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Chinesische E-Autos aus Bobersen

Wahl-Sachse Hans Ramp will von hier aus ins Geschäft der Zukunft einsteigen. Die Fahrzeuge sind zwar um die Hälfte billiger, aber eine Umweltprämie gibt es nicht.

Hans Ramp möchte von Bobersen aus chinesische E-Autos, so wie diesen BJEV R500, verkaufen.
Hans Ramp möchte von Bobersen aus chinesische E-Autos, so wie diesen BJEV R500, verkaufen. © Kristin Richter

Bobersen. Es gibt sicherlich schönere Orte, um neue Autos zu präsentieren. Die gläserne Manufaktur in Dresden oder die Autostadt Wolfsburg machen es vor, wie man die Vorfreude auf den neuen Familienschlitten zelebrieren kann. Das Herrenhaus in Bobersen gehört dagegen nicht zu den Topadressen im deutschen Automobil-Handel. Noch nicht. Doch geht es nach Hans Ramp, dann könnte sich das bald ändern.

Der Holländer hat das Herrenhaus in dem kleinen Ort bei Riesa vor ein paar Jahren gekauft, um es für sich und seine Frau Adriana bewohnbar zu machen. Auch das Schloss in Wendischbora bei Nossen gehört ihm. Genauso wie ein Schloss in der Nähe von Prag, wo vier seiner fünf Kinder leben.

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Der Mann hat es mit seinem Geschäftssinn zu einem kleinen Vermögen gebracht. Denn der 59-Jährige hat ein gutes Gespür für Dinge, die ganz groß im Kommen sind. "Meine Strategie ist Qualität für wenig Geld", sagt der studierte Agraringenieur. "Das mache ich schon seit 30 Jahren so."

Viel preiswerter als die Konkurrenz

Er hat nach eigenen Angaben von 1987 bis 1992 mit Rinder-Embryonen aus den USA gehandelt und sie in Holland viel preiswerter als die Konkurrenz angeboten. Als stromsparende LED-Lampen aufkamen, hat er sie im großen Stil an Landwirte verkauft. "20.000 Bauern in Europa kennen mich persönlich", sagt Ramp.

Und nun ist wieder Aufbruchstimmung. Immer mehr Menschen überlegen sich, ein umweltfreundliches Elektro-Auto anzuschaffen. Laut ADAC wurden 2020 in Deutschland rund 200.000 reine Elektroautos neu zugelassen. Zählt man die Plug-in-Hybride dazu, waren es rund 400.000 elektrisch angetriebene Fahrzeuge. "In einigen Jahren wird die ganze Welt auf Elektrofahrzeuge umstellen", ist Hans Ramp überzeugt und wittert erneut das große Geschäft.

Mit seiner neuen Firma RvH - R steht für Ramp und vH für van Holten, der Mädchenname seiner Frau - ist der Holländer von Bobersen aus in den Handel mit chinesischen E-Autos eingestiegen. Sie sind in aller Regel um die Hälfte billiger als europäische Modelle und trotzdem verdient er noch Geld dabei.

Hans Rams zeigt die chinesischen Zeichen am Heck des BJEV R500. Angeblich bedeuten sie "Testauto neue Energie".
Hans Rams zeigt die chinesischen Zeichen am Heck des BJEV R500. Angeblich bedeuten sie "Testauto neue Energie". © Kristin Richter

"Wenn man an Autos in China denkt, hat man sofort Bilder vom Smog in den Großstädten im Kopf", plaudert Ramp. Dabei gibt es nirgendwo auf der Welt so viele Hersteller von Elektroautos wie in China. Noch bis vor zwei Jahren drängten rund 500 Start-up-Unternehmen mit eigenen E-Autos in den Markt. Die kommunistische Regierung in Peking sah das mit Sorge und regulierte. Dennoch hat sich im vergangenen Jahr der Anteil der Elektroautos mit knapp zehn Prozent aller chinesischen Neuwagen nahezu verdoppelt.

"Ich will alle chinesischen Elektroautos in Europa publik machen", kündigt Hans Ramp an. Bei der Vielzahl an Modellen klingt das vermessen. Der Wahl-Sachse bietet im Internet u.a. E-Autos an von WM Motors, Jac, X-Peng, Baic und sogar die Elektro-Variante des VW Passat, der in China Lavida heißt.

Letzteren für knapp 20.000 Euro, was die Konzernchefs in Wolfsburg wenig freuen wird. Denn sie wollen sicherlich keine hiesige Konkurrenz für ihren VW-Kleinwagen ID.3, den Skoda Enyag und den Audi E-tron. Das schert Ramp aber wenig. Er bleibt bei seinem Erfolgsrezept, das schon mit den Rinder-Embryonen funktionierte: Hauptsache gut und preiswert.

Hans Ramp und seine Frau Adriana Ramp van Holten haben das ehemalige Herrenhaus in Bobersen vor ein paar Jahren gekauft und außen schön restauriert.
Hans Ramp und seine Frau Adriana Ramp van Holten haben das ehemalige Herrenhaus in Bobersen vor ein paar Jahren gekauft und außen schön restauriert. © Sebastian Schultz

Ramps leise China-Flitzer sind in etwa halb so teuer wie vergleichbare europäische E-Autos. Eine Umweltprämie (etwa 9.000 Euro) für seine importierten Autos gibt es allerdings nicht. Sein Teil der Umweltprämie (ein Drittel) sei durch den günstigen Preis abgegolten.

Dass E-Autos aus China europäischen Modellen in Qualität und Sicherheit kaum nachstehen, haben bereits deutsche Fachzeitschriften bestätigt. So quittierte zum Beispiel das Magazin Auto-Motor-Sport den SUV-Modellen von Nio bei Praxistests auf deutschen Straßen "eine gute Figur".

Auch der BJEV R500 von Baic, den die SZ in Bobersen zur Probe fahren durfte, macht außen wie innen einen guten optischen Eindruck einer Mittelklassen-Limousine. Und das zum gleichen Preis wie der VW e-Lavida. Das Leder ist ordentlich verarbeitet. Cockpit, Bordcomputer und Rückfahrkamera sind schick. Das Fahrverhalten ist angenehm. Für sportliche Fahrer sind E-Autos allerdings nichts. Die Höchstgeschwindigkeiten liegen bei 130 bis 160 km/h. Als Familienwagen reicht das aber völlig aus.

Keine Vertragswerkstätten und Inspektionen

Mit Vertragswerkstätten kann Hans Ramp nicht dienen. Genauso wenig mit jährlichen Inspektionen. "Bis auf Räder und Bremsen gibt es ja nichts zu testen", sagt er. Ölwechsel, Abgaskontrollen und Partikelfilter seien bei E-Autos nicht notwendig. Auch darin sieht er einen großen Vorteil. Auf die Batterien geben die Hersteller acht Jahre Garantie. Und mit fünf chinesischen Produzenten von Elektro-Fahrzeugen habe er auch Verträge für Ersatzteile abgeschlossen.

Einen Nachteil an seinen Importen gibt es dennoch für Leute, die Wert auf leichte Bedienbarkeit legen. Standardsprache im Cockpit und Bordcomputer ist Englisch. Denn Ramp bestellt die Fahrzeuge für den gesamten europäischen Markt. Auf Wunsch könnten die Fahrzeuge in China auch mit deutscher Sprache ausgestattet werden. Das habe aber längere Lieferzeiten zur Folge.

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Momentan ist er noch auf der Suche nach einem Großinvestor, der in das Geschäft der Zukunft einsteigt. 250 E-Autos könne er selbst vorfinanzieren. Doch er hofft, dass es mit den richtigen Finanziers an der Seite die zehnfache Menge ist. Dann könnte er sich auch vorstellen, ein großes Autohaus zu eröffnen. Ein mögliche Immobilie steht nicht weit entfernt von Bobersen: der ehemalige Praktiker-Markt in Zeithain.

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