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In zehn Sekunden ist das Fenster auf

Im Gegensatz zum Sachsentrend steigt die Zahl der Einbrüche in Radebeul. Die Polizei rät zum besseren Einbruchschutz.

Polizeihauptkommissar Detlef Kaminsky berät, wie man durch bessere Verschlusssysteme für Fenster und Türen Dieben einen Haus- oder Wohnungseinbruch besonders erschweren kann - soweit sogar, dass der Einbrecher seinen Versuch aufgibt.
Polizeihauptkommissar Detlef Kaminsky berät, wie man durch bessere Verschlusssysteme für Fenster und Türen Dieben einen Haus- oder Wohnungseinbruch besonders erschweren kann - soweit sogar, dass der Einbrecher seinen Versuch aufgibt. © Norbert Millauer

Radebeul. Mit der Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit geht die Sonne bereits in den Nachmittagsstunden unter. Das ruft Einbrecher auf den Plan, die im Schutz der Dunkelheit unentdeckt in Häuser oder Wohnungen eindringen, während die Eigentümer noch auf Arbeit sind oder Besorgungen erledigen. Erfahrungsgemäß steigt in der dunklen Jahreszeit die Fallzahl der Wohnungseinbrüche.

Daher ist derzeit Polizeihauptkommissar Detlef Kaminsky vom Fachdienst Prävention im Gebiet der Polizeidirektion Dresden unterwegs, um über Einbruchsschutz zu informieren. Am Dienstag machte er mit einem Kollegen Station auf dem Dorfanger in Altkötzschenbroda. Im Gepäck haben sie zahlreiche Tür- und Fensterriegel sowie Schlosssysteme. An ihnen veranschaulichen sie, wie Diebe mit einfachen Mitteln Fenster- oder Terrassentüren aufhebeln können.

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Zum Aufhebeln reicht einem Dieb ein Schraubendreher.

„Im Fernsehen sieht man Einbrecher oft mit Kuhfuß und Brechstange. Das ist aber nicht sehr realistisch“, berichtet Kaminsky. Denn diese Werkzeuge kommen nur in zehn Prozent der Fälle zum Einsatz. Mit 42,6 Prozent steht weit abgeschlagen der Schraubendreher ganz oben auf der Liste der Tatwerkzeuge, mit denen sich Einbrecher Zugang zu einem Haus verschaffen. Es folgen mit 37,6 Prozent andere einfache Mittel, wozu unter anderem ein Stück Strick und Klopapier zählen. Damit öffnen Diebe beispielsweise gekippte Fenster.

Beim Blick auf die Kriminalitätsstatistik sind die Fallzahlen beim Wohnungseinbruch sachenweit sinkend. Im Vergleich von 2019 mit 2018 ist ein Rückgang um 24 Prozent zu verzeichnen. Registrierte die Polizei im vorigen Jahr 3.040 Wohnungseinbrüche waren es im Vorjahr noch 4.001 in ganz Sachsen. Eine Erklärung sind Ermittlungserfolge. So konnten Beamten in Klipphausen einen Einzeltäter dingfest machen, der insgesamt zehn Einbrüche gestand. Durch Hinweis eines Weinböhlaers ging laut Kaminsky eine Bande von Georgiern der Polizei in die Fänge, die eine ganze Serie von Einbrüchen in der Region im Sündenregister stehen hatte.

„Vielleicht zeigt auch die Sensibilisierung der Bevölkerung Wirkung“, meint Kaminsky. Seit neun Jahren ist er zum Thema Einbruchschutz immer wieder mit Vorträgen und dem Infomobil im Gebiet der Dresdner Polizeidirektion unterwegs. Dass Kaminsky in Radebeul Station macht, ist offensichtlich kein Zufall. Denn die Fallzahlen bei Wohnungseinbrüchen entwickelt sich hier entgegen dem Sachsentrend. Sie steigen.

35 Wohnungseinbrüche gab es in Radebeul im Jahr 2019.

Wie die Polizei auf Anfrage von Sächsische.de mitteilte, gab es 2015 in der Lößnitzstadt 19 Einbrüche, im Jahr darauf 22 und 2017 sogar 34. 2018 sank die Fallzahl auf 17 und schoss 2019 auf 35 wieder hoch. Für dieses Jahr liegen laut Polizeisprecher Stefan Grohme noch keine belastbaren Zahlen vor.

Kaminsky wird daher nicht müde, auf das Drei-Säulen-Modell des Einbruchschutzes hinzuweisen. Das fängt ohne weiteren finanziellen Aufwand bei der Organisation an. Dazu gehört beispielsweise ein gutes Verhältnis zum Nachbarn, der für einen den Briefkasten leert, wenn man im Urlaub ist, damit Einbrecher nicht durch einen vollen Kasten den Hinweis bekommen, dass keiner für mehrere Tage im Haus ist. Hierunter fällt auch, keine Urlaubsbilder über soziale Netzwerke zu posten.

Eine Hecke oder Mauer sollte nicht höher als bis zum Kinn gehen, damit Nachbarn immer noch sehen können, wenn sich einer auf dem Grundstück bewegt, der nicht dort hingehört. Außenlampen sollten an allen vier Seiten in mindestens vier Meter Höhe hängen, damit sie einerseits bei Bewegungen den Außenbereich gut ausleuchten und andererseits nicht durch einen Dieb manipuliert werden können.

Die beiden anderen Säulen sind Mechanik und Elektronik. Unter Letztgenannten werden Alarmanlagen oder computergesteuerte Smart Home Systeme verstanden. Doch diese können mitunter einen Fehlalarm auslösen. Rückt die Polizei umsonst an, kann das dem Eigentümer rund 200 Euro an Gebühr kosten.

Mit Pilzkopfriegeln wird das Aufhebeln erschwert.

Kaminsky empfiehlt entweder beim Hausbau gleich von Anfang an oder durch Nachrüsten in Sachen Einbruchsprävention auf Säule zwei, der mechanischen Ausstattung der Fenster und Türen und deren Verschlusssysteme, zu setzen. Denn die in fast allen Häusern eingebauten Modelle stellen derzeit für einem Einbrecher keine Hindernisse dar. So lasse sich ein Fenster mit Rollzapfen in zehn Sekunden mit einem Schraubendreher aufhebeln. „Das funktioniert ganz leise“, so Kaminsky. Stößt ein Dieb dagegen auf Widerstand, lässt er davon ab.

In Wohngegenden rät Kaminsky, bei der mechanischen Ausstattung des Gebäudes auf die Widerstandsklasse RC2 zu achten. Bei dieser müssen beispielsweise Haus- und Fenstertüren einem Einbruchsversuch drei Minuten standhalten. Das gelingt beispielsweise durch Mehrfachverriegelungen bei Türen, abschließbaren Fenstergriffen, Verbundglas der durchwurfhemmenden Klasse P4A sowie Pilzkopfverriegelung. Je mehr Pilzköpfe im Fensterrahmen eingebaut sind, desto schwerer lässt es sich aufhebeln. Eine Nachrüstung wird staatlich gefördert.

Mehr Infos unter www.k-einbruch.de

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