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Mit Ballettstangen zum Erfolg

Familie Bibas liefert Holzstangen aus Radebeul nach ganz Europa aus. Die Stäbe dienen nicht nur zum Tanzen.

In seiner Werkstatt an der Gartenstraße macht Andreas Bibas eine Bestellung mit mehreren Ballettstangen für Frankreich fertig. Wo einst Myraplast Folien herstellte, hat er einen Laden für dieses Tanz- und Sportgerät aufgebaut.
In seiner Werkstatt an der Gartenstraße macht Andreas Bibas eine Bestellung mit mehreren Ballettstangen für Frankreich fertig. Wo einst Myraplast Folien herstellte, hat er einen Laden für dieses Tanz- und Sportgerät aufgebaut. © Norbert Millauer

Radebeul. An Ruhestand denkt Andreas Bibas lange noch nicht. 64 Jahre ist der Unternehmer alt. Und während andere in diesem Alter in Rente gehen, startet er mit seinem Treppen- und Geländerstudio Graber in Radebeul so richtig durch, vor allem mit einem Nischenprodukt. „Wir beliefern Kunden mit Ballettstangen europaweit, von Finnland auf der Landkarte oben bis runter nach Sardinien und Italien“, berichtet Bibas, der einer der Marktführer in Deutschland beim Herstellen dieses besonderen Sportgerätes ist.

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Wir, das sind neben ihm seine Ehefrau Ina und Tochter Anne. Die beiden Eheleute haben sich zu zweit vor 26 Jahren selbstständig gemacht. Zuvor war Andreas Bibas als Verkaufsleiter bei einer großen Firma im Holzsektor tätig. Diese belieferte Baumärkte mit Handläufen. Am Geschäft in Sachsen verlor sein damaliger Brötchengeber das Interesse. Der Bedarf nach Haltestangen an Treppen war jedoch weiter da. „Sächsische Baumärkte fragten mich, ob ich sie nicht beliefern könnte“, erinnert sich Bibas. Und so kam es im Jahr 1995 zur Firmengründung.

Mit einer Werkstatt im Keller fing es an

Im Erzgebirge fand er einen Drechsler, der ihm damals Rohlinge lieferte, „Ich arbeite mit Edelhölzern wie Buche, Eiche, Ahorn und Esche“, berichtet Bibas. Noch heute kauft er das Holz für seine Stangen regional ein und legt hohen Wert auf die Qualität. Die Rohstangen sägt er auf das gewünschte Maß zurecht, gibt ihnen je nach Wunsch und Auftrag einen Farb- und Lackanstrich und bringt Halterungen und Kappen an den Enden an.

Ganz klein im Keller und in der Garage hat Bibas angefangen. Im Untergeschoss seines Dresdner Hauses richtete er eine Werkstatt ein. Zu Beginn seines Unternehmertums betrug der Wert seines Warenbestandes rund 2.000 Deutsche Mark (DM). Jetzt hat er Rohmaterial im Umfang von 250.000 Euro in seiner Radebeuler Betriebsstätte auf Lager.

„An Internet und Onlinehandel war in den Anfangsjahren gar nicht zu denken“, berichtet Bibas. Zunächst belieferte er daher nur Baumärkte, den Großhandel sowie Handwerker mit Handläufen, Geländern und Treppenelementen. Aus der Garage holte er das Material, brachte es in den Keller, wo er den jeweiligen Auftrag abarbeitete. Der Monatsumsatz betrug im Schnitt zwischen 10.000 und 15.000 D-Mark.

Durch Online-Handel boomt das Geschäft

Doch mit jedem Jahr, in dem er auf diese Art und Weise seinem Geschäft nachging, breiteten sich immer mehr Computer in Privathaushalten aus und die Zahl derer, die im weltweiten Netz unterwegs waren, wuchs. Zudem weiteten sich die Möglichkeiten aus, die das Internet bot. Im Jahr 2004 stellten Bibas und seine Frau erstmals einige ihrer Produkte auf die Internetplattform zum Verkauf. So wie mit ihrer Werkstatt im Keller haben sie auch dort ganz klein angefangen.

Durch den Onlinehandel sind der Kundenkreis und die Auftragslage immer mehr gewachsen. „Seit zehn Jahren machen wir unseren Hauptumsatz über das Internet“, berichtet Bibas. Rund 80 Prozent kommen über Bestellungen durch Privatleute zusammen, der Rest weiterhin durch das Beliefern des Fach- und Großhandels.

„Der Onlinehandel ist seit 2014 rasant nach oben gegangen“, sagt Bibas. Um die Bestellungen abzuarbeiten, wurde es in der Kellerwerkstatt zu klein. Mit den Lagern in Garagen standen ihm nur rund 120 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Eine Vergrößerung wurde notwendig. Im Gewerbepark an der Gartenstraße, dem einstigen Werksgelände von Myraplast, wurde er fündig. Auf 650 Quadratmeter breitete sich Bibas mit Tischlerei, Lackiererei, Lager, Versand und Büro aus. Das war vor drei Jahren.

Deutscher Ballettmeister zählt zu den Kunden

In Stoßzeiten bearbeitet er mit seinem Team bis zu 80 Bestellungen an einem Tag. Davon machen Ballettstangen fast die Hälfte aus. Zu diesem Sportgerät ist Bibas durch Zufall gekommen. Ballettstangen und Handläufe ähneln sich. Also hat er dieses Produkt in sein Portfolio mit aufgenommen. „In Deutschland gibt es rund fünf Millionen Leute, die Ballett machen. In Frankreich sind es noch mehr“, sagt Bibas.

Anfangs fertigte er zwischen 100 und 200 Stangen im Jahr. Heute gehören sie zu seinem Tagesgeschäft. Neben Privatleuten zählen zu seinem Kundenkreis der Deutsche Ballettmeister, Ballettstudios sowie Hotels und Fitnesscenter. Bei beiden Letztgenannten dienen die Stangen an der Wand oder mitten im Raum weniger dem Tanzen, als vielmehr für Fitnessübungen. „Sogar in ein Kloster haben wir schon eine Ballettstange geliefert“, sagt Bibas, „für den dortigen Fitnessraum.“

Vor zwei Jahren machte Familie Bibas den Ballettstangenladen in Radebeul auf - mit eigener Internetpräsenz und eigenem Onlineshop. „Wir sind der einzige Ballettstangenladen in Deutschland“, sagt Bibas. Die anderen nennen sich alle Shops. „L kommt im Alphabet allerdings vor dem S“, ergänzt er mit einem zwinkernden Auge - ein Vorteil bei den Suchmaschinen im Internet.

Umsatzrekord aufgestellt

Der Ballettstangenladen erlebte durch die europaweiten Ausgangsbeschränkungen wegen der Coronakrise einen Boom. „Als Italien im vorigen Jahr als erstes Land alles zumachte, ging die Anzahl der Bestellungen nach oben“, berichtet Bibas. Mit dem Jahresumsatz 2020 konnte sein Unternehmen erstmals die Marke von 1,2 Millionen Euro knacken.

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Die Geschäfte laufen weiterhin gut - nicht nur mit Ballettstangen, sondern auch mit Handläufen. Immer mehr Hochbetagte statten damit ihre Häuser und Wohnungen aus, um beispielsweise morgens sicheren Fußes vom Bett aus ins Badezimmer zu kommen und von dort aus weiter in Küche und Wohnzimmer. Auch Haltestangen am Fernsehsessel, um nach längerem Sitzen besser aufstehen zu können, sind gefragt. Neben den drei Familienmitgliedern hat das Treppen- und Geländerstudio noch eine Vollzeitkraft. „Wir benötigen mehr Mitarbeiter und wollen uns um zwei Beschäftigte erweitern“, kündigt Bibas an. Durch den Onlinehandel wächst sein Unternehmen kontinuierlich. „Wir haben nie Werbung gemacht“, betont Bibas. Mit Tochter Anne ist die Nachfolge gesichert.

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