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Diese Bahnhofsruine ist eine Schande

Röderauer Bahnhofsbewohner sind sauer auf die Deutsche Bahn, weil sie ein ehemaliges Toilettenhaus verfallen lässt. Doch jetzt reagiert sie.

Peter Topplep zeigt auf die Ruine in seiner Nachbarschaft. Das frühere Toilettenhaus am Röderauer Bahnhof hat schon bessere Zeiten erlebt.
Peter Topplep zeigt auf die Ruine in seiner Nachbarschaft. Das frühere Toilettenhaus am Röderauer Bahnhof hat schon bessere Zeiten erlebt. © Sebastian Schultz

Röderau. Ein verlassener Bahnhof, außerhalb der Stadt, bietet die Kulisse für einen der berühmtesten Western aller Zeiten. "High Noon - Zwölf Uhr mittags" hätte auch in Röderau gedreht werden können. Wenn die Sonne hochsteht und die Luft schwülwarm ist, kommt das ehemalige hiesige Bahnhofsgebäude einem noch einsamer vor als es ist.

Tatsächlich wohnen hier Menschen. Peter Topplep und seine Familie leben hier seit 1962. Da war das Bahnhofsgebäude noch tipptopp gepflegt. Bis zu fünf Wohnungen sollen hier vom damaligen Besitzer, der Deutschen Reichsbahn der DDR, vermietet worden sein. Meistens an Eisenbahner, so wie Peter Topplep einer war.

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Der ehemalige Fahrdienstleiter schwärmt noch immer von seiner Arbeit und den vergangenen Zeiten, als Eisenbahner noch eine richtige Uniform und einen Dienstgrad hatten. Er selbst besaß als Reichsbahninspektor auf seinen Schulterstücken einen golden Stern. "Aber der Bahn im wieder vereinten Deutschland war das zu militärisch", sagt der 79-Jährige.

Kaum zu glauben: Aber so schön sah vor etwa 110 Jahren der Röderauer Bahnhof aus.
Kaum zu glauben: Aber so schön sah vor etwa 110 Jahren der Röderauer Bahnhof aus. © Sebastian Schultz
Im Inneren des einstigen Toilettenhauses liegt Müll und zerschlagene WC-Becken.
Im Inneren des einstigen Toilettenhauses liegt Müll und zerschlagene WC-Becken. © Sebastian Schultz
Aus den Mauern wachsen bereits junge Bäumchen.
Aus den Mauern wachsen bereits junge Bäumchen. © Sebastian Schultz

Dabei täten manchem etwas mehr Drill und Ordnung durchaus gut, ist er überzeugt. - Auch der Deutschen Bahn AG. Denn sie lässt ein ehemaliges Toilettenhaus verfallen. Das befindet sich gleich neben dem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Dazwischen verläuft die Grundstücksgrenze.

Während der Backsteinbau, in denen momentan drei Mietparteien wohnen, noch einigermaßen in Ordnung ist, steht das WC-Haus auf Bahn-Land und bietet einen erbärmlichen Anblick. Die Tür ist eingetreten, das Dach zusammengebrochen, Fenster sind kaputt und aus den Mauern wachsen schon kleine Bäume. Ein angebauter Holzschuppen wird von Unbekannten als Müllhalde benutzt. Zahlreiche Hartgummimatten, mit denen normalerweise Bahnübergänge ausgefüllt werden, liegen an dem Häuschen, das zu DDR-Zeiten auch als Petroleum-Lager genutzt wurde. Und ringsherum wuchern Büsche, die niemand beseitigt.

"Hier verwildert alles ringsum und niemanden von der Bahn stört das", schimpft Topplep. "Auf dem Röderauer Bahnhof werden hunderttausende Euro für neue Lampen ausgegeben, aber so eine Ruine lässt die Bahn einfach stehen. Das ärgert mich so."

Aus seiner Sicht gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder instand setzen oder wegreißen! Es müsse jedenfalls was getan werden. "Denn ich schäme mich jedes Mal, wenn ich Besuch kriege", sagt der Rentner, der als Hausmeister das ehemalige Bahnhofsgebäude und die dazugehörigen Außenflächen in Schuss hält.

Was er nicht weiß, ist, dass die Deutsche Bahn bereits die Ruine ins Visier genommen hat. "Derzeit wird der Rückbau des Toilettenhauses und zweier benachbarter Schuppen geplant und terminlich eingeordnet", schreibt Bahn-Pressesprecher Jörg Bönisch auf Anfrage von saechsische.de. "Wahrscheinlich wird dies in 2022 komplett umgesetzt sein."

Das dürfte Peter Topplep beruhigen. Denn eigentlich wohnt Peter Topplep mit seiner Familie gern im ehemaligen Bahnhofsgebäude. "Man lebt ganz ruhig hier, sonst wäre ich schon lange weg", sagt er.

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