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Aggressive Stimmung beim Montagsprotest in Radebeul

Am Montagabend trafen am Rathaus Corona-Protestler und Gegendemonstranten aufeinander. Es gab keine Gewalt. Doch der Ton wird rauer.

Von Silvio Kuhnert
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Auf der Pestalozzistraße vor dem Historischen Rathaus versammelten sich in Radebeul "Spaziergänger" und Gegendemonstranten.
Auf der Pestalozzistraße vor dem Historischen Rathaus versammelten sich in Radebeul "Spaziergänger" und Gegendemonstranten. © xcitepress/Finn Becker

Radebeul. Als das Sandmännchen im Fernsehen am Montagabend zu sehen war, strömten erneut Menschen auf den Vorplatz des Kultur-Bahnhofs sowie auf die Sidonienstraße in Radebeul. In vielen Grüppchen standen sie, bis der Zeitmesser am Bahnhofsgebäude 19 Uhr anzeigte. Auf einmal setzte sich die Personengruppe in Bewegung. Es war still, es gab keine Rufe, keine Transparente, keine Parolen. Manche hatten Kerzen in der Hand.

Die Menschen liefen die Hauptstraße hinauf in Richtung Meißner Straße. Beim Gebäudekomplex "Vier Jahreszeiten" bogen sie nach links ab, gingen weiter an der Hauptverkehrsader gen Westen entlang. In den Wochen zuvor führte sie ihr sogenannter "Spaziergang" über die Schildenstraße bis zum Rathaus, wo sie ihre Kerzen vor der Hauptpforte des Historischen Rathauses abstellten. Doch dieses Mal trennte sich der Tross. Ein Teil ging die gewohnte Route zum Sitz der Stadtverwaltung, andere verschlug es dieses Mal zur Lutherkirche, wo sie vor der Kirchentür ihre Lichter abstellten.

Rund 1.100 Corona-Protestler

Wie die Polizei mitteilte, folgten die "Spaziergänger" erneut Aufrufen über soziale Netzwerke, um gegen die Sächsische Corona-Verordnung zu protestieren. Nach Schätzung der Beamten nahmen etwa 1.100 Personen an der illegalen Versammlung teil.

Auf der Pestalozzistraße vor dem Rathaus sind die Corona-Protestler zum dritten Mal in Folge nicht allein. Auch an diesem Montag formierte sich am öffentlichen Rathaus-Parkplatz Gegenprotest. Unter dem Motto "Pandemieleugnern, Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern nicht den öffentlichen Raum überlassen" hatten linke Aktivisten zwei Versammlungen angemeldet. In sozialen Netzwerken riefen Linksjugend Radebeul und Riesa zur Teilnahme auf. Ein paar Teilnehmer schwenkten Antifa-Fahnen.

Im Gegensatz zu den beiden Montagen zuvor war der Parkplatz für die Versammlung abgesperrt worden. Verkehrsbaken trennten den Stellplatzbereich vom Fußweg. An den Eingängen waren Polizisten postiert.

Beleidigungen unter der Gürtellinie

Vor einer Woche gab es ein anderes Bild. Beamte waren kaum zu sehen. Als am 3. Januar 2022 die "Spaziergänger" an der angemeldeten Versammlung vorbeiliefen, wurden diese mit linken Parolen begrüßt. "Nazis", "Faschistenpack" und andere Worte fielen. Das wollten sich nicht alle Protestierer gegen die Corona-Maßnahmen gefallen lassen. Einige bauten sich bedrohlich um die linken Demonstranten auf. Es kam zu Wortgefechten und hitzigen Diskussionen. Eine Anspannung hing in der Luft, mitunter schien die Situation kurz vor einer Eskalation zu stehen. Es blieb aber friedlich.

Dieses Mal waren mehr Beamte in blauer Uniform vor Ort. Wie die Polizei mitteilte, sicherten Einsatzbeamte die angezeigten Versammlungen des Gegenprotestes ab und verhinderten ein Aufeinandertreffen der beiden Lager.

In puncto körperlicher Auseinandersetzungen blieb der Abend friedlich. Doch es herrschte erneut eine aggressive Stimmung zwischen den Lagern. Von den "Spaziergängern" bauten sich einige vor der Absperrung auf, umringten diese. Es kam zu verbalen Beschimpfungen und Beleidigungen der linken Demonstranten. "Deserteure seid ihr und müsstet abgeholt werden", war ein Ruf. Oft ging die Wortwahl weit unter die Gürtellinie. Von den pöbelnden "Spaziergängern" waren ein paar Männer merklich angetrunken. Auffällig war zudem, dass die Teilnehmer der beiden angemeldeten Demonstrationen FFP2-Masken oder einen medizinischen Mundschutz trugen. Dagegen war bei den Protestierern gegen die Corona-Maßnahmen kaum ein Mund-Nasen-Schutz zu sehen, und der Mindestabstand wurde untereinander nicht gewahrt.