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Fähren unter neuer Flagge

Strehlas Nixe verkehrt seit 1. April wieder nach Lorenzkirch. Für Riesas Riepro wurde es mit einem österlichen Saisonauftakt nichts.

Der Strehlaer Fährmann Henry Stasch zeigt die neue Technik im Führerhaus der "Nixe". Das Fährschiff ist seit Donnerstag wieder im Dienst.
Der Strehlaer Fährmann Henry Stasch zeigt die neue Technik im Führerhaus der "Nixe". Das Fährschiff ist seit Donnerstag wieder im Dienst. © Eric Weser

Altkreis Riesa. Henry Stasch hat den Finger drauf: Das Kassensystem mit dem berührungsempfindlichen Bildschirm und dem Münzhalter gab es vorher auf der Nixe nicht. Der orangefarbene Entwerter, der draußen am Dach des Führerhauses des Schiffs prangt, ist auch neu. Genauso wie die Flagge am Bug, unter der die Strehlaer Personenfähre jetzt schippert. Sie trägt das Logo der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM). Diese hat zum 1. April den Fährbetrieb übernommen.

Nicht nur in Strehla, wo die Stadt den Fährbetrieb bis voriges Jahr selbst organisiert hatte, ist das so. Auch Riesas Personenfähre Riepro, die den Riesaer Stadtwerken gehört und zuletzt jahrelang von deren Tochterfirma Esam bewirtschaftet worden war, befindet sich jetzt unter den Fittichen der VGM.

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Die Fähranleger in Riesa und Promnitz bleiben vorerst weiter geschlossen. Die Fähre Riepro ist nach wie vor nicht zurück von der Landrevision in Meißen.
Die Fähranleger in Riesa und Promnitz bleiben vorerst weiter geschlossen. Die Fähre Riepro ist nach wie vor nicht zurück von der Landrevision in Meißen. © Eric Weser

Zumindest auf dem Papier. Von Fährbetrieb am Riesaer Anleger vorm Bootshaus am ersten Apriltag nichts zu sehen. Die Riepro ist nach wie vor zur Landrevision bei einer Fachfirma in Meißen. Wegen Materiallieferproblemen verzögert sich die Rückkehr, wie Herms Gruber erklärt, der Fährenverantwortliche bei der VGM. Wann das Schiff zurück in Riesa sein wird, kann Gruber nicht sagen. Er rechne mit Mitte April.

Strehlas Nixe hat ihre letzte Revision 2019 erfolgreich hinter sich gebracht. Technisch sei das Schiff in gutem Zustand und voll einsatzbereit, sagt Fährmann Henry Stasch, der am liebsten schon in den letzten Märztagen Gäste befördert hätte. Zumal gerade Anfang und Mitte dieser Woche viele Menschen am Anleger gestanden und um Überfahrt gebeten hätten. Weil aber die neuen Betreiberverträge für die Fähre erst ab 1. April galten, ging das nicht.

Schade, aber kein Grund für Ärger. Im Gegenteil: Der Strehlaer Fährmann ist froh, jetzt bei der VGM zu sein. Fähren seien ein Verkehrsmittel – und gehören aus seiner Sicht deshalb auch in ein Verkehrsunternehmen. Schon seit Jahren habe er sich dafür ausgesprochen.

Die grün-graue Arbeitskluft mit dem VGM-Logo trägt der Fährmann daher auch mit Stolz. Für den Sommer wünscht er sich noch ein paar kurze Sachen, um bei Hitze nicht zu stark schwitzen zu müssen. Eine einheitliche Dienstkleidung für sich und seine Kollegen findet der Strehlaer gut. Schließlich stelle man ja auch etwas dar.

Insgesamt 16 Fährleute ist der Kollegenkreis bei der VGM groß. Ein Personalfonds, um Urlaube, Krankheit oder andere Ausfälle kompensieren zu können. Dass jeder Fährmann auf jeder Fährstelle fahren kann, wird aber nicht möglich sein, macht Herms Gruber von der VGM deutlich. Es brauche für Fährstellen eine Ausbildung und Prüfung. Da gehe es auch um Kosten. Hinzu komme, dass man Stammpersonal für jede Fähre anstrebe, da jedes Schiff technische Eigenheiten habe und auch jede Fährstelle ein bisschen anders sei.

Eins ist indes jetzt bei allen vier Fähren im Kreisgebiet – Strehla, Riesa, Niederlommatzsch und Coswig – infolge des neuen Betreibers gleich: die Preise. Überall kostet die Einzelfahrt 1,50 Euro oder ermäßigt einen Euro. Daneben können VVO-Tickets genutzt werden.

Über weitere Harmonisierungsfragen soll demnächst im sogenannten Fährbeirat gesprochen werden. In dem noch zu gründenden Gremium sollen die VGM, der Landkreis Meißen und Bürgermeister der Fährgemeinden vertreten sein, so Herms Gruber von der VGM. Eine der Fragen, mit der sich die Runde befassen soll: Ob etwa Strehlas Fähre ganzjährig verkehren wird. Zwar sei so auch das natürlich eine Kostenfrage, so Gruber. Aber eine Öffnung von Montag bis Freitag sei ein Angebot in Richtung der Bürger von Strehla und den Nachbarorten auf der gegenüberliegenden Elbseite, die die Fähre im Alltag nutzen.

Die Strehlaer Fähre Nixe. Eigentümerin ist weiter die Stadt Strehla. Betrieben wird die Fähre aber ab sofort von der Meißner Verkehrsgesellschaft. Auch Riesas Fähre ist jetzt unter deren Dach angesiedelt.
Die Strehlaer Fähre Nixe. Eigentümerin ist weiter die Stadt Strehla. Betrieben wird die Fähre aber ab sofort von der Meißner Verkehrsgesellschaft. Auch Riesas Fähre ist jetzt unter deren Dach angesiedelt. © Eric Weser

Tatsächlich war am 1. April eine Erzieherin aus der Kreinitzer Kita der erste Saisonfahrgast, erzählt Fährmann Henry Stasch. Dem Strehlaer Fährmann selbst wäre in Sachen Harmonisierung wichtig, dass die Öffnungszeiten aller Fähren vereinheitlicht werden. Doch dem erteilt Herms Gruber eine Absage. Man müsse schlicht Angebot und Bedarf an der jeweiligen Fährstelle im Blick behalten. Es ergebe wenig Sinn, eine Fähre bereits 5 Uhr zu öffnen, wenn die ersten Gäste erst 6 Uhr kämen.

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Wie sich die nunmehr vier Fähren unter dem Dach der VGM weiter entwickeln, muss sich jetzt zeigen. Henry Stasch, der noch fünf Jahre Arbeit bis zur Rente vor sich hat, wird vermutlich noch die ein oder andere Veränderung erleben – und in der Zwischenzeit wie in den vergangenen Jahren seine Gäste verlässlich über die Elbe schippern.

Website der VGM-Fähren mit Öffnungszeiten und Ticketinfos.

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