merken
PLUS Radebeul

Radebeuls Kampf gegen Stolperfallen

Beim Familienkompass stieß der schlechte Zustand der Gehwege in Radebeul wiederholt auf Kritik - besonders in den Villenvierteln.

In einem besonders schlechten Zustand befindet sich der Gehweg an der Karl-Marx-Straße im Dichterviertel. Eine Sanierung ist geplant.
In einem besonders schlechten Zustand befindet sich der Gehweg an der Karl-Marx-Straße im Dichterviertel. Eine Sanierung ist geplant. © Arvid Müller

Radebeul. Am Zustand der Gehwege nehmen Radebeuler immer wieder Anstoß. Jüngst bei den Hinweisen und Anregungen in den Kommentarspalten bei der Umfrage zum Familienkompass. „Die Gehwege der Stadt Radebeul sind dringend überholungsbedürftig“, schreibt ein Mann, Jahrgang 1951. Dieser Meinung ist auch ein 20 Jahre jüngerer Familienvater: „Die Gehwege in unserem Viertel, Oberlößnitz, sind in einem katastrophalen Zustand. Rentner mit Rollator müssen auf den fast ebenso schlechten Fahrbahnen laufen, um nicht zu stürzen.“

Nicht nur in den Villenvierteln fallen einem die Holperpisten am Straßenrand zwischen Fahrbahn und Fußweg auf. Als sehr uneben kritisiert ein 46-Jähriger und dreifacher Vater das Schnittgerinne an so manchem Straßenzug und moniert gleichzeitig das Verhalten von Kraftfahrern, die den Mindestabstand zu Radfahrern und Fußgängern missachten: „Die Straßennebenflächen sehen wie Fußwege aus, so dass Autofahrer denken, Fußgänger müssen dort laufen; ein paar mal im Jahr stürzen Kinder, wenn sie mit dem Fahrrad in die Regenablaufrinne geraten.“

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Zustand von Straßen und Wegen wird regelmäßig erfasst.

Rund 460 Kilometer ist das Gehwegnetz in der Lößnitzstadt lang. Wie viele der Fußwege bereits saniert sind oder noch auf eine Instandsetzung warten, kann die Verwaltung nicht konkret in Prozentzahlen beziffern. „Dies ist nicht getrennt erfasst“, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage von Sächsische.de mit. Vom Zustand macht sie sich jedoch regelmäßig bei Kontrollen von Straßen und Gehwegen ein Bild. Diesbezüglich war erst im Frühling dieses Jahres ein Fahrzeug mit spezieller Messtechnik im Stadtgebiet unterwegs, um Schlaglöcher und weitere erforderliche Flickstellen zu zählen.

Um die Fußwege trittsicherer zu machen, stehen jedes Jahr verschiedene Vorhaben an. Sie reichen vom grundhaften Ausbau über eine Sanierung bis hin zu punktuellen und flächigen Ausbesserungen je nach Notwendigkeit.

Grundhaft neu angelegt wurden in diesem Jahr Gehwege entlang der Meißner Straße zwischen Rennerbergstraße und Dr.-Külz-Straße in Radebeul-Mitte, an Forststraße und Seestraße in Radebeul-Ost. Noch im Bau befinden sich die Gehwege entlang der Mittleren Bergstraße im Stadtteil Zitzschewig. Am Montag erfolgte der Baustart für einen Fußweg an der Kötzschenbrodaer Straße in Höhe des Jugendtreffs Weißes Haus in Serkowitz. Dort fehlt bislang ein Bürgersteig. 

Im vorigen Jahr ließ die Stadt Gehwege auf einer Länge von 1.250 Metern grundhaft ausbauen. Sie lagen am Meiereiweg, an der Pestalozzi-, Oberen Burg- und der Emil-Schüller-Straße - Kostenpunkt damals rund 240.000 Euro.

Radebeul saniert seit der Einheit das Hauptstraßennetz.

Die Auflistungen des Gehwegbaus beider Jahre lassen ein Muster erkennen: Die grundhafte Sanierung von Bürgersteigen erfolgt immer gleichzeitig mit Vorhaben zum Ausbau oder zur Instandsetzung der Fahrbahnen auf der Straße. Zum anderen handelt es sich bislang überwiegend um Straßenzüge des Hauptstraßennetzes.

In seiner Ansprache zu Beginn des Jubiläumsjahrs 30 Jahre deutsche Einheit rief Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) im Januar 2020 das Stadtbild von 1990 mit den kaputten und maroden Straßen in Erinnerung. An anderer Stelle sprach er von einer Generationenaufgabe, das Hauptstraßennetz wieder in Schuss zu bringen. Diese Aufgabe steht nun vor dem Abschluss. Danach will sich die Lößnitzstadt verstärkt den Nebenstraßen widmen. Die Sanierung dieses Netzes wird wohl ebenfalls mehr als ein Vierteljahrhundert in Anspruch nehmen.

Da die Gehwege entlang der Straßen in den Villenvierteln zum Nebenstraßennetz zählen, besteht dort ein besonders großer Sanierungsstau. Um diesen allmählich abzubauen, hat der Stadtrat beschlossen, dass ab 2018 jährlich rund 150.000 Euro für Reparaturen und Sanierungen an Gehwegen im Haushalt zusätzlich zur Verfügung stehen. Die Stadt stellte eine Prioritätenliste auf, die sie nach und nach abarbeitet.

Stadtrat stellt Extramittel für Gehwegreparaturen bereit.

Mit den Extramitteln wurden im vorigen Jahr Abschnitte an der Rosenstraße, Ludwig-Richter-Allee, Lößnitzgrund-, Nizza-, Heinrich- und Oststraße sowie auf dem Gradsteg instand gesetzt. In diesem Jahr sind derartige Arbeiten bereits an Hain-, Karl-May- und Schumannstraße erledigt worden. Zudem gab es diverse flächenhafte Ausbesserungen im gesamten Stadtgebiet. In Vorbereitung befinden sich Bauarbeiten auf dem Gehweg entlang der Karl-Marx-Straße, wie die Stadt informiert.

Bei der Sanierung erhalten die Bürgersteige eine Oberfläche entweder aus Betonpflaster oder in Form einer Sächsischen Wegedecke. Die Entscheidung darüber, ob die Fußgänger künftig über festen Stein oder ein Sand-Splitt-Gemisch laufen, fällt die Stadt entsprechend des Stadtbodenkonzeptes und der Wirtschaftlichkeit. Gegebenenfalls spielen Vorgaben der Denkmalpflege oder der Gebietscharakter, sprich wie die bereits vorhandenen Wege in einem Viertel gestaltet sind, sowie die Nutzungsintensität, also wie häufig Fußgänger am Tag auf dem Trottoir gehen, bei der Entscheidungsfindung eine Rolle.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul