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Blumenladen über Bahnbau verärgert

Die geschlossenen Bahnübergänge in Glaubitz mindern das Geschäft. Feuerwehr und Essen auf Rädern müssen längere Wege einplanen.

Marcus Krause vom Langenberger Laden Blumen-Moni ist über die Dauersackgasse nicht erfreut.
Marcus Krause vom Langenberger Laden Blumen-Moni ist über die Dauersackgasse nicht erfreut. © Jörg Richter

Glaubitz. Der Bahnbau zwischen Zeithain und Leckwitz interessiert viele Leute aus der Region. Von den meisten wird er eher positiv verfolgt. Doch seitdem die beiden Glaubitzer Bahnübergänge für den Straßenverkehr geschlossen sind, gibt es auch Menschen, die erste Beeinträchtigungen spüren.

Dazu zählt der Blumen-Laden von Monika Krause. Er befindet sich an der Riesaer Straße, ganz in der Nähe des Glaubitzer Bahnhofs. "Eigentlich ist das eine Top-Lage, so nah an der Staatsstraße", sagt Marcus Krause, der zusammen mit seiner Mutter Blumen bindet und verkauft. Doch seit der Bahnübergang eine Sackgasse ist, würde der Laden noch weniger Kunden haben als er schon durch die Corona-Pandemie hat.

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"Die Leute kommen mit dem Auto, sehen die Sackgasse und fahren weiter", berichtet der 40-Jährige. Das hat er mehrfach beobachtet. Und besonders in Rage bringt es ihn, wenn zur gleichen Zeit Baufahrzeuge oder -material auf den Parkplätzen von Blumen-Moni stehen. "Das macht keinen Spaß, jeden zu sagen: Räumt euer Zeug weg!" schimpft der Florist. "Das ist echt nervig."

Laden schließt am Ende des Jahres

Er denkt schon mit Schrecken an den 16. April und die Tage danach. Dann werden im Bereich der beiden Glaubitzer Bahnübergänge Spundwände in den Boden versenkt. Die Vibrationsramme, die zum Einsatz kommen soll, ist zwar nicht so laut wie eine richtige Ramme und erschüttert auch den Boden nicht so sehr. Aber Marcus Krause rechnet schon mit einer Dauerbeschallung. Von der würden die Langenberger, die tagsüber auf Arbeit sind, möglicherweise wenig mitbekommen. Doch den Blumenladen kann man nicht so einfach dorthin versetzten, wo es ruhiger ist.

Für das Ausliefern von Blumengestecken und Kränzen für Beerdigungen auf dem Glaubitzer Friedhof müssen Krauses die Umleitung fahren. Entweder über die B 169 bei Zeithain oder über Nünchritz. Doch gerade für einen kleinen Zwei-Mann-Betrieb ist Zeit auch Geld.

Ab September soll es mit dem Gleisbau zwischen Zeithain und Leckwitz richtig losgehen. Dann bleiben die beiden Glaubitzer Bahnübergänge voraussichtlich für die nächsten vier Jahre geschlossen. "Corona hat uns schon zugesetzt, und dann hat man auch noch die Baustelle vor der Tür", sagt Marcus Krause. "Irgendwann rechnet sich das nicht mehr." Deshalb haben seine Mutter und er beschlossen, den Blumenladen am Ende des Jahres aufzugeben.

Etwa 300 Kunden werden täglich vom "Essen auf Rädern" der Volkssolidarität Riesa-Großenhain e. V. beliefert. Volker Keil gehört zum Team der Auslieferungsfahrer die vom Standort Küche Glaubitz starten.
Etwa 300 Kunden werden täglich vom "Essen auf Rädern" der Volkssolidarität Riesa-Großenhain e. V. beliefert. Volker Keil gehört zum Team der Auslieferungsfahrer die vom Standort Küche Glaubitz starten. © Peter Noack / Volkssolidarität

Ganz so hart trifft es die Volkssolidarität Riesa-Großenhain nicht. Sie betreibt in Glaubitz ein Pflegeheim mit einer Küche, die Essen auf Rädern anbietet. Fünf Fahrzeuge liefern das Essen aus. Jeden Tag gehen rund 300 Portionen an Rentner von Großenhain bis Riesa hinaus, bestätigt Vorstandsmitglied Peter Noack.

Dass die weißen Flitzer der Volkssolidarität nicht mehr die Glaubitzer Bahnübergänge benutzen können, mache sich schon bemerkbar. Gerade die automatischen Schranken an der Poststraße sind eine gute Abkürzung, um nach Langenberg, Grödel oder Moritz zu fahren. Das geht bis Ende April und ab September für vier Jahre nicht mehr. Doch Noack sieht die Umleitungen eher entspannt. "Es ist logistisch ein bisschen Arbeit, aber lösbar", so Noack.

Auch die Fahrzeuge des Pflegedienstes der Volkssolidarität müssen wegen des Bahnbaus Umwege in Kauf nehmen. Aber das sei einfacher zu handhaben, sagt er. Denn die Zentrale des Pflegedienstes befindet sich am Marktplatz neben dem Nünchritzer Rathaus. Von dort aus ist das vom restlichen Glaubitz abgetrennte Langenberg einfacher erreichbar.

Martin Reichstädter und seine Kameraden von der Feuerwehr Glaubitz haben sich auf die Umleitungen eingestellt.
Martin Reichstädter und seine Kameraden von der Feuerwehr Glaubitz haben sich auf die Umleitungen eingestellt. © Sebastian Schultz

Wegen der Sperrung der Bahnübergänge hat sich auch die Wehrleitung der Freiwilligen Feuerwehr Glaubitz Gedanken gemacht. Wenn es in Langenberg brennt oder anderweitig Gefahr im Verzug ist, dann geht es nicht mehr auf dem kürzesten Weg über die Bahngleise. Gemeindewehrleiter Martin Reichstädter und seine Kameraden haben sich entschieden, die Umleitung über die B 169 zu fahren. "Über Nünchritz dauert es länger, weil wir dann durch die Ortschaft müssten", sagt er. Auf der anderen Route über die Bundesstraße 98 und 169 hätten die Einsatzfahrzeuge auch mehr Platz und könnten besser überholen.

Weil die Umleitung ab Herbst für die nächsten vier Jahre zum Dauerzustand wird, will sich Reichstädter vorher mit dem Nünchritzer Gemeindewehrleiter Wolfgang Sax treffen. Dann soll die Ausrückeordnung, die bei der Leitstelle Dresden hinterlegt ist, verändert werden. "Wenn die Schranken zu sind, sind die Nünchritzer eher in Langenberg als wir", so der Glaubitzer Feuerwehrchef.

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