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Rette dich und Sherlock Holmes!

Im Escape Room in Bautzen wird ein Ratespiel zum lebensechten Abenteuer.

© Uwe Soeder

Von Madeleine Arndt

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Bautzen. Dies ist keine gemütliche Zeitungsschau. Wer bei Mirko Böhmer den London Chronicle aufschlägt, der ist auf der Suche nach Indizien zur Lösung eines Falls. Die Kunst der Deduktion nennt es Sherlock Holmes – Londons Meisterdetektiv, der mittels scharfsinniger Logik die kniffligsten Rätsel und schaurigsten Verbrechen löst. Ab sofort kann man in Bautzen in die Rolle des legendären Genies schlüpfen und sich dabei auf eine Zeitreise ins England des 19. Jahrhunderts begeben. Die Geschichte: Sherlock Holmes ist in Not und sein Freund Watson muss ihm helfen. Die Mission: Innerhalb von 60 Minuten den Schlüssel finden, der einem die Tür ins Freie öffnet. Escape Room heißt das adrenalinreiche Abenteuerspiel, das es nun auch in der Oberlausitz gibt.

„Es ist ein Spiel für alle, die gern ihren Kopf anstrengen, zu Hause knobeln und rätseln, aber mal weg vom Computer wollen“, erklärt Mirko Böhmer, der Schöpfer des Escape Rooms. Das Lüften von Geheimnissen war schon immer ein großes Hobby für den Bautzener. So ist er leidenschaftlicher Geocacher, eine Art digitaler Schatzsucher, wobei ihn die Jagd nach Hinweisen auch in verfallene Häuser und alte Ruinen führte. Dadurch reifte in dem gelernten Bankkaufmann der Gedanke, selbst so einen mysteriösen Ort zu erschaffen. Im Mai fanden er und seine Frau im Löblein Center an der Edisonstraße 17 die passenden Räume. Monatelang haben sie in ihrer Freizeit gewerkelt und getüftelt, bis der erste eigene Rätselraum mit allen seinen Einrichtungsgegenständen komponiert war.

Entstanden ist ein interaktives Minimuseum nach dem Vorbild des Arbeitszimmers im Sherlock-Holmes-Museum von London. Nur darf in Bautzen fast alles angefasst, gedreht und gewendet werden. Es gibt unzählige Schubfächer, Kästchen und sogar einen Labortisch für chemische Experimente. In jeder Ecke und Nische warten Hinweise, Überraschungen und Tipps darauf, von den Besuchern des Zimmers entdeckt zu werden. Bei einem großen Teil des Abenteuerspiels sei Logik gefordert. „Und dann gibt es noch Suchrätsel und mechanische Rätsel“, erklärt Mirko Böhmer. Beispielsweise muss ein Mechanismus entschlüsselt werden, um an eine wichtige Schreibtischschublade zu kommen.

Die Rätsel sind streng geheim

Wer Sherlocks Zimmer betreten will, unterschreibt zuerst ganz konspirativ eine Erklärung des Stillschweigens. „Die Rätsel sind streng geheim, sie allein machen ja den Reiz des Spiels aus“, erklärt Böhmer. Dann wird noch das Handy ins Schließfach verbannt. Es würde aber auch nichts bringen, Google und das Internet zu befragen, versichert der 36-Jährige. Seine Rätsel hat er exklusiv allein für diesen einen Ort entwickelt. Nun geht es für die Spieler in den nostalgisch möblierten Raum, wo bereits die Glocken des Big Ben läuten. Der Turm ist durch das Fenster zu erkennen, umrahmt von schweren Vorhängen. Dann spielt dramatische Musik im Hintergrund. Auf dem Schreibtisch neben einer Pfeife liegt ein Brief. Ein Hilferuf von Sherlock Holmes. Er bildet den Anfang einer Kette von Hinweisen, die Schritt für Schritt zum großen Finale führen.

Ein Monitor, der als Kamin getarnt ist, zählt unter seinem flackernden digitalen Feuer die Zeit runter. Der Countdown soll verhindern, dass sich die Spieler bei den Knobelstationen verzetteln. Wer möchte, kann sich beim Rätseln Sherlock Holmes’ Mantel von der Garderobe nehmen und überwerfen oder die karierte Deerstalker-Mütze aufsetzen. Sie wissen schon – diese geschmacklich indiskutable Jagdmütze mit Augen-, Nackenschirm und Ohrenklappen, die der Autor Sir Arthur Conan Doyle seinen Detektiv tragen ließ. Vielleicht hat sie eine inspirierende Wirkung. Ist jemand total auf dem Holzweg, besteht die Möglichkeit, sich über den Monitor im Kamin oder einen Lautsprecher Tipps geben zu lassen.

Buchung übers Internet

Vor der Eröffnung ließ Mirko Böhmer Testgruppen seinen Abenteuerraum ausprobieren. Dabei bewährte sich vor allem Teamwork. „Am besten geht man zu sechst in das Zimmer, dann lassen sich die Aufgaben besser verteilen“, sagt der Bautzener. Wer den Raum zu zweit meistern will, sollte dagegen schon Profi in solchen Spielen sein. Immer an Freitagen und an den Wochenenden schließt Böhmer seinen Escape Room auf. Gebucht wird das Knobelerlebnis übers Internet. Es eignet sich für zwei bis sechs Spieler ab 14 Jahren. Je nach Spieleranzahl kostet die Teilnahme pro Person zwischen 20 und 30 Euro.

Mirko Böhmer hat auch schon Ideen für weitere Escape-Räume. Vielleicht führt dann ein Abenteuer in eine ägyptische Grabkammer. Doch erst einmal warten in Sherlock Holmes’ Arbeitszimmer viele harte Nüsse darauf, geknackt zu werden.

www.lets-escape.de