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Streik bei Thyssen Krupp für mehr Lohn

Im Tarifstreit des Groß- und Außenhandels legte Verdi das Stahllager in Radebeul lahm. Die 5. Verhandlungsrunde blieb ohne Ergebnis.

Von Silvio Kuhnert
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Mitarbeiter bei Thyssen Krupp Schulte traten am Freitag in den Ausstand und streikten auf dem Betriebsgelände.
Mitarbeiter bei Thyssen Krupp Schulte traten am Freitag in den Ausstand und streikten auf dem Betriebsgelände. © Verdi

Radebeul. Nach den Streiks im Rewe-Großhandel in Nossen hat der Arbeitskampf im Groß- und Außenhandel nun auch Radebeul erreicht. Am Freitag ließen zwischen 5.30 und 11 Uhr Beschäftigte bei Thyssen Krupp Schulte die Arbeit ruhen und streikten am Betriebstor an der Kötitzer Straße im Naundorfer Gewerbegebiet. Von den knapp 100 Mitarbeitern vor Ort waren rund 30 dem Streikaufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gefolgt.

Die Großhandelsbeschäftigten kämpfen in Sachsen für eine Angleichung der Löhne. Konkret verlangen sie einen Euro mehr Stundenlohn, einen Sachsenzuschlag sowie ein Anheben der Vergütung für Auszubildende um 70 Euro im Monat. „Seit 13 Jahren fordern wir die Arbeitgeber auf, die im Vergleich zu anderen Bundesländern bestehende Lohnlücke stufenweise zu schließen. Das ständige Vertrösten haben wir satt“, so Verdi-Streikleiterin Andrea Busch. Bei den Löhnen im Groß- und Außenhandel bilden sächsische Arbeitnehmer das Schlusslicht im bundesweiten Vergleich.

„Vergiftetes“ Angebot

Seit Ende April dieses Jahres kämpfen die Gewerkschaftsmitglieder für einen neuen Tarifvertrag. Die 5. Verhandlungsrunde endete am Freitag voriger Woche ohne Ergebnis. Die Arbeitgeber haben laut Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago die Tarifgespräche ohne Vereinbarung eines neuen Termins verlassen. Das vorgelegte Angebot bezeichnen die Arbeitnehmervertreter als vergiftet. So boten die Arbeitgeber eine Erhöhung der Löhne um 3,2 Prozent, maximal 74 Euro, ab Oktober dieses Jahres sowie eine weitere Anhebung um 1,9 Prozent, höchstens 45 Euro, zum 1. April 2022 an. „Zwar sollen die unteren Einkommen minimal prozentual stärker erhöht werden, doch die Ecklohngruppe, etwa für Großhandelskauffrauen sowie Sachbearbeiterinnen, und die Lkw-Fahrer bekämen weniger als bundesweit vereinbart. Das würde die Diskriminierung der sächsischen Großhandelsbeschäftigten weiter verfestigen“, so Lauenroth-Mago.

Bei Thyssen Krupp Schulte in Radebeul handelt es sich um ein Stahlgroßlager. Von hier aus werden Unternehmen in Sachsen, Südbrandenburg bis nach Berlin sowie in Teilen Thüringens beliefert. Verdi kündigt an, im Arbeitskampf keine Ruhe zu geben, bis die Forderungen erfüllt werden. Die Gewerkschaft will die Streiks im Großhandel fortsetzen. In der Branche sind rund 40.000 Beschäftigte im Freistaat Sachsen tätig.