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Alter See ohne Wasser

Der Anglersee am Rande des Glaubitzer Waldes ist in den letzten drei Dürrejahren versandet. Jetzt wird er ausgebaggert. Doch damit ist das Problem nicht gelöst.

Der Alter See am Rande des Glaubitzer Waldes liegt idyllisch. Doch statt Wasser, sieht man hier momentan nur Schlamm.
Der Alter See am Rande des Glaubitzer Waldes liegt idyllisch. Doch statt Wasser, sieht man hier momentan nur Schlamm. © Jörg Richter

Glaubitz. Generationen von Glaubitzer und Radewitzer Schülern sind täglich am Alten See vorbei gefahren bzw. fahren immer noch. Früher nur mit dem Fahrrad, heute mehr mit dem Schulbus. Dieser Ort hat etwas Anziehendes und Magisches zugleich. Nicht zuletzt durch die Sage vom untergegangenen Schloss und der Jungfrau, die aller hundert Jahre erscheint, um von einem Sonntagskind erlöst zu werden.

Auch Mirko Kummer kennt diese Sage. Für den Vorsitzenden des Sportfischervereins 1991 Nünchritz-Glaubitz hat der Alte See aber noch eine andere Bedeutung. Hier hat er als kleiner Junge das Angeln gelernt. Er liebt die idyllische Ruhe und den Schatten, den die alten Eichen im Sommer spenden. So wie ihm, geht es vielen Leuten in seinem Verein. Sie lieben den Alten See.

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Und gerade deshalb machen sie sich Sorgen. Denn der See verlandet zusehends und bietet immer weniger Raum für Karpfen, Hechte, Barsche, Schleien und Aale. - Der Grund: Der Zschaitenbach, aus dessen Wasser der Alte See sich speist, ist zugewachsen und verschlammt.

Viele Gewässer betroffen

Zwar hat die Gemeinde Nünchritz den Bach vor einiger Zeit ausgebaggert. Aber nur bis zu den beiden Kleingartenanlagen "Am Geiersberg I und II", an denen der Zschaitenbach vorbeiführt. Geht es nach den Wünschen des Sportfischervereins, dann müsste der Bach auch noch in Richtung Zschaiten ausgebaggert werden.

Dem Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) ist das Ansinnen der Angler bekannt. "Wir haben den Bach im Blick", sagt er. Ob der zweite Teil schon in diesem Jahr freigemacht werden kann, steht aber noch nicht fest. Denn auch der Goltzschabach, der von den Feldern bei Medessen und Goltzscha bis in die Elbe bei Merschwitz fließt, mache Probleme. Dort gebe es auch dringenden Handlungsbedarf, so Barthold.

Der Bürgermeister verweist darauf, dass nicht nur der zugewachsene Zschaitenbach für den schlechten Zustand des Alten Sees verantwortlich ist, sondern auch die Dürre der vergangenen drei Jahre. "Es hat überall weniger geregnet", so Barthold. Davon seien viele Gewässer betroffen.

Auf einer Infotafel kann man die Sage über das versunkene Schloss im Alten See lesen und noch einiges mehr.
Auf einer Infotafel kann man die Sage über das versunkene Schloss im Alten See lesen und noch einiges mehr. © Jörg Richter

Deshalb freut er sich, dass der Anglerverband "Elbflorenz" Dresden e. V., der den Alten See bei Glaubitz bewirtschaftet, Eigeninitiative zeigt. Der Dachverband, zu dem auch der hiesige Sportfischerverein gehört, lässt den See zurzeit entschlammen. Beauftragt wurde damit die Grund- & Wasserbaugesellschaft mbH aus Boxdorf. Die Spezialfirma ist mit zwei Baggern und zwei Raupendumpern vor Ort und soll innerhalb von drei Monaten den See wieder zum Fisch- und Anglerparadies machen.

"Der Alte See hat auch Bedeutung für den Naturschutz", sagt Anja Schober vom Regionalmanagement Elbe-Röder-Dreieck. Deshalb unterstützt es die Arbeiten, zu dem auch der Neubau eines so genannten Teichmönchs gehört, mit Fördermitteln in Höhe von rund 70.000 Euro. Das entspricht 60 Prozent der Gesamtkosten.

Zurzeit wird gepumpt

Die Baufahrzeuge am Rande des Glaubitzer Waldes sind schon vielen Spaziergängern und Passanten aufgefallen. Doch zurzeit bewegen sie sich kaum. Denn wegen des eingesetzten Tauwetters, verläuft die Entschlammung momentan langsamer als geplant. Die Boxdorfer Wasserbauspezialisten müssen das Wasser, das von den Feldern kommt, abpumpen, um Baufreiheit zu haben.

Drei Monate sind für die ökologische Sanierung des Sees vorgesehen. Doch möglicherweise wird es länger dauern. Den Glaubitzern ist das egal. Hauptsache, sie erhalten ihren Alten See zurück - mit oder ohne verzaubertem Schloss.

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