merken
PLUS Riesa

"Es wird wieder eine Messe geben"

Dirk Zschoke ist der neue Stauchitzer Bürgermeister. Es soll nicht die einzige Amtszeit bleiben. Auf dem Bürgermeisterstuhl sitzt er dennoch nicht.

Neues Bürgermeister, altes Zimmer. Dirk Zschoke ist seit 31. Oktober Bürgermeister von Stauchitz.
Neues Bürgermeister, altes Zimmer. Dirk Zschoke ist seit 31. Oktober Bürgermeister von Stauchitz. © Sebastian Schultz

Herr Zschoke, seit Ende Oktober sind Sie der neue Bürgermeister von Stauchitz, sitzen aber immer noch in Ihrem alten Zimmer. Trauen Sie sich nicht auf den Bürgermeisterstuhl?

Doch, schon. Allerdings habe ich im doppelten Sinne etwas auf- und umgeräumt. Dazu gehört auch, das Dienstzimmer des Bürgermeisters umzugestalten. Es wurden neue Möbel bestellt, die sind aber noch nicht da. Ich denke, Anfang Januar kann der Umzug stattfinden.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Sie sind jetzt 54 Jahre, zum Ende dieser Amtszeit werden Sie 61 sein. Ist Bürgermeister Ihr Lebensziel, oder kommt da noch was, streben Sie nach Höherem?

Bürgermeister zu sein, war und ist mein Lebensziel. Die nächsten sieben Jahre werden zeigen, ob die Bevölkerung das gut findet. Und dann werde ich sehen, ob ich für weitere sieben Jahre kandidiere. Ich habe mir große Ziele gesetzt, will viele Aufgaben anpacken, könnte mir vorstellen, dass für die Umsetzung sieben Jahre nicht reichen.

Welche Ziele sind das?

Erst mal drei, die sich mit Hort, Feuerwehr und Breibandausbau beschreiben lassen.

Der Hortneubau ist mit 3,5 Millionen Euro ein großer Brocken. Das geht nicht ohne Fördermittel. Was, wenn die nicht kommen?

Wir haben jetzt wahrscheinlich die Möglichkeit, 50 Prozent der Summe gefördert zu bekommen. Fördermittel für Hortneubauten gab es die vergangenen 20 Jahre nicht und wird es wohl auch für weitere 20 Jahre nicht mehr geben. Wir müssen die Chance jetzt nutzen, weil sie nicht gleich wiederkommt. Was passiert, wenn es keine Förderung gibt, darüber mache ich mir Gedanken, wenn es so weit ist.

Für die Feuerwehr entsteht ein neues Gerätehaus in Mehltheuer, das Stauchitz gemeinsam mit Hirschstein baut. Wie sieht es bei den anderen Wehren aus?

Wir haben neben Seerhausen, die in Mehltheuer einziehen wird, noch drei weitere Ortswehren in Staucha, Stauchitz und Bloßwitz. Alle drei Feuerwehrgerätehäuser haben mehr oder weniger große Mängel, die über kurz oder lang abgestellt werden müssen. Gemeinsam mit den Wehren müssen wir überlegen, ob es sinnvoll ist, jedes Haus zu sanieren oder gleich ein neues für alle drei zu bauen. Doch das ist alles noch im Fluss und Zukunftsmusik.

Wie sieht es mit der Feuerwehrtechnik aus?

Ich habe gerade gelesen, dass der letzte W50 im Landkreis aussortiert wurde. Solche Fahrzeuge haben wir ebenso wie den Robur oder den Barkas schon lange nicht mehr. Dennoch ist unser ältestes Fahrzeug nun auch schon wieder 20 Jahre alt.

Beim Breitbauausbau geht Stauchitz einen Sonderweg. Eine richtige Entscheidung?

Das wird sich zeigen. Jedenfalls läuft der Ausbau besser als gedacht. Wir haben jetzt in drei Ortsteilen angefangen.

Die Kämmerin hat zur Gemeinderatssitzung davon gesprochen, dass Stauchitz wegen Corona hohe Steuerausfälle drohen. Welche Auswirkungen hat das?

Ja, wir rechnen allein bei der Gewerbesteuer mit 150.000 Euro weniger als geplant. Die genaue Summe können wir heute noch nicht abschätzen. Klar ist aber, dass wir im kommenden Jahr sparen müssen. Eine Folge wird sein, dass wir in diesem Jahr im Haushalt mit einer schwarzen Null abschließen. Ursprünglich hatten wir mit einem Überschuss gerechnet.

Müssen freiwillige Aufgaben gestrichen werden?

Naja, so viele freiwillige Aufgaben haben wir ja nicht, es geht vor allem um die Vereinsförderung und die Unterstützung von Seniorenklubs. Das wollen wir auch 2021 fortführen.

Eine freiwillige Aufgabe ist der Markttag. Wird es ihn weiter geben?

Auf alle Fälle, wir wollen ihn sogar wieder ausweiten. Es soll jetzt nur noch einen Monat Sommerpause geben, insgesamt also wieder elf Märkte im Jahr.

Und die Gewerbemesse, ist die gestorben?

In der bisherigen Form ist sie gestorben, ja. Mir schwebt aber eine andere Messeveranstaltung vor, eine, die vor allem für junge Familien mit Kindern ein Anziehungspunkt sein soll. Konkretere Planungen gibt es aber noch nicht. Wir sammeln gerade Ideen. Ab 2022 könnte aber solch eine Messe stattfinden.

Junge Familien zieht man vor allem durch Baugrundstücke in die Gemeinde. Wie sieht es damit aus?

Wir sind dabei, weitere Baugrundstücke zu entwickeln. So schwebt uns vor, Teile eines Grundstückes in Groptitz, das ein Zirkus für sein Winterquartier nutzte, zu erwerben. Dort könnten vier bis fünf Häuser entstehen. Auch auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei in Stauchitz könnten acht bis neun Häuser gebaut werden. Gemeinsam mit dem privaten Grundstückseigentümer möchten wir die Fläche erschließen.

Wie ist die Gemeinde bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Ich glaube, wir sind die einzige Gemeinde im Landkreis Meißen, die noch keine Todesfälle im Zusammenhang mit Corona zu beklagen hat. Mitte Dezember hatten wir beispielweise 19 gemeldete Erkrankungen. Sicher kommt uns bei den Zahlen zugute, dass wir kein Altenpflegeheim oder Ähnliches haben. Dort gibt es ja die meisten Erkrankungen. Ein Problem war, dass acht Feuerwehrleute der Gemeinde in Quarantäne mussten, nachdem sie bei einem Einsatz Kontakt mit einem Infizierten hatten. Zum Glück waren alle Tests negativ.

Dennoch mussten auch in Stauchitz Schulen und Kindereinrichtungen schließen. Bekommen die Eltern Geld zurück?

Ich glaube, das größere Problem ist für die Eltern, eine Betreuungsmöglichkeit in dieser Zeit zu finden. Nur 22 von 150 Mädchen und Jungen werden derzeit in einer Einrichtung notbetreut. Zu den Beiträgen haben wir bisher noch keine Entscheidung getroffen. Fakt ist, dass die Erzieherinnen weiter bezahlt werden müssen. Müssen die Einrichtungen auch nach dem 10. Januar weiter geschlossen bleiben, werden wir über Kurzarbeit nachdenken müssen.

Nach Ihrer Wahl zum Bürgermeister muss die Bauamtsleiter-Stelle neu besetzt werden. Auch für das Gewerbe- und Einwohnermeldeamt muss Ersatz gefunden werden, nachdem die Mitarbeiterin zum 31. Januar 2021 aufhört. Wie sieht es damit aus?

Wir haben beide Stellen ausgeschrieben, es gab auch einige Bewerbungen. Das Problem ist, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden. Wir haben die Stelle des Bauamtsleiters nochmals ausgeschrieben. Ich bin optimistisch, dass wir geeignete Bewerber finden. Ansonsten sind bei uns alle Stellen besetzt. Wir haben ein gutes Team gebildet.

Das Gespräch führte Jürgen Müller.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa