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Kein leichtes Jahr für Riesas Stadtbahn

Personalmangel, technische Defekte und ein folgenreicher Unfall: Der Stahlmax hat eine harte Saison hinter sich. Doch die Macher geben nicht auf.

Von Christoph Scharf
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Sieht noch frisch aus, ist aber sehr pflegebedürftig: die Riesaer Stadtbahn Stahlmax vor dem Riesenhügel.
Sieht noch frisch aus, ist aber sehr pflegebedürftig: die Riesaer Stadtbahn Stahlmax vor dem Riesenhügel. © Stadtbahn-Verein/Gunter Spies

Riesa. Nach mehr als 20 Jahren gehört der Stahlmax in Riesa längst zum Stadtbild. „Mit allen Ecken und Kanten“, sagt Kurt Hähnichen vom Stadtbahnverein. Denn tatsächlich gab es zuletzt immer wieder technische Defekte. Mal war es der Motor, mal die Bremsanlage, mal die Elektronik. Kein Wunder: Ist die Stadtbahn doch kein Fahrzeug von der Stange, sondern aus Teilen diverser Hersteller zusammengestellt. Und mit ihrer Lebensdauer kann man sie getrost als „alte Dame“ bezeichnen.

Der Stadtbahnverein will mit dem Fahrzeug und weiteren Aktionen die Innenstadt beleben: Dazu trägt die Stadtbahn unzweifelhaft bei, die werktags ihre Runden zwischen Riesenhügel und Rathausplatz dreht und dabei auch durch die langgestreckte Fußgängerzone fahren darf.

Dort hatte es dieses Jahr allerdings einen folgenschweren Unfall gegeben. Ein versenkbarer Poller hatte funktioniert, nicht aber die zugehörige Ampel - so fuhr der Stahlmax gegen den Poller. Sindy Däbritz von der Riesa-Information, die den Einsatz des Fahrzeugs koordiniert, saß zufällig selbst mit Freunden als Insassin drin. Der Schaden war erstmal ein Schock, sagt Kurt Hähnichen. Immerhin: Mithilfe einer befreundeten Firma habe man ihn innerhalb von vier Wochen reparieren können. „Leider fielen dadurch die bereits für den Schuleingang gebuchten Sonderfahrten aus“, sagt er.

Allein zum Schuleingang gibt es in normalen Jahren drei bis fünf Sonderfahrten, insgesamt jährlich 100 bis 150, sagt Sindy Däbritz - etwa für Geburtstage oder Klassentreffen. In den vergangenen Jahren waren es coronabedingt „sehr viel weniger“ Sonderfahrten.

Dazu kam dann noch ein Personalmangel bei Busfahrern: Die werden vereinbarungsgemäß von der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) gestellt, sind aber derzeit offenbar knapp. „Ich verstehe, dass der Nahverkehr zuerst seine regulären Buslinien fahren lassen will. Aber für Leute, die sich schon lange auf eine Fahrt mit unserer Stadtbahn freuen, ist das sehr schade“, sagt Andree Schittko vom Stadtbahnverein. Fahrer zu finden, sei nicht einfach: Die brauchen einerseits den Personenbeförderungsschein und müssen andererseits mit der speziellen Technik des Stahlmax zurechtkommen.

Und dann gelten für Busfahrer auch noch strenge Arbeitszeiten-Vorschriften - da kann man sich nicht einfach in der Ruhezeit ans Stadtbahn-Steuer setzen. „Wir sind froh, dass wir mit der Verkehrsgesellschaft Meißen einen guten Pool von sieben Fahrern haben.“

Um den treuen Fahrern Danke zu sagen, lädt der Stadtbahnverein Anfang Dezember zum ersten Mal seit vielen Jahren seine Fahrer zu einem „Fahrerabend“ ein - zum gegenseitigen Austausch und Dank für den teils jahrelangen Einsatz für den Stahlmax. Auch die Partner-Unternehmen sind willkommen: Ohne die Unterstützung mancher Werkstatt aus der Region wäre der Unterhalt der „alten Dame“ wohl gar nicht mehr zu leisten. „Viele reparieren zum Selbstkostenpreis oder unterstützen uns mit Ersatzteilen“, sagt Schittko.

Wer selbst einen Beitrag zum Erhalt der Stadtbahn leisten will, kann das auch durch den Kauf von Souvenirs in der Riesa-Information: Von Malbüchern, über CD’s, Aktien, Tassen, Seifen, T-Shirts bis zum Kräuterlikör oder zu Handtüchern reicht die Palette, die der Stadtbahnverein mit Hilfe von Gestalter Udo Merzdorf herausgebracht hat. Der Erlös kommt dem Betrieb des Stahlmax zugute. Die Bahn selbst ist mittlerweile in der Winterpause und nur noch zu Sonderfahrten unterwegs. Die Pause braucht die „alte Dame“ auch dringend: für Durchsicht, Reparaturen, Inspektionen.