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Geldsegen für Kommunen durch Windräder

Weil in Glaubitz und Zeithain neue Anlagen gebaut werden, können die Kommunen ab 2024 mit Einkünften rechnen. Warum auch Wülknitz nicht leer ausgeht.

Die bisherigen Windräder bringen den Gemeinden nur kleine Geldzuwendungen der Betreiber. Das soll bald anders werden.
Die bisherigen Windräder bringen den Gemeinden nur kleine Geldzuwendungen der Betreiber. Das soll bald anders werden. © Lutz Weidler

Glaubitz/Zeithain. Welchen Vorteil haben die Kommunen, wenn auf ihrem Territorium Windräder gebaut werden? Bisher nicht viel. Lediglich ein paar Tausender springen jährlich für die Gemeinden heraus, wenn sie den Windrad-Betreibern ein Wegerecht einräumen. Diese sehr unterschiedlichen Vergütungen sind immer vom Verhandlungsgeschick der jeweiligen Bürgermeister abhängig. Auch wenn die freiwilligen Geldleistungen der Firmen meist in einem städtebaulichen Vertrag festgehalten wurden, so schwebte stets der Verdacht der Bestechlichkeit der Kommunen mit.

Das ist nun anders. Seit Anfang des Jahres sieht das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor, dass Kommunen an der Wertschöpfung der Windenergieanlagen beteiligt werden können. Das soll sie nicht nur aus einer rechtlichen Grauzone herausholen, sondern vor allem die Akzeptanz für die Windräder steigern.

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Künftig sollen die Betreiber von Windenergieanlagen den Standortkommunen jährlich 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde zahlen. Im Gesetz ist die Regelung als "Kann-Bestimmung" definiert, jedoch könnten die Kommunen hier regelmäßig ein entsprechendes Angebot der Projektentwickler erwarten, heißt es in einer Pressemitteilung des Freistaats Sachsen. Verlangen können die Städte und Gemeinden das Geld allerdings nicht. Das wäre wieder Bestechung.

Verbraucher zahlen EEG-Umlage

Stefan Thieme-Czach von der Sächsische Energieagentur GmbH (Saena) spricht von einer "sauberen Regelung". Die Windrad-Betreiber nehmen das Geld aus der EEG-Umlage, die die Stromnetzbetreiber für die Einspeisung von umweltgerechter Energie bezahlen. Die Umlage liegt in diesem Jahr bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde und wird letztlich vom Verbraucher finanziert.

Für die 21 bestehenden Windkraftanlagen im Windpark Streumen trifft diese neue Regelung noch nicht zu. Er befindet sich größtenteils auf dem Gebiet der Gemeinde Wülknitz. 15 Windräder stehen hier. Glaubitz hat momentan fünf derartige Anlagen, Zeithain nur eine.

Bald sollen drei neue Windenergieanlagen dazukommen. Die Sachsen-Energie AG will auf dem Glaubitzer Gebiet zwei Windräder vom Typ Vestas V 138 und V 150 errichten. Auf Zeithainer Flur soll noch eine Vestas V 138 entstehen.

An den rot-markierten Stellen sollen die neuen Windräder im Windpark Streumen im kommenden Jahr errichtet werden.
An den rot-markierten Stellen sollen die neuen Windräder im Windpark Streumen im kommenden Jahr errichtet werden. © SZ-Grafik

Thieme-Czach kennt den Streumener Windpark. "Dort herrschen eigentlich gute Windverhältnisse", sagt er. Sie sind maßgebend dafür, wieviel Strom erzeugt wird und schließlich auch, wie hoch die freiwillige Abgabe der Windrad-Betreiber an die Kommunen sein kann.

"In Streumen erwarten wir für unsere bestehenden Windenergieanlagen in einem durchschnittlichen Windjahr ca. 2.190 Volllaststunden", teilt Nora Weinhold, die Pressesprecherin der Sachsen-Energie, auf SZ-Anfrage mit. Multipliziert man die Volllaststunden mit der Nennleistung des Windrades und den 0,2 Cent pro Kilowattstunde ergibt sich die mögliche Zuwendungssumme an die Gemeinden.

"Für konkrete Summen ist es noch zu früh, da sich die drei Windenergieanlagen noch im Genehmigungsverfahren befinden", so die Pressesprecherin. Zudem sei die Aufteilung auf die Gemeinden sowie die Berechnung der Zuwendungshöhen noch nicht erfolgt. Denn jetzt schon steht fest, dass auch die Gemeinde Wülknitz etwas von dem Geld abhaben soll. Denn um jedes Windrad wird ein imaginärer Kreis von 2,5 Kilometer Radius gezogen. Jede Kommune, die sich in diesem Umkreis befindet, soll beteiligt werden.

Geld fließt frühestens 2024

Für alle drei neuen Windkraftanlagen rechnet die Sachsen-Energie AG mit einem Jahresenergieertrag von rund 32 bis 35 Millionen Kilowattstunden. "Somit kann die gesamte Zuwendungssumme jährlich bis zu 70.000 Euro betragen", sagt Nora Weinhold.

Doch bis Glaubitz, Zeithain und Wülknitz dieses Geld in ihre Gemeindekassen einplanen können, vergeht noch etwas Zeit. Baubeginn für die drei neuen Windräder soll im nächsten Jahr sein. Die Sachsen-Energie AG rechnet mit einer Inbetriebnahme Ende 2022 oder Anfang 2023. Die Gemeinden erhalten das Geld jährlich, jeweils nach der Abrechnung eines Betriebsjahres. Bei einer Inbetriebnahme 2023 sei dies somit frühestens 2024 der Fall, so die Pressesprecherin.

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