sie fragt: Kann man so etwas Patienten zumuten? Ich sah schon oft, wie ältere Menschen mit zwei Stöcken und in Begleitung den Fahrstuhl benutzten. Wie sollen die ohne jegliche Sitzgelegenheit eine so lange Zeit überstehen? Abgesehen vom Bestelltermin, der dann auch nicht eingehalten werden kann. Oder was geschieht bei einem Notfall, wenn im havarierten Fahrstuhl jemand in Ohnmacht fällt? Könnte man sich nicht mit den Elblandkliniken verbünden? Dort ist ganz sicher ein Pannendienst vor Ort, denn frisch Operierte oder in Lebensgefahr Schwebende, die vom oder zum OP-Saal gefahren werden, wird man wohl kaum 50 Minuten in einem steckengebliebenen Fahrstuhl zumuten können.“

Das Ärztehaus befindet sich im Besitz einer Eigentümergemeinschaft. Aus deren Reihen verweist man an die Hausverwaltung für das Ärztehaus. Das ist die Dresdner MF Verwaltung von Immobilien GmbH. Von dort gibt es auf Nachfrage der SZ nur die Antwort: „Wir geben dazu keine Auskunft. Die Frau kann sich an uns wenden.“ Auskunftsfreudiger sind die Elblandkliniken. Pressesprecherin Sylvia Dirscherl sagt, dass es im benachbarten Krankenhaus Technikmitarbeiter gibt, die speziell für die Fahrstühle der Klinik geschult sind und eine Notöffnung im Störfall hinkriegen. Auf der Internetseite des Ärztehauses steht zwar: „Das Ärztehaus befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Elblandkliniken Radebeul. Zwischen beiden Einrichtungen besteht seit vielen Jahren eine enge Kooperation.“ Aber das betrifft offenbar zuerst Patienten und Behandlungen, nicht die Technik. Sylvia Dirscherl: „Das muss fürs Ärztehaus die zuständige Wartungsfirma machen. Schließlich hängen daran, passend zum Fabrikat des Fahrstuhls, Schulungen und Versicherungen.“

Anzustreben sei eine halbe Stunde

Generelle Auskünfte bekommt die SZ noch von der hiesigen Firma Dresdner Aufzugsdienst GmbH. Von deren Serviceleiter heißt es, die Vorschrift besage, dass in angemessener Zeit Hilfe vor Ort am Fahrstuhl sein solle, anzustreben sei eine halbe Stunde. Ein Fahrstuhl müsse jedes Jahr überprüft werden, aller zwei Jahre in einer großen Revision. Allerdings, so der Serviceleiter, sollte beachtet werden, wie oft ein Fahrstuhl genutzt werde - gerade bei einem Ärztehaus wäre das wahrscheinlich viel öfter als in einem Wohnhaus und deshalb auch zwischendurch eine Sicht auf die Technik anzuraten.

Weiterführende Artikel

Neuer Chef für die Elblandkliniken

Neuer Chef für die Elblandkliniken

Rainer Zugehör hat die Aufgabe in einer herausfordernden Zeit übernommen. Er bringt einen großen Vorteil mit.

Weniger Geburten in den Elblandkliniken

Weniger Geburten in den Elblandkliniken

In den beiden Geburtenstationen in Meißen und Riesa war 2020 weniger Betrieb. Das hat wohl auch mit der Wende zu tun.

Zu dem Fall der eingeschlossenen Radebeuler Rentnerin konnte die Dresdner Wartungsfirma zwar nichts Konkretes sagen, weil sie für diesen Fahrstuhl keinen Auftrag hat. Lediglich so viel: Für das Nichtöffnen der Tür kann es mehrere Ursachen geben - ein defekter Türmotor, eine defekte Verriegelung und noch anderes.

Mehr zum Thema Radebeul