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Wuchtiger Keller für drei neue Häuser

Mehrfamilienhäuser befinden sich in der Nähe von Schloss Wackerbarth im Bau. Das Projekt stößt wie andere Neubauten in Radebeul auf Kritik.

Das Kellergeschoss samt Tiefgarage steht bereits an der Meißner Straße, Ecke Friedsteinstraße. Darauf werden ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus und zwei Doppelhäuser gebaut.
Das Kellergeschoss samt Tiefgarage steht bereits an der Meißner Straße, Ecke Friedsteinstraße. Darauf werden ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus und zwei Doppelhäuser gebaut. © Arvid Müller

Radebeul. Ein Kran blockiert seit einiger Zeit die Friedsteinstraße in Radebeul. Sein Ausleger hievt Baumaterial auf das Eckgrundstück Meißner Straße 324 in der Nähe von Schloss Wackerbarth. Immer wieder stoppten diese Woche Betonmischfahrzeuge an der Baustelle. Der Grund ist deutlich sichtbar. Ein wuchtiges Kellergeschoss füllt die Baugrube.

Neben Lagerräumen bietet der Keller Platz für eine Tiefgarage mit zwölf Pkw-Stellflächen. Das gemeinsame Untergeschoss bildet das Fundament für das „Quartier Wackerbarth“. So hat Hans-Joachim Müller von der MSD Projekt GmbH mit Sitz in Dresden sein Vorhaben getauft. An der Meißner Straße entsteht ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen, dahinter zwei Doppelhäuser mit insgesamt vier Wohneinheiten. „Bezug ist im August 2021 geplant“, informiert der Investor. Rund 5,5 Millionen Euro sind als Baukosten veranschlagt.

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Der Quadratmeterpreis liegt bei circa 4.650 bis 4.750 Euro.

Wie den Bauplänen zu entnehmen ist, besteht das Haus an der Meißner Straße aus drei Geschossen, die beiden Doppelhäuser aus zwei Vollgeschossen plus einer zurückgesetzten Etage, im Exposé als Studio bezeichnet, mit großer Dachterrasse. In den Häusern in Massivbauweise entstehen Eigentumswohnungen. „Der Verkauf hat erst begonnen“, teilt Bauherr Müller mit.

Die Wohnflächen in dem Mehrfamilienhaus sind rund 99 bis 111 Quadratmeter groß. Rund 138 Quadratmeter beträgt die Fläche der Wohnungen in den beiden Doppelhäusern. „Der Quadratmeterpreis liegt bei circa 4.650 bis 4.750 Euro“, teilt der Investor mit.

Die Visualisierung auf dem Bauschild gibt einen Eindruck, wie das Mehrfamilienhaus an der Meißner Straße einmal aussehen wird.
Die Visualisierung auf dem Bauschild gibt einen Eindruck, wie das Mehrfamilienhaus an der Meißner Straße einmal aussehen wird. © Arvid Müller

Warum das Kellergeschoss so wuchtig aussieht, hat einen Grund. „Bei einem Elbehochwasser soll es nicht bis Hamburg schwimmen“, scherzt Projektentwickler Müller. Das Grundstück liegt im Überschwemmungsgebiet eines HQ 100, einer Elbeflut, die statistisch gesehen aller 100 Jahre eintritt, wie bei der Jahrhundertflut im August 2002. 

Daher muss beim Bau Hochwasserschutz beachtet werden. „Das ganze Kellergeschoss wurde für das Gebiet entsprechend verstärkt und wasserdicht ausgeführt“, so Müller. Dazu gehören eine verstärkte Bodenplatte sowie eine wasserundurchlässige Stahlbetonkonstruktion, im Bauwesen auch Weiße Wanne genannt.

Vorhaben wird als überdimensional kritisiert.

Oberirdisch werden die drei Gebäude über dem gemeinsamen Kellergeschoss nicht das ganze Grundstück bedecken. Wie Müller berichtet, seien von der rund 1.540 Quadratmeter großen Grundstücksfläche circa 560 Quadratmeter überbaut.

Radebeuler, die das Baugeschehen in ihrer Heimatstadt kritisch beobachten und sich um den Erhalt des Charakters als Garten- und Villenstadt sorgen, kann dies wohl nicht überzeugen. Für Michaela Reißig ist das Vorhaben ein weiteres Negativbeispiel für Bauten, die nicht ins Stadtbild passen. „Da wird ein Zweifamilienhaus weggerissen, um dann einen überdimensionalen Bau hinzusetzen“, moniert sie in einem Leserbrief. Das Grün und die weitere Bebauung einer Gartenstadt würden keine Rolle mehr spielen. „Hauptsache, den größtmöglichen Profit aus einer kleinen Fläche erreichen“, kritisiert sie. „Die Stadt Radebeul sollte sich schämen, solche Bauten zuzulassen, die nicht in unser Stadtbild passen“, lautet ihr Vorwurf in Richtung Rathaus.

Die Kritikpunkte sind nicht neu. Vor rund einem Jahr wurden sie ebenso von der Bürgerinitiative „Rettet unsere Gartenstadt“ im Zusammenhang mit dem Protest gegen zwei Neubauten am Augustusweg 78 und August-Bebel-Straße 55 geäußert. Auch dort waren kleine Häuser mit großzügigen Gärten weit größeren Mehrfamilienhäusern gewichen.

Für die Höhe von Neubauten ist das Umfeld maßgebend.

Im Stadtrat erläuterte daraufhin Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos), nach welchen Kriterien die Verwaltung Bauprojekte genehmigt. Wenn kein Bebauungsplan besteht, ist Paragraf 34 des Baugesetzbuches einschlägig. Im sogenannten Innenbereich, wo ein Neubau zwischen schon vorhandenen Wohnhäusern entstehen soll, sei eine Bebauung grundsätzlich möglich. Ob sie zulässig ist, richte sich nach der Umgebung. Damit sei nicht nur das unmittelbare Nachbarhaus, sondern ein großräumigeres Gebiet gemeint. Das neue Haus muss sich in das Umfeld einpassen.

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Schon damals ließ Müller den Vorwurf, die Stadt würde alles genehmigen, nicht gelten. Als Beispiel nannte er das Bauprojekt Meißner Straße 324. Ursprünglich waren die beiden hinteren Gebäude größer geplant. Die Stadt konnte mit Verweis auf die Umgebungsbebauung an der Friedsteinstraße eine Minimierung erreichen.

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